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Risikoeinschätzung des #RKI #COVID19de #ECDC #WHO

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Das Robert Koch Institut begleitete die Coronakrise von Anfang an.

Robert Koch

Fraglich erschien mir allerdings von Anfang an deren Risikoeinschätzung. Um meine eigene Wahrnehmung noch ein mal zu überprüfen zu vergleichen

  • Die WHO bewertete das Risiko des SARS-COV-2 Virus und der damit verbundenen COVID19-Erkrankung seit dem 28. Februar 2020 als „sehr hoch“.
    • Am selben Tag schätzte das RKI, das Risiko als „gering bis mäßig“ ein. Das Risiko in der EU allerdings als gering, wenn Fälle frühzeitig erkannt würden.
  • Erst am 13. Februar 2020 macht das RKI in ihrem 7. Epidemiologischen Bulletin zu dem Hauptthema. Nun gibt es 14 bekannte Fälle in Deutschland
  • Am 23. Februar 2020 stufte das ECDC das Risiko zu „moderat“ hoch.
  • Am 28. Februar 2020 macht es die WHO ganz klar: Es gilt die höchste Warnstufe!
  • Am 11. März 2020 erklärte die WHO die Epidemie zur Pandemie.
  • Am 12. März 2020 schätzt das ECDC die Entwicklung als bedenklich und vielfach das Risiko als „hoch“ ein.
  • Am 17. März 2020 änderte das RKI die „Risikobewertung zu COVID-19“ für Deutschland zu „hoch

Wie erfolgt die Risikobewertung des RKI?

Dazu gibt es ein eigenes Dokument auf deren Seite, dass ich hier wiedergebe:

COVID-19: Grundlagen für die Risikoeinschätzung des RKI

Das Robert Koch-Institut erfasst kontinuierlich die aktuelle Lage, bewertet alle Informationen und schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein. Die Risikobewertung wird durch den RKI-Krisenstab formuliert und situativ adaptiert. Die aktuelle Risikoeinschätzung ist abrufbar unter: www.rki.de/covid-19-risikobewertung.

Die Risikoeinschätzung ist die Beschreibung und Einschätzung der Situation für die Bevölkerung in Deutschland. Sie bezieht sich nicht auf die Gesundheit einzelner Individuen oder spezieller Gruppen in der Population und nimmt auch keine Vorhersagen für die Zukunft vor.

In die Risikobewertung gehen ein:

  • der jeweils verfügbare aktuellen Kenntnisstand zur internationalen Situation,
  • der IST-Zustand der epidemiologischen Lage in Deutschland,
  • die Verfügbarkeit von Schutz- und Behandlungsmaßnahmen

Bei der Risikobewertung handelt es sich um eine deskriptive, qualitative Beschreibung. Den für die verwendeten Begriffe “gering“, „mäßig“, „hoch“ oder „sehr hoch“ liegen keine quantitativen Werte für Eintrittswahrscheinlichkeit oder Schadensausmaß zugrunde. Allerdings werden für die Schwerebeurteilung ( = Schadensausmaß) genutzten drei Kriterien bzw. Indikatoren (Übertragbarkeit, Schwereprofil und Ressourcenbelastung) mit jeweils quantifizierbaren Parametern beurteilt. Entwickelt und erprobt wurde dieser Ansatz zur Beurteilung der Schwere von saisonalen Grippewellen in Deutschland. Dies erlaubt, das COVID-19 Geschehen in Relation zu der Erfahrung mit anderen epidemisch bedeutsamen Lagen setzen zu können (Ref. 1, 2).

Zu beachten ist, dass die Risikowahrnehmung in der Bevölkerung nicht in die Risikobewertung des RKI einfließt.

Die besondere Herausforderung besteht darin, dass in einer frühen Phase einer Epidemie die erforderlichen Informationen größtenteils nicht oder noch nicht verlässlich vorhanden sind. Insbesondere in den ersten Wochen sind Daten relevant, die außerhalb Deutschlands erhoben wurden. Zusätzlich werden mehr und mehr Informationen zu bestätigten Fällen in Deutschland in die Risikoeinschätzung einbezogen.

Aktuell werden u.a. folgende verfügbare Informationen für die Risikoeinschätzung genutzt:

  • Übertragbarkeit: Fallzahlen und Trends zu gemeldeten Fällen gemäß Infektionsschutzgesetz in Deutschland und in anderen Ländern (siehe Fallzahlen sowie tägliche Situationsberichte des RKI, Ref. 3, 4)
  • Schwereprofil: Anteil schwerer, klinisch kritischer und tödlicher Krankheitsverläufe in Deutschland und in anderen Ländern (siehe Steckbrief zu COVID-19, Ref. 5).
  • Ressourcenbelastung des Gesundheitsversorgungssystems in Deutschland und in anderen Ländern unter Berücksichtigung der jeweils getroffenen Maßnahmen sowie aller prinzipiellen Möglichkeiten der Prävention und Kontrolle (siehe z.B. Ref. 6, 7)

Bei einer anhaltenden Übertragung in der Bevölkerung in Deutschland werden für die Bewertung zusätzlich zu den Meldedaten gemäß Infektionsschutzgesetz Informationen aus weiteren Surveillancesystemen (Bevölkerungsbasierte Surveillance mit GrippeWeb; syndromische und virologische Surveillance der Arbeitsgemeinschaft Influenza, Krankenhaussurveillance (z.B. ICD10-Code basierte KH-Surveillance ICOSARI), laborgestützte Surveillance von Erregernachweisen, z.B. mit ARS und zeitnahe Mortalitätssurveillancesysteme) genutzt. Die Systeme beruhen auf den Daten, die für Deutschland zur Verfügung stehen, sodass Bewertungen im Verlauf differenzierter möglich sind.

Ergänzende Informationen zur Gefährdung bestimmter Gruppen in der Bevölkerung finden sich im SARS-CoV-2 Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit (unter Punkt 2.:Krankheitsverlauf und demografische Einflüsse).

Überlegungen zu dem möglichen weiteren Verlauf und Schutzzielen finden sich in der Ergänzung zum Nationalen Pandemieplan – COVID-19 – neuartige Coronaviruserkrankung (4.3.2020) und den Informationen des Robert Koch-Instituts zu empfohlenen Infektionsschutzmaßnahmen und Zielen. Diese dienen vorrangig dazu, dass von den Entscheidungsträgern geeignete Maßnahmen zur Bekämpfung des COVID-19-Geschehens vorbereitet und rechtzeitig aktiviert werden können.

Referenzen:

Stand: 13.03.2020


Es gab außerdem auch Kritik daran, dass das RKI bei den Zahlen immer etwas hinterher hinkt.

Zusammenfassung und Ausblick

Das das RKI wissenshaftlich prinzipiell kompetent ist, steht außer Zweifel. Allerdings sind Einschätzungen auf zeitkritisch bei Epidemien/Pandemien. Und auch das ECDC und die WHO besteht aus Experten. Wahr ist auch, dass nicht jedes Virus bis nach Europa oder Deutschland kommt.

Disclaimer: Ich bin weder Virologe noch Epidemiologe, aber nutze  journalistische Methoden, um mir ein Bild der Lage zu machen und abzuwägen.

Für mich wird aus der Historie, die ich oben aufgezeichnet habe, dass spätestens am 28. Februar die Alarmglocken in Deutschland und dem RKI hätten schrillen müssen. Allerdings brauchte man 18 weitere Tage, oder mehr als zwei Wochen, um die Risikoeinschätzung zu ändern. Und damit auch eine Woche nach dem ECDC.

Aus meiner Sicht wirkt das RKI viel zu verträumt und hat wertvolle Zeit verschenkt und vor allem mit seiner lange Zeit geltenden (bis zum 16. März!) geltenden Einschätzung als mäßige Gefahr dazu beigetragen, dass die Pandemie in Deutschland verharmlost war Und damit auch seinen Anteil an steigenden Zahlen der Infizierten und Toten!

Das Problem ist, dass hier zu viele Menschen immer nur auf das RKI schauen, aber zu wenige auf die WHO oder das ECDC. Ich finde es insbesondere problematisch, dass wir damit auch mindestens drei Organisationen haben, die unterschiedliche Einschätzungen vornehmen. Ich gehe selbstverständlich davon aus, dass wenn das Risiko weltweit als sehr hoch von der WHO angesehen wird, es natürlich auch mindestens auch als hoch in Europa oder Deutschland zu gelten hat. Es ist vollkommen unmöglich sinnvoll zu kommunizieren, dass Deutschland als Transitland und Touristenziel bei einem sehr hohen Risiko gleichzeitig nur ein mäßiges Risiko aufweist. Das sind Mixed Messages. Das geht nicht!

Da baucht es dringend Reformen. Da kann nicht jedes Land in Europa einfach irgend ein Institut benennen, wo die Expertenrunde eine ganze eigene, von der WHO unabhängige Meinung hat. Nein, die Basis muss immer die WHO-Einschätzung sein. Dann gerne auch mit regionalen Hinweisen wie: „Wir haben in Deutschland noch keinen Fall von X“. Die Risikoeinschätzung hat nichts mit dem Fortschritt einer Epidemie im eigenen land zutun. Heute reist sowieso jeder überall hin. Viele haben Freunde, die z.B. nach China, Neuseeland, Japan, Brasilien, Kenia, Südafrika gereist sind oder reisen werden. Entweder weil sie dort Verwandte haben, oder dort Urlaub machen. Es ist doch in Zeiten der Globalisierung völlig wahnwitzig davon auszugeben, dass was Hubei entsteht auch in Hubei bleibt! Und umgekehrt!

Die Empfehlungen die das RKI ab dem 17. März gibt, hätten sie bereits am 31. Januar ansatzweise geben können, denn da gab die WHO den globalen Notstand wegen #COVID19 bekannt. Das einzige was sich geändert hat ist, dass es jetzt mehr Fälle in Europa gibt und man vor allem in Italien und Spanien die Folgen sieht.

Bei einer Epidemie zählt manchmal jede Stunde oder jeder Tag, um mit frühzeitigen Maßnahmen eine Eindämmung zu bewirken. das RKI hat eben eine spezielle Bedeutung und damit einhergehend eine besondere Verantwortung. Ein Verhalten wie in diesem Jahr ist daher nicht tolerierbar. Entweder die Rolle des RKI wird verändert oder da müssen knallharte Reformen durchgeführt werden. Ich persönlich fände es am sinnvollsten, wenn das ECDC für alle EU-Länder die Einschätzung auf Basis der WHO-Empfehlungen gibt. D.h. jede WHO-Warnung wird durchgereicht und mit eigenen Kommentaren ergänzt. Es sollte kein EU-Land geben, dass sich anmaßt globale Pandemie als harmlos abzutun. Das kostet Menschenleben und macht keinen Sinn!

Written by tlow

21. März 2020 at 13:19

#COVID19 Die Situation #CoronavirusUpdate #KiWo

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Der letzte Post von mir zu „Corona“ ist ja schon eine Weile her. Aktuell sind es schon 74 Fälle in Schleswig-Holstein.

[Aktueller NDR-Artikel zum Status am 15.3.]

Vieles ist geschlossene und für Restaurant gilt, dass man sich registrieren lassen muss, wenn man eins besucht:

Vorgaben für Restaurants: Besucherregistrierung der Kontaktdaten (zum Beispiel über die Girokartenabrechnung), damit im Falle einer festgestellten Infektion Kontaktpersonen ermittelt und geschützt werden können. Außerdem gilt die Vorgabe für Mindestabstände zwischen Tischen von zwei Metern.

Ich möchte dazu auch zwei Artikel aus der Washington Post und der New York Times empfehlen:

  1. Why outbreaks like coronavirus spread…
  2. Opinion | Please Don’t Go Out…

Verfügung der Stadt Kiel:

Fakt ist in Kiel, dass sich Leute kaum zurückhalten, was den Besuch von Locations anbelangt. Und es werden auch private Parties organisiert, um das Veranstaltungsverbot zu umgehen. Die Dummheit der Menschen kennt offenbar leider keine Grenzen! An dieser Stelle ist es glaube ich vergebens an die Vernunft der Menschen zu appellieren. Man kann auf die Gefahren hinweisen und auch Argumente liefern. Aber die Leute glauben eher daran, im Lotto gewinnen zu können, als das ihr Verhalten die Ausbreitung des Viruses verhindern könnte.

Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch und gerade daher schmerzt es mich intelligente Menschen in meinem Umkreis zu sehen, die alle Vorkehrungen in den Wind schreiben und einfach tun, worauf sie Lust haben.

Das Ergebnis wird dazu nicht mehr Freiheit sein, wie man es sich wünschen würde, sondern leider mehr Repression, weil die Leute zu dumm sind sich selbst und andere zu schützen. Wir kennen das ja bereits beim Autoverkehr oder dem Klima.

Es braucht jetzt leider Entscheidungen mit Signalwirkung. Seit gestern bin ich aufgrund meiner Erfahrungen in Kiel extrem pessimistisch, dass sich das Verhalten der Menschen so ändert, dass die Ausbreitung dadurch gebremst werden könnte. Nein, eher hamstert man Klopapier als NICHT in den Urlaub zu fahren. Eher klaut man Desinfektionsmittel als sich die Hände richtig zu waschen. Das alles irgend wie eben auch Ergebnis eines Systems, das primär auf den Egoismus des Individuums setzt. Jeder hat alt seine Krankenkasse, die dann auch entscheidet, wie gut die eigene Gesundheitsversorgung ist. Krankenkassen und das Gesundheitssystem wurden kaputt gespart, so dass uns jetzt Personal und Laborkapazitäten fehlen. Bravo!

Und obwohl ich das Verhalten der Menschen verurteile, so wundert es mich doch nicht: Jeder denkt an SEINE Karriere und seinen Vorteil, an SEINEN Spaß, an SEINEN Lottogewinn und SEINEN Urlaub, SEIN Gehalt, SEINE Arbeitslosigkeit. Denkaufgaben, die die gemeinsame Gesundheit betreffen überfordern diese egoistische Geisteshaltung.

Kieler Woche Plakat 2020

Ein wichtiges Signal wäre z.B., heute die Kieler Woche abzusagen. Bisher wird das seitens der Verwaltung und Selbstverwaltung heruntergespielt und man spekuliert darauf, dass alles gut wird. Aber genau DIESE Sichtweise haben alle Menschen in Kiel: Es wird schon alles gut, es gibt keinen Grund anders zu handeln! Warum sollte denn jemand zu Hause bleiben, wenn die Stadt Kiel signalisiert, dass man vorausschauend nicht bereit auf Vorteile durch Steuereinnahmen zu verzichten? Weil die Stadt Kiel eben genau so egoistisch denkt wie das Individuum. Genau wie beim Theodor-Heuss-Ring: Jahrzehnte nicht handeln, die Luftschadstoffe werden schon von selber weniger!?

Der Politik fehlt hier immer noch der Mut für unpopuläre Entscheidungen. Wie in jedem schlechten Katastrophenfilm: Nein, der Damm wird nicht brechen, es wird alles gut, der Vulkanausbruch wird nicht kommen, das Flugzeug wird nicht abstürzen, es wird schon nicht Ebola sein, Glyphosat ist harmlos, Asbest ist harmlos, Dioxin ist nicht schlimm, Atomkraft ist sicher, …

Ja, leider geht es nicht immer gut aus. Im Kino weiß man das natürlich schon beim Betreten. Aber Kinos sind jetzt geschlossen und wir befinden uns mal wieder in der Realität, mit der wir umgehen müssen.

Fast jede/r in meinem Umfeld hat die Situation bislang unterschätzt und kleingeredet. Der Witz ist, dass genau diese Haltung die Ausbreitung ermöglicht hat. Klar, Panik bringt auch nichts. Aber gesunde Vorsicht wäre wichtig gewesen. Dafür ist es jetzt leider zu spät. Und Häme bringt uns auch nicht weiter. Wir müssen da durch. Ich will da aber auch keine Hoffnungen machen, dass es „vielleicht“ gut geht. Dann fängt noch wieder irgend jemand an das ganze locker zu nehmen: Nein, jetzt gerade NICHT LOCKER NEHMEN!

Sollte es in ein paar Wochen besser aussehen könnt ihr gerne sagen ihr habts ja gewusst, dass es nicht so schlimm wird. Und ich lasse mich dann auch gerne auslachen. Und beim nächsten mal machen wir es dann genau so schlecht wie dieses mal?

  • no smiley

Update: Heute, Sonntag (15.3.) in der Gastronomie rund um den Europaplatz noch normaler Betrieb. Familien sitzen an Tischen im Wirtshaus usw. Ist das der krampfhafte Versuch Normalität zu leben?

Written by tlow

15. März 2020 at 12:27

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