KielKontrovers

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Posts Tagged ‘Parkplätze

#Meeresspiegel 2100 noch höher als erwartet? #Mobilitätswende #IHK

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Photo by Tatiana on Pexels.com

Letztes Jahr hat die Landesregierung Schleswig-Holstein entschieden auf den drohenden Meeresspiegelanstieg zu reagieren. Leider nur was den Küstenschutz angeht, aber immerhin.

Und wie sieht es in der KielRegion aus? Es gibt Ansätze zB aus 2015 diese Präsentation: Klimaanpassung im Rahmenplan Kieler Förde (PDF):

Wie nachhaltig wird hier gearbeitet? Am Ende des Dokumentes findet man folgende Hinweise zu weiterführenden Dokumenten:

Gehen wird aber auf eine der Seiten (getestet am 13. Mai 2020) www.kieler-foerde.eu, so kommen wir auf die Standard-Plesk-Seite:

Also schauen wir in die Vergangenheit mit der Wayback Machine:

  • Vom 5. August bis zum 17. August finden wir lediglich einen Redirect (302) mit dem Hinweis darauf, dass die Seite überarbeitet wird.
  • Am 20. April gab es noch Inhalte.

Man findet allerdings auch einen Hinweis auf www.klimabuendnis-kieler-bucht.de. Es stimmt nicht gerade optimistisch, wenn man sieht, wie die Gemeinden bei so einem wichtigen Thema Daten vorhalten. Da wird eine Domain erworben, Daten hochgeladen und nach ein paar Jahren interessiert es keinen mehr.

Beim Klimabündnis Kieler Bucht liegt der Fokus auch eher auf den Erhalt des Tourismus und Marketingkonzepten.

Was den Meeresspiegel angeht braucht es aber eine konsequente Klimapolitik mit Auswirkungen auf geplante Infrastrukturprojekte, insbesondere was den Straßenbau angeht.

Vor einiger Zeit habe in einem Update bereits über die Erhöhung der Prognosen berichtet.

Nun ist bei einer Befragung sämtlicher Experten zum Thema Meeresspiegel herausgekommen, dass Einschätzungen bei derzeit einem Meter bis 2100 liegen.

Dazu ein Interview mit dem Klimaforscher und Mit-Initiator Stefan Rahmstorf auf Deutschlandfunk vom 8. Mai.

Also. Die Bedrohung steigt. Wir wissen bisher wenig über Dynamiken, die durch die Eisschmelze auftauchen könnten. Und nach wie vor gilt, dass wir spätestens vorgestern hätten handeln müssen.

Bei vielen Akteur:innen ist die Erkenntnis aber noch nicht angekommen. Die IHK veröffentlichte erst gestern, am 13. Mai ihre „Leitlinien“. Ich habe dazu einen Thread auf Twitter veröffentlicht:

Was bisher auf allen Ebenen fehlt ist eben die Erkenntnis, dass wir eine fundamental andere Verkehrspolitik machen müssen. Es bewegt sich sehr langsam etwas. Aber wenn zB in Kiel auf der einen Seite Sprinter in jeder Straße nahezu unkontrolliert und ohne Regeln parken können wie sie wollen und solange Parklets als „Sondernutzung“ unter Vorbehalt stehen, hat sich nichts wirklich geändert. Natürlich ist ein Parklet eine Bereicherung der Verkehrssicherheit. Um so mehr, je klarer es abgegrenzt es ist. Parkende Autos stellen dagegen ein andauerndes Ärgernis und Gefährdung dar. Selbst die legal abgestellten Autos erschweren zB die Sichtbarkeit von Kindern, die die Straße überqueren wollen. Und es wird ja überall kreuz und quer und wild geparkt, auch an Kreuzungen. Da achtet fast niemand darauf und abgeschleppt wird.

Stattdessen wird medial und politisch oft der „Parkdruck“ als Argument benutzt, dass es für den wachsenden Autosbestand natürlich noch mehr Fläche gibt, dem man anderen Nutzungszwecken entziehen sollte. Das ist vor allem eine der Punkte, der in der Debatte oft unter den Tisch fällt: In Städten kann man nicht einfach Flächen aus dem Hut zaubern: Mehr Platz für Parken bedeutet IMMER, dass eine andere Flächennutzung geringer wird. Und was soll es dann sein? Weniger Grün? Weniger Fläche fürs Wohnen? Weniger Freizeitfläche? Weniger Fläche für Gastronomie? Weniger Fläche für Läden?

Moderne Städtebaupolitik und eine „Smart City“ bedeutet eben nicht einfach ein neues Parkleitsystem, sondern primär den vorhandenen Platz intelligent zu verteilen. Prioritäten setzen, ggf. auch mal eine höhere Investition für eine Fläche investieren, die aber dann ALLEN zur Verfügung steht. Aber dort wo ein Auto steht, kann man nicht spielen oder darauf spazieren gehen, oder ausruhen.

Die Stadt muss planen, wie sie Fläche in ein paar Jahrzehnten neu vertelt haben will. Und sie muss dann heute anfangen entsprechenden Platz zu schaffen. Und ich empfinde es als unwürdig, dass engagierte Bürger:innen zu oft von der Verwaltung ausgebremst werden, die mit einer veränderten Straßenraumgestaltung neue Lebensqualität und damit auch mehr Verkehrssicherheit erreichen wollen, aber im Gegenzug überall unhaltbare Straßenzustände herrschen, wie Autos, die zu 90% den Gehweg parken, damit die Autos schön viel Platz haben. Derzeit ist leider immer noch die Pedestrians vielerorts nur eine Randerscheinung und viele Fußwege nur Zuwegungen zu parkenden Autos.

Zugeparkter Fußweg in der Ascheberger Straße

Viele Zustände sind unhaltbar und dennoch heute immer noch zu normal und toleriert. In der Ascheberger Straße gehen Pedestrians zB dann einfach nur auf der Fahrbahn, die EIGENTLICH der Ort für die Autos und Fahrräder sein sollte. Eben weil man ihnen ihren angestammten Platz weggenommen hat. Die Story der Autolobby ist dann aber: Der Parkdruck ist dort zu hoch, man möchte am liebsten noch mehr Platz. Sollen wir dort dann zB die Vorgärten opfern?

Es braucht neue Vorgaben seitens Land und Stadt, die auch auf den Tischen im Ordnungs- oder Tiefbauamt liegen und es denen ermöglicht rechtssicher mehr Platz für Alternativen zum Auto zu schaffen. Die bisherigen Maßgaben führen eher zu weniger als zu mehr Sicherheit.

Written by tlow

14. Mai 2020 at 09:15

#Raum in der Stadt ist kostbar! #Windschutzscheibenperspektive #Parklet #VisionZero

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Wilhelmplatz, Kiel


Zur Zeit gibt es ja wieder eine Debatte in Kiel, auch in der KN wie mit dem Chaos rund ums Parken umgegangen werden soll. Der Raum in Städten ist knapp und muss effizient genutzt werden. Ursache ist die seit Jahren steigende Anzahl an zugelassenen PKW. Laut Statistikamt Nord waren es 2018 über 1,639 Mio. Fahrzeuge in unserem Bundesland. Der Raum in den Städten bleibt begrenzt und eine weitere Steigerung des Fahrzeugbestandes kommt schon aus klimapolitischen Gründen nicht in Betracht.

Die KN hatte eine Online-Umfrage veröffentlicht, die aber bereits als erste Frage klar machte, an wen sich die Umfrage richtet:

Finden Sie mit Ihrem Auto in Kiel leicht einen Parkplatz?

Zitat aus der Umfrage

Auch wenn theoretisch auch Menschen ohne Auto an dieser Umfrage teilnehmen können macht die Debatte deutlich, wo das Problem liegt: In der sogenannten „Windschutzscheibenperspektive“. Auch weiter hinten bei den Lösungen musste ich stutzen: Als Lösung gab es grundsätzlich entweder nur mehr Parkplätze/Tiefgaragen oder bestenfalls mehr Velorouten. Die Lösung in den meisten Städten, die das Problem angehen, wie z.B. Amsterdam lautet jedoch im Gegenteil: Parkplätze reduzieren! Auch in Berlin wird dies gefordert. Diese Option durfte man als Leser*in gar nicht auswählen.

Die Logik dahinter: Nicht jede/r braucht ein Auto: Es wird angeschafft und genutzt, weil es bequem ist. Parken vor der Haustür. Und überall gibt es kostenlose Abstellplätze. Für den Bus hingegen muss man immer zahlen. Die Entscheidung fällt (teilweise) rational: Das Auto bietet aus Sicht vieler mehr Vor- als Nachteile. Und das drückt sich dann auch in Aussprüchen wie „Ich kann nicht ohne Auto leben“ aus. Doch viele vielen, wenngleich nicht allen, ist das Auto gar nicht so alternativlos, wie viele es meinen rational erkannt zu haben.

Es wird so getan, als wenn alle Kieler*innen ein Auto besitzen würden und es ist eigentlich nur noch die Frage, wie wir deren Bedürfnissen („Parknot“) am besten nachkommen. Wenn wir aber Mobilität sichern wollen, dürfen wir nicht weiterhin Mobilität und Auto gleichsetzen!

Ist es nicht absurd, dass wir in unseren Städten steigende Mieten und Wohnungsknappheit haben und gleichzeitig den Autos weite Teile der Stadt kostenlos überlassen? Autos haben, mit der Fläche eines durchschnittlichen Kinderzimmers einen relativ hohen Platzbedarf, stehen aber die meiste Zeit des Tages ungenutzt herum.

Es fehlt der öffentlichen Debatte jeglicher schlüssige Ansatz, um das Problem echt anzugehen. Die Nutzung von Supermarktparkplätzen am Abend wird absehbar keine echte Entlastung bringen. Grundsätzlich ist mir das lieber als neue Tiefgaragen und Millionen in neue Parkplätze. Aber wir müssen das Grundproblem angehen. Und das ist: Wir haben nur begrenzt Platz in unseren Städten und Autos nehmen einfach viel Platz weg. Wir können entscheiden, welchem Zweck wir dem Raum zuordnen. Bisher ist es zum Beispiel so, dass eine Nutzung des Straßenrandes anders als als Parkplatz zur genehmigungsfähigen Sondernutzung wird. Man entzieht dem Raum dann aus Sicht der Behörden den Raum der gemeinschaftlichen Nutzbarkeit.

Ich bekomme das derzeit direkt mit: Ich wollte mein Parklet innerhalb der Medusatraße um ca. 10 Meter auf die anderen Straßenseite verschieben. Dies wurde nun auf Antrag mit eben dieser Begründung abgelehnt, denn das Parklet würde dann ja auch mitten auf der Fahrbahn stehen (zur Erläuterung: Beim bisherigen Standort ist an der Straßenecke ein etwas breiterer Verengung auf ganzer Fahrzeugbreite, die Straße ist allerdings dort enger, aber dafür Einbahnstraße).

Um es noch mal klar zu machen:

  • Ein Parkplatz, der nur von EINEM Menschen genutzt werden kann, ist angeblich für den „Gemeingebrauch“ offen
  • Ein Parklet hingegen, dass JEDER benutzen kann, auch Kinder usw. wird angeblich dem „Gemeingebrauch“ entzogen. Auch wenn ein Parklet jeden Tag häufiger von mehr Menschen genutzt wird.

Das ist auch „Windschutzscheibenperspektive“. Angeblich stellt mein Parklet dann ja auch eine Verkehrsgefährdung dar. Im Gegensatz dazu stehen nur fünf Meter weiter an der Kreuzung jeden Tag dutzende Autos im Parkverbot und blockieren den Übergang für Grundschüler*innen und andere Fußgänger*innen. Trotz Hinweis passiert NICHTS!

Ergo: Das Auto ist per se gut. Nur wer etwas anderes macht als Parken oder Autofahren ist irgend wie dubios und gehört reguliert. Solange wir diese Sichtweisen nicht in Frage stellen, die auch Verwaltungshandeln darstellen und in Gesetz gegossen sind, wird sich etwas nur wenig und nur sehr langsam ändern!

Beim Autoverkehr ist es ja auch nicht anders. Oslo hat 2019 lediglich einen Verkehrstoten gehabt. Vor allem durch Maßnahmen wie bessere Fahrradinfrastruktur und Tempolimits. Letztere werden in Schleswig-Holstein vielerorts wirksam durch den LBV blockiert. Das muss man sich mal vorstellen: Wir wissen, wie wir Verkehrstote verhindern, aber es wird blockiert, um die Flüssigkeit des Verkehrs nicht zu gefährden. Aber eine Maßnahme wie ein Parklet, dass nicht ein mal so breit ist wie ein Sprinter gilt als verkehrsgefährdend!?

Unsere Einstellung zum Auto ist nicht rational und bedarf dringend einer Neubewertung. Sie tötet und verletzt Menschen und benachteiligt Initiativen für mehr Lebensqualität. Das Leben eines Kindes ist weniger wert als die bequeme Parkplatzsuche. Wird ein Kind auf dem Schulweg verletzt oder getötet heißt es allenfalls, es hätte besser aufpassen sollen. Was für eine herzlose und wahnsinnige Gesellschaft!

Written by tlow

12. Januar 2020 at 08:17

Parken in der Stadt #parkraumbewirtschaftung

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Das Parken in der Stadt ist ein umstrittenes Thema. Siehe auch diesen Artikel: Falschparker anschwärzen? (kommunal.de) 

Foto Parkplatz am Parking Day

Eine Aktion am „Parking Day“ Quelle: https://flic.kr/p/qqFftG

Eigentliches Problem ist, dass der Ruhende Verkehr, das Parken in der Stadt nicht wirklich funktioniert. Oder auch anders betrachtet: Verkehr mit dem Auto (MIV) skaliert nicht. Es gibt eine gewisse Größe, einen gewissen Prozentsatz an Autobesitz pro 1000 Einwohner*innen, bis wohin das Auto als Verkehrsmittel funktioniert. Aber darüber hinaus steigen die Probleme. Problem ist dann aber auch: Wer hat das Privileg ein Auto benutzen zu dürfen und den entsprechenden Stadtraum zu okkupieren und wer nicht? Dazu kommt, dass da Stadtraum eh knapp ist, insbesondere auch in Konkurrenz zu Wohnraum, sich die Frage stellt, welcher Nutzung man welche Fläche zur Verfügung stellt.

Probleme gibt es auch bei Paketdiensten oder bei der Belieferung der Wirtschaft (mit 7,5-Tonnen & Co) Alle bestellen im Internet, aber es gibt gar nicht die entsprechenden legalen Stehplätze für Paketwagen. Dabei steigt über die Jahre auch der Gesamtfahrzeugbestand (Grafik).

Hier einige Ideen, um dem Problem zu begegnen:

  1. Wie wäre es mit einer Obergrenze für Autos sowohl bundesweit als auch kommunal? Hier macht sie vielleicht mal Sinn?
  2. Reservierte Kurzzeitparkplätze für Paketdienste, um eine legitime Belieferung zu ermöglichen. Wäre dann zu lasten von privaten Dauerparkplätzen. Für ein Ende des „Zweitereiheparkens“. Wenn sich die Bedarfe verändern, muss man darauf reagieren!
  3. Wenn in Stadtvierteln nur noch rund 1/4 oder weniger Einwohner*innen ein Auto besitzen, so sollte sich das auch im Stadtraum widerspiegeln. Es ist unsinnig dem Auto den größten Prozentsatz an Stadtraum zu reservieren und dominieren zu lassen, insbesondere was Parkplätze anbelangt, so könnten diese vielfach anderweitig genutzt werden. Und damit auch der tatsächlichen Nutzung der Menschen entsprechen.

In den Köpfen hat das Auto noch einen großen Platz. Aber in Zukunft wäre es so wichtig, dass es stattdessen einen angemesseneren Platz einnimmt. z.B. zur Reduzierung von CO2 – oder um eine der Haupttodesursachen zu bekämpfen. Das Zurückdrängen des Autos schafft in unseren neuen, dringend benötigten Platz. Es sollte nicht weiter hingenommen werden, dass der Platz z.b. für das Parken weiter auf Dauer freigehalten wird. Das Privilegium der Autofahrer*innen ist grundlos aber traditionell. Es wird Zeit daran etwas zu ändern!

 

 

 

 

 

 

Written by tlow

1. November 2018 at 14:55

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