KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel & Schleswig-Holstein seit 2009

Posts Tagged ‘Ostufer

Kruber-Zitate und SRB

with one comment

Heute in einem größeren KN-Interview (S.28) positioniert sich Stefan Kruber. Viel Neues ist von ihm offenbar nicht zu erwarten. Nur ein paar Zitate:

Ich würde für studentisches Wohnen auf dem Ostufer werben und die
Rahmenbedingungen dafür verbessern, würde den Studenten vermitteln wollen, hier
kann man auch gut leben. Ich will das studentische Leben rund um die Fachhochschule
entwickeln. Ich will eine echte Zukunft für das Ostufer.

Bleibt die Frage: Was ist eigentlich das „Ostufer? Aus meiner Perspektive kann man zwar von „dem Westufer“ reden (sagen wir mal alles südlich des NOK), aber nicht von „dem Ostufer“, weil Stadtteile wie Gaarden, Elmschenhagen, Wellsee, Wellingdorf,…. vom Charakter her extrem unterschiedlich sind. Z.B. ist Gaarden der urbanste Stadtteil Kiels, während Wellsee zum einen primär Gewerbegebiet ist und zum Teil spießige Reihenhaussiedlungen. Von welcher Perspektive reden wir also? Insofern ist natürlich der Titel der „Stadtteilzeitung“ „Unser Ostufer“ auch etwas verfehlt. Eine gemeinsame „Ostufer“-Identität gibt es nicht. Und für Gaarden kann ich sagen, dass sich die Identitäten der Straßen teilweise bereits alle 20-50 Meter ändern. Wenn man da alles in einen Topf wirft, wird es schwierig. Und „Studentisches Wohnen“ als Kampfbegriff ist insofern problematisch, als dass Studierende zwar immer auch hier gewohnt haben, aber es klein klassisches Studierendenviertel auf dem Ostufer gibt. Alleine schon wegen der Ferne zu den meisten Instituten. Hier also künstlich eine Klientel einpflanzen zu wollen muss scheitern. Wenn es z.B. mehr Studierende in Gaarden gibt, dann durch den reinen Wohnraum-Druck und weil es überall mehr Studierende gibt.

Kiel ist auch „Gorch Fock“ …  Mit Kiel Sailing City haben wir eine gute Marke, mit  der sich arbeiten lässt.

Kiel ist also auch [Segelschulschiffname] – provinzieller gehts dann auch fast nicht mehr. Die Begeisterung für „Kiel Failing City“ kann  ich auch nicht teilen.

Insgesamt bestätigt sich mein Eindruck, dass Kruber nur ein Proforma-Kandidat ist, der nur durch inhaltliche Blässe glänzt. Natürlich ist man gegen die SRB, wie auch die Kieler Nachrichten als Ganzes. Die tönt im Schleswig-Holstein-Teil der KN heute: „Plan-Stopp für Stadtregionalbahn“. Liest man allerdings den Inhalt des Artikels, so geht es nur darum, dass Verkehrsminister Meyer von den Umlandgemeinden fordert Farbe zu bekennen, bevor er weiteres Geld für Planungen freigibt. Und die KN stellt Faken falsch dar in dem sie behaupten:

  • „Mit Schützenhilfe des Landes kann die SRB kaum rechnen.“ – und:
  • „Bei den zwei Konkurrenzprojekten im Großraum Hamburg, S4 und S21, läuft dagegen alles nach Plan.“

Zum einen gab es keine Distanzierung der Landesregierung von der SRB – ganz im Gegenteil, trotz dem die KN das immer wieder herbeischreiben möchte. Zum anderen sind die S-Bahn-Linien keine Konkurrenzprojekte zur Stadtregionalbahn.

In dem KN-Artikel zu den ersten Untersuchungsergebnissen einer Machbarkeit einer Seilbahn über die Förde wurde bekannt, dass Fahrgast-Zufriedenheitsstudien der KVG immer in den Semesterferien stattgefunden haben. Und das dadurch auch ein falsches Bild von der Belastung des Busnetzes entstanden. Pendler und andere regelmäßige Busnutzer wissen längst, dass das Kieler Bussystem am Limit ist. Es wird da manchmal eingeworfen, dass ein paar mehr Busse das ganze Problem lösen werden. Aber das erzählt man uns in Kiel bereits seit 15 Jahren, verändert hat sich nichts. Ich kenne viele Leute, die das Gedränge in den Bussen nicht abkönnen und niemals Bus fahren würden. Gedränge heisst:

  1. Damit leben, dass der Bus einem an einer Haltestelle im Regen stehen lässt, weil er bereits voll ist.
  2. Das man den Bus nicht verlassen kann am Zielort, weil kein Durchkommen ist
  3. Das man mit allen Fahrgästen auf Tuchfühlung ist, auch was ansteckende Krankheiten, unangenehme Gerüche,… angeht
  4. ab und zu mal durch Taschendiebe etwas Bargeld loswerden

Ich fordere die SRB-Kritiker heraus ernstzunehmende Alternativen zu präsentieren, die eine echte Verbesserung bringen. Ich finde es auch befremdlich, wenn Kieler Politiker nichts lieber tun, als die Hamburger Infrastruktur auszubauen und gleichzeitig von einem Wettbewerb der Regionen zu sprechen. Vielleicht sollten Unternehmen einfach mehr nach Hamburg abwandern. Warum allerdings die S-Bahn dort das tollste von der Welt ist und in Kiel angeblich vollkommen unnütz will mir nicht in den Kopf. Egal wie man es dreht: Entweder Kiel für sich oder auch im Sinne Hamburgs: Kiel als größte Stadt in Schleswig-Holstein mit einem Busnetz aus dem letzten Jahrhundert hilft niemandem.

Written by tlow

14. Dezember 2013 at 07:24

Der feine Unterschied zwischen West und Ost

with one comment

In der heutigen Ausgabe der Kieler Nachrichten kann man wieder einmal Gründe dafür finden, warum es so unterschiedlich in den Stadtteilen läuft und warum das Bild so schräg ist. Es gab zwei Ortsbeiratssitzungen in Gaarden und in Ravensberg. Bei beiden ging es u.a. auch um Parkplätze für StattAuto. Es war sogar der gleiche Referent. Aber während es in Gaarden um die Premiere von StattAuto ging (wobei sich herausstellte, das Gaardens Ortsbeirat nicht wie die anderen Ortsbeiräte über einen eigenen Beamer verfügt, deren PR-Mittel werden immer für Weihnachtsfeste, etc. ausgegeben und daher der Vortrag nicht so bunt wie geplant war), ging es im Ravensberg lediglich um zwei weitere Stellplätze ging.

Die (historische) Premiere von StattAuto auf dem Ostufer wurde im KN-Artikel zum OBR Gaarden jedoch gänzlich unterschlagen, während es im Artikel zum OBR Ravensberg großen Raum einnimmt. Die Gaardener Sitzung war zwar recht prominent auf der ersten Seite von „Kiel lokal“, bestach aber mehr durch Werbung für ein geplantes Senioren-Wohnprojekt der Diakonie.

Nach meiner Beobachtung ist es meistens so, dass man über Gaarden entweder über Sozialprojekte berichtet – also darüber, was Gaarden kostet – und über die Probleme. Aber das positive Entwicklungen totgeschwiegen werden. Umgekehrt auf dem Westufer: Auch dort gibt es z.B. viele Ecken, an denen Leute Alkohol trinken oder sich Drogenabhängige treffen. Diese werden aber wiederum auf dem Westufer totgeschwiegen und hingegen über positives berichtet (wie jetzt gerade wieder ein weiterer Standort von StattAuto). Ähnlich ist es auch bei der Kriminalität. ich persönlich kenne mehr Geschichten über zwei Ecken von Leuten, die auf dem Westufer überfallen wurden, als vom Ostufer. Die letzte Geschichte aus Gaarden, die mir zu Ohren kam ist jetzt ca. 5 Jahre her, wohingegen ich alle zwei Monate neues vom Westufer höre.

So stricken auch die Medien an einem Bild von Gaarden, das nur selten der Wahrheit entspricht. Selten aber kann man es so deutlich am gleichen Tag sehen, wie unterschiedlich die gleichen Nachrichten betrachtet werden. Die Medien bedienen damit etablierte Vorurteile. Für die Stadtregierung und SPD ist Gaarden auch lediglich das bekannte „Fass ohne Boden“. Sie wollen zwar auf der einen Seite gerne eine bessere Durchmischung. Allerdings sieht man ja, was passiert – die 37jährge Midyatli war auch einige Jahre Mitglied im Ortsbeirat Gaarden und nutzte die Karrierechance als Abgeordnete für den Wahlkreis Eckernförde für die SPD bei der letzten Landtagswahl aufgestellt zu werden, verbunden mit einem Wegzug aus Gaarden. Immerhin haben die SPD-Ratsherren Schmalz und Schulz nach wie vor ihren Wohnsitz in Gaarden.

Bevölkerung wird da eher als Verschiebemasse betrachtet. Gaarden hat aber Nachholbedarf in Sachen Infrastruktur. Hier die Karte von StattAuto:

Übersichtskarte Stationen

Übersichtskarte Stationen StattAuto

 

Ähnliche Ergebnisse bekommt man bei Suchanfragen via Google Maps mit einem beliebigen Suchbegriff und Kiel, wie bei „Museum Kiel“ oder „Bioladen Kiel„. Die Ergebnisse bedeuten, dass die Lebensqualität in vielerlei Hinsicht eingeschränkt ist. Längere Wege für Einkäufe. Wer Bus fährt und Kurzstreckenkarten nutzt weiß auch, dass man z.B. mit der 11 nur vom Karlstal 4 Stationen weit bis maximal Karlstal kommt (bei Luftlinie von rd. 1 Kilometer). Ab Bahnhof aber kommt man Richtung Norden gut 1 ½ mal so weit bis zum Dreiecksplatz mit einer Kurzstreckenkarte. Das liegt schlicht an der Hörn, die selbst kurze Wege verlängert, besonders für Busse und Autos. Wer in Gaarden wohnt, muss daher also rund 40 Prozent mehr ausgeben für innenstadtnahe Ziele, während man auf dem Westufer nicht nur oftmals viele Orte zu Fuß erreicht, sondern eben oft auch mal eben mit einer Kurzstreckenkarte. Hier wird Gaarden als Stadtteil von der KVG effektiv benachteiligt. Dort wo die Leute weniger Geld haben müssen sie tiefer in die Tasche greifen. Rechnet man das auf eine ganze Familie hoch, also beispielsweise 2 Erwachsene und 1 Kind zwischen 6 und 14 Jahren so wird eine Busfahrt hin und zurück z.B. zum Dreiecksplatz 12,60 € kosten, während man von der Innenstadt entweder kostenfrei oder für 9,70 € (also rund 30 % günstiger). Wobei gerade bei Familien mit geringen Einkommen jede Fahrt zum Luxus wird. Hier existiert seit Jahren eigentlich dringender Nachholbedarf, da das System Kurzstrecke nur einer Seite Kiels Vorteile bringt.

StattAuto hingegen bietet besonders denen, die selten fahren eine günstige Alternative. Denn so ein Auto kostet ja alleine mit Steuer und Versicherung oft bei rd. 100 € (Quelle). Mal ganz davon abgesehen, dass man sich den Kauf eines Autos erst einmal leisten können muss, zudem von einem, dass nicht zu viel Benzin schluckt. Bisher wird StattAuto aber wohl eher von Besserverdienenden genutzt, nicht zuletzt eben, weil es in Stadtteilen wie Gaarden bis dato  keinen Standort gab. Das soll sich im April 2013 ändern.

%d Bloggern gefällt das: