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Zu den Sozialläden in Kiel

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Drehtür-Effekt

Dieser Artikel in der KN schreckte mich auf. Ich beobachte die sogenannten „Sozialläden“ in Kiel schon länger kritisch. Dort wird immer zu kostenlosen Sachspenden aufgefordert. Es gibt da z.B. die OBULUS-Läden. OBULUS ist eine Ladenkette der FAW. Auf dem Papier geht es hier um Qualifizierung von Arbeitslosen. Leistungsbezieher können hier auch bei entsprechendem Bedarf für 5 Euro Fahrräder erstehen. Bedenklich an diesem Fakt ist, dass hier gerade auf der  niedrigpreisigen Ebene kleinen Farradläden Konkurrenz gemacht wird – und zwar so, dass kein Fahrradladen, der sich selber finanzieren muss da mithalten kann. Als Gewinner steht nur die FAW selber fest. In wie weit die Arbeit in so einem Laden irgendeine Qualifizierung darstellt darf bezweifelt werden.

Dann gibt es auch noch die „Sozialladen Kiel e.V.“, der nach eigenem Bekunden nicht nur mehrere Sozialläden betreibt, sondern auch „Schleswig-Holsteins größtes Sozial-Kaufhaus“: SparFuchs. Auch dieser Laden tritt in Konkurrenz zu bestehenden Gebrauchtwaren-Läden. An sich aber steckt dahinter kein gemeinnütziger Gedanke, sondern durchausmonetäres Interesse.

Auch stehen beide Ladenketten in Konkurrenz zueinander – beide rufen gerne zu Sachspenden auf – verschenkt wird seitens der Läden jedoch nichts. Alles wird zu Geld gemacht. Und die Überschüsse landen überall nur nicht im Portemonnaie der Organisatoren und Ladenbesitzer. Mit Arbeitslosen Geld verdienen ist hier die Devise. Schade nur, dass viele Kielerinnen und Kieler darauf hereinfallen und denken diese Läden hätten einfach nur ein gutes Herz.

Es sind aber weder selbstorganisierte Läden ehemaliger Arbeitsloser, die sich zusammengetan hätten – noch sind es eben gemeinnützige Läden ohne Gewinnabsicht. Es sind Läden, die am guten Glauben der Mitbürger ansetzen und dies dann zu Geld machen. Die Arbeitslosen dienen dabei lediglich als billige Arbeitskraft. Erheblichen Schaden nehmen dabei insbesondere kleine Läden, die bisher auch schon Entrümpelung oder billige Gebraucht-Fahrräder angeboten haben. Je erfolgreicher diese Ladenketten sind, desto mehr kleine Selbständige werden wieder in die Arbeitslosigkeit gedrängt. Aber der Trost ist ja, dass sie dann irgendwann bei ihren Konkurrenten als billige Arbeitskräfte anfangen dürfen. Drehtüreffekt nennt man das glaube ich. Gut auch,  dass der Staat diese Schatenwirtschaft mit Milliarden stützt – also wir Steuerzahler – durch Sachspenden, durch Steuern, durch die Arbeitslosenversicherung,… eine gewaltige Geldmaschinerie in die auch die kleinen Sozialläden eingebunden sind. Gegenvorschlag. Ermutigt und ermöglicht Arbeitslosen Kooperativen zu gründen und sich so vollständig vom Jobcenter zu lösen anstatt Kleingewerbetreibenden das Leben schwerer zu machen!

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