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Der kleine und der große #Rassismus #IchBinKeinVirus

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Wie entsteht eigentlich Rassismus und warum muss man sich damit weltweit herumschlagen? Dieser Text ist nicht wissenschaftlich, sondern nur auf meinem persönlichen Mist gewachsen. Insofern kann es gut sein, dass ich Begriffe zu unscharf verwende. In Deutschland ist das meist verbreite Verständnis, dass es eigentlich nur ein Problem von Nazis und „echten“ Rassisten ist. Aber das greift zu kurz:

  1. Jeder Nazi war mal klein und vermutlich war er/sie nicht einfach nur ein „kleiner Nazi“, sondern wahrscheinlich ein ganz normales Kind. Also genau so wenig wie Menschen mit einer bestimmten Herkunft bestimmte Eigenschaften haben, genau so wenig wird man als Rassist geboren, sondern man wird erst zum Rassisten
  2. Es gibt einen riesigen Graubereich. Die meisten Menschen sind keine „waschechten“ Nazis, sondern einfach nur Kinder ihrer Kultur, bzw. irgend wann u.a. Eltern oder Lehrer*innen unserer Kultur. Damit werden dann Rassismen weiter gereicht. So wie Krankheiten. Z.B. wie man Begriffe verwendet, oder mit welcher Haltung man Menschen begegnet.
  3. Nicht alles was falsch ist, ist Rassismus. Es gibt auch Sexismus, Klassismus, Versklavung, Menschenhandel, Machtmissbrauch, Kapitalismus. Und das sind alles Dinge, die auf verschiedenen Ebenen sich durchaus auch mit Rassismus vermischen. Die Muster sind ähnlich. Unter dem Strich nutzt irgend jemand seine Position aus, um jemand anderen abzuwerten, zu beleidigen, auszunutzen,…. im Wesentlichen: Hierarchie und keine Begegnung auf Augenhöhe!

Wir erleben ja gerade besonders viel Rassismus gegenüber Mnschen aus Asien in Deutschland, nur weil ein Virus zufällig seinen Ursprung in China hatte. S.a. „Ich bin Kein Virus“ Und diesen Leserinbrief . Wobei wichtig ist zu erkennen, dass nicht etwa der Virus die Ursache für Rassismus ist. Er dient lediglich dazu sich rassistisch zu verhalten. Rassismus braucht keine rationale Begründung, Rassismus ist IMMER irrational. Auch wenn es immer wieder Bemühungen gibt, die Wissenschaft heranzuziehen, um eine Bestätigung für rassistische Überzeugungen zu bekommen. In Deutschland z.B. durch Leute wie Thilo Sarrazin.

Auf der anderen Seite würde ich behaupten, dass es für die meisten nahezu unmöglich ist, sich so zu verhalten oder zu sprechen, ohne das Vorurteile einen Effekt haben. Mit Sicherheit auch dieser Text hier. Es geht aber gar nicht darum perfekt zu sein. Es geht eher darum sich über diese Dinge bewusst zu werden. Und die schlimmsten Verfehlungen zu vermeiden.

Am schwierigsten erkennbar sind m.E. Sachen, die etwas mit Verhalten und Raum zu tun haben. Viel schwieriger als einfach bestimmte Worte und Labels zu vermeiden. Mein Fahrlehrer sagte mir früher, wenn ich unsicher bin, soll ich einfach noch langsamer fahren, das würde niemandem schaden. Das ist z.B. auch eine gute Maßnahme: Einfach mal langsamer Reden und weniger vorpreschen, sondern mal sich selber beim Sprechen beobachten. Was sagt man, wie redet man? Und einfach mal irgend etwas aus- oder weglassen, wenn man sich unsicher ist, wie man es ausdrückt.

Ähnlich mit Verhalten und Bewegen: Wie raumgreifend verhält man sich, wie selbstverständlich nimmt man Raum ein und besetzt Raum? Für manche mag das paranoid klingen. Aber mein Vorschlag wäre, das halt nur ab und zu mal zu tun, das sich selber zu beobachten, sich selber zuzuhören und öfter mal aus anderen Blickwinkeln. Wie lustig finden es Deine Freunde aus anderen Ländern, wenn Du fremde Akzente nachmachst? Und: Willst Du Deine Freunde verletzen? Nein? Dann vielleicht mal einen Gang runterschalten? Es gelingt Dir nicht immer? Darum gehts auch nicht. Es ist ein Lernprozess, den man selber steuern kann. Und für jeden ist es anders.

Manchmal ist es ja auch einfach nur wichtig, Du selbst zu sein und nicht ständig nachzudenken. Auf jeden Fall! Aber wenn Du dann der einzige bist, der Spaß hat auf Kosten anderer, kann das ja nicht auch das Ziel sein?

Ich denke nicht-rassistisch zu sein erfordert genau so zu lernen wie Sprachen lernen oder andere Fähigkeiten einen Lernprozess erfordern. Diese Sichtweise macht es vielleicht auch einfacher auch mit sich selbst tolerant umzugehen. Das Wichtigste ist die richtige Einstellung zu bekommen. Ab dem Zeitpunkt ergibt sich Vieles von selbst. Und es geht auch darum manches zu „Verlernen“ oder falsche Lehren, die man eingetrichtert bekommt hat zu vergessen.

Letztlich ist damit das Ziel, selbst ein freierer Mensch zu werden, der nicht einfach gelernte Rassismen unbewusst repliziert, sondern mehr und mehr ohne diese klar kommt. Das Traurige ist allerdings, dass es wahrscheinlich eher Generationen braucht, sich davon zu lösen. D.h. im eigenen Leben wird man es wohl kaum schaffen alle diese negativen Einflüsse loszuwerden. Aber Eltern und Lehrer*innen z.B. könnten es schaffen, viel weniger davon weiter zu geben! Sie haben auch eine besondere Verantwortung.

Das klingt jetzt vielleicht zu pessimistisch. Aber ich will ja gerade sagen: Es lohnt sich damit anzufangen. Und der erste Schritt ist einfach mal davon auszugehen, dass man da einiges zu Lernen und Aufzuräumen hat. Also nicht mit dem Suchen anfangen, sondern einfach mal davon ausgehen: Man hat auch seine Rassismen und erst dann mal sich beobachten und sich zuhören. Mal nachdenken, wie das gesehen und verstanden werden kann.

Ich finde das ganze eigentlich so wichtig, dass dieses Thema in der Schule ein eigenes Fach verdienen würde. Oder was weiß ich: Kurse am der Volkshochschule, whatever. Viel wichtiger als Sprachkurse oder anderes.

Was denkt ihr? Liest sich das zu kryptisch?

Written by tlow

15. Februar 2020 at 23:41

Veröffentlicht in Gleichstellung, Grundrechte

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