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#Sophienhof als Spitze eines Eisbergs?

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Die Nachrichten überschlagen sich aufgrund der Ereignisse im Sophienhof. Ich frage mich aber, wo das eigentliche Problem ist:

  • Verkürzt: Eine Gruppe von Männern belästigt und verfolgt drei Mädchen. Der Sicherheitsdienst und die Polizei greifen ein und Verdächtige werden festgenommen. Die Täter haben zwar die Anonymität des Bahnhofsbereichs genutzt, aber der Sophienhof ist aber auch eher gut bewacht, was auch zu einer schnelle Reaktion führte.
  • Die afghanischen jungen Männer haben da offenbar ein psychisches Problem das therapiewürdig ist. Besonders schlau war die Aktion auf keinen Fall.

Aber wie so oft in den vergangenen Monaten geht es wenig um die Betroffen, sondern um eine Instrumentalisierung des Vorfalls für verschiedene politische Zwecke.

Man könnte aber auch sagen: Es gab einen Vorfall, es wurde reagiert, es gibt Verdächtige und die wurden auch festgenommen. Also kein Grund zur Sorge!? In unserer sensibilisierten Ereignisgesellschaft natürlich immer!

Mir fallen dazu eher die unzähligen Geschichten von Frauen ein, die z.B. in den Kieler Diskos wie auch der Pumpe oder dem Weltruf „angetanzt“ und blöd angemacht wurden und werden. Oft reagiert das Personal auch nicht, wenn es angesprochen wird. Frauen werden da oft nicht ernstgenommen. Das hat jetzt gar nichts mit Migrationshintergrund zutun – denn das passiert überall und natürlich auch von deutschen jungen Männern. Erst letzten Monat habe ich eine neue Geschichte erzählt bekommen. Für viele Frauen ist das LEIDER eher die Normalität in der Öffentlichkeit, als die Ausnahme.

Und wenn Frauen mal so erzählen, was ihnen alles im Leben schon so zugestoßen ist so ist das oft sehr erschreckend. Da sind dann die vielen „kleinen“ Sachen gar nicht mit einberechnet. Aber gerade die vielen kleinen Dinge schaffen eine bestimmte Atmosphäre und erhöhen die Hemmschwelle z.B. Anzeige zu erstatten. Neulich kam via Twitter auch der Hinweis auf ein Video aus der Kabarettsendung „Die Anstalt“  über grundsätzliche Lücken im Sexualstrafrecht:

 

Hier gibt es Handlunsgsbedarf. Eigentlich dringend. aber angesichts dessen, dass diese Lücken seit Jahrzehnten bestehen wäre es nur gut, wenn sie überhaupt mal in Angriff genommen werden. Das es dazu außergewöhnliche Ereignisse bedarf ist schon bitter. Wie ich neulich schon schrieb wird in Kiel wie in jeder anderen Stadt mehrmals die Woche ein sexueller Übergriff statt, seit Jahren, seit Jahrzehnten.  Und bisher hat das nicht dazu geführt das Strafrecht anzupassen oder mehr über das Verhältnis von Männern zu Frauen nachzudenken. Wenn das jetzt passiert ist das ja ok. Nur wünsche ich mir, dass da der Rassismus außen vor gehalten wird der suggeriert, dass es in der Mehrheitsgesellschaft keine (sexualisierten) Straftaten gibt. Letzteres schützt lediglich die Täter.

 

Written by tlow

28. Februar 2016 at 04:13

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