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#Katzheide – ein Teil von Gaarden

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Am 28.3. wird es eine kleine Veranstaltung in der Räucherei vom Verein Katzheide: JA! in Kooperation mit WIR in Kiel geben. Es soll über den aktuellen Stand informiert werden und Möglichkeit gegeben werden, mit der Initiative für den Erhalt vom Freibad Kontakt aufzunehmen.

Als Mitglied im Vorstand des Vereins habe ich inzwischen einige Erfahrungen gesammelt und viele Argumente Pro unc Contra gehört. Die werde ich an dieser Stelle mal etwas hin- und herwälzen:

Es sei darauf verwiesen, dass es ein öffentlöiches apier des Sportparks Gaarden gibt, in dem auch Katzheide gelegen ist: 2013-04_Konzept_Katzheide_Entwurf.pdf. Darin steht u.a. an zentraler Stelle:

In der IG Sportpark wurden bereits bei der Jahresversammlung der Mitglieder im
Januar 2010 folgende Voraussetzungen für zukünftige Planungen des Katzheide-
Geländes zusammengestellt und bis heute befürwortet:
1)
a) öffentliche Nutzung des Areals
b) ganzjährige Nutzung des Areals
c) Nutzung im Rahmen des Sport- & Begegnungsparks (inhaltlich, baulich)
d) wenn möglich zum Themenfeld: Wasser

Insbesondere der Aspekt der ganzjährigen Nutzung ist dabei kritisch zu sehen.

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Written by tlow

27. März 2015 at 10:41

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Neues zu #Katzheide: Schließung für immer (nicht erst 2017, sondern sofort!)

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Es gibt eine neue Geschäftliche Mitteilung und eine Beschlussvorlage zu Katzheide, die derzeit für einige Unruhe in der politischen Landschaft in Kiel sorgen. Thema werden diese sein zum einen im nächsten Gaardener Ortsbeirat am 12.11. und um öffentlichen Ausschuss für Schule und Sport am 13.11: Drucksache – 0903/2014 (Beschlußvorlage), Drucksache – 0911/2014  (Geschäftliche Mitteilung).

Die Beschlussvorlage hat es in sich. Sie bedeutet eine Abkehr von dem Beschluss, dass Katzheide bis 2017 erhalten wird und für danach eine Nutzung gesucht wird.  Hier die wichtigsten Zitate aus dem Text:

Das Sommerbad Katzheide präsentiert sich nicht mehr zeitgemäß, ist seit längerem technisch    anfällig (siehe auch Drs. 0393/2012, Baulicher Zustand des Freibades und mögliche Nachnutzungen der Anlage) und aktuell funktionsuntauglich. In Folge massiver Schäden durch unterspülte Beckenfolien und defekte, irreparable Komponenten der Wasseraufbereitungsanlagen kann aufgrund neuer Erkenntnisse eine ordnungsgemäße und sichere Betriebsfähigkeit bereits ab 2015 nicht mehr aufrechterhalten werden. Eine Modernisierung und technische Ertüchtigung auf aktuellen Standard ist aus städtischen Mitteln nicht darstellbar.

Man ist erstaunt, wenn man sich den Unterschied zu der Diskussion um das Bad in Schilksee anschaut. Schilksee war das Bad, das im Vergleich zu allen anderen Kieler Bädern regelmäßig am schlechtesten abschnitt in der Relation Kosten zu Einnahmen (siehe Ergebnisse Bädergutachten 2005). Wo die Stadt Kiel sonst immer so wirtschaftlich denkt: In Schilksee und Gaarden entscheiden andere Faktoren. In Schilksee haben wir es mit steigenden Kosten zu tun. Zahlen zwischen 8 und 11 Millionen geistern durch die Öffentlichkeit. Aber es stand von Anfang an fest: Natürlich muss man das sanieren. Auch beim Zentralbad keine Zurückhaltung: Zunächst 17 Millionen als absolute Obergrenze definiert (Zitat „Die max. Bruttobausumme wird auf 17 Mio. € zzgl. des kalkulatorischen Verkaufserlöses aus dem Grundstück der Gaardener Schwimmhalle festgesetzt.„) Mittlerweile sind wir bei rd. 26 Millionen Euro und damit 9 Mio. € über Plan. Für Schwimmbäder wird also in Kiel mit beiden Händen Geld in Millionenhöhe ausgegeben, ohne dass es dafür offenbar einer großartigen Diskussion bedarf?

In Katzheide eine andere Situation. Jetzt also zur Geschäftlichen Mitteilung (GM):

Die jetzigen Beckenfolien (Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken) sind aus dem Jahr 1994/95 und können altersbedingt jede Saison funktionsuntauglich werden. Die Kosten für eine neue Beckenfolie belaufen sich geschätzt auf 350.000,00 € pro Becken. Für die zeitgemäße Sanierung und Attraktivierung der Servicegebäude des Bades ist – sofern die Bausubstanz eine grundsätzliche Erhaltung zulässt – mit Kosten von mindestens 500.000,00 € zu rechnen.

und

Eine grobe Kostenkalkulation auf Basis mehrerer Angebote von Fachfirmen für die notwendigen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des gegebenen Zustandes führen zu einem Finanzmittelbedarf von rund 750.000 EUR netto,…

Es ist also davon auszugehen, dass der tatsächliche Mittelbedarf wesentlich höher ausfallen wird. Aufgrund der mittelfristigen Finanzsituation der Landeshauptstadt Kiel können keine ausreichenden Mittel bereitgestellt werden.Daher hat sich die Verwaltung entschieden, den Betrieb des Freibades Katzheide ab 2015 nicht mehr fortzuführen.Auf die diesem Ausschuss vorliegende Beschlussvorlage Öffentlichkeitsbeteiligung zur Weiterentwicklung des Sommerbades Katzheide (Drs. 0903/2014) wird verwiesen.

Übersetzt heißt das: Es soll mindestens 750.000 € kosten, vielleicht auch mehr – und daher gäbe es keine Alternative zu einer Schließung. Wir vergleichen also:

  1. Zentralbad und Schilksee – Mehrbedarf von ca. 20 Millionen Euro außer Plan: Verwaltung sagt: Alles kein Problem, machen wir locker!
  2. Katzheide: Eine Beckenfolie, die maximal 20 Jahre hält und von 1994 ist, also routinemäßig erneuert wird, wird Geld kosten. Diese Kosten standen also schon 1994 fest, auch dass die Schwimmbadtechnike erneuert werden müsste. Maximale Kosten vielleicht wie in dem 272 Seelen-Dorf Hundsangen (Westerwaldkreis) 1,2 Mio.? Aber was sich ein 272 Seelen-Dorf leistet ist offenbar für einen mit über  16.000 EinwohnerInnen großen Stadtteil offenbar zu teuer. Vielleicht sollte man aufs Dorf ziehen, um ein Freibad genießen zu können. Denn auch wenn so ein Dorf nicht im Geld schwimmt – ein Freibad dieser Größenordnung leistet man sich dort offenbar gern.

Was wird wirklich gespielt?

Was natürlich eine Rolle spielt ist Folgendes:

  1. Gaarden ist ein Stadtteil der fest in der Hand der SPD ist. Für größere Teile der Opposition ist hier kein Blumentopf zu gewinnen. Daher kann sich die SPD hier fast jede Grausamkeit erlauben, die ihr einfällt und die CDU wird dazu eher auch schweigen, weil sie hier niemals punkten wird.
  2. Schilksee ist ein hart umkämpfter Stadtteil, wo CDU,SPD,GRÜNE und FDP um die Klientel kämpfen. So etwas wie der Abriss des Schilkseer Schwimmbads, selbst wenn es wirtschaftlich vernünftig gewesen wäre, ist vollkommen undenkbar – dann schon lieber gleich zwei Bäder in Gaarden schließen, wo auch kaum  mit Widerstand zu rechnen ist. Ganz davon abgesehen hat man mit Gerwin Stöcken jemand gefunden, der als ehemaliger JobCenter gewohnt war ohne Gewissen Grausamkeiten zu verteilen. Die eigenen Ambitionen zum Oberbürgermeister musste er begraben. Nun kommt Stöckens Rache mit seinem Meisterstück – die unliebsame Aufgabe Katzheide den Todesstoß zu versetzen.
  3. Das neue Zentralbad hat das Dilemma, dass es ausreichend Einnahmen generieren muss, um sich zu finanzieren. 2,4 Millionen Zuschuss gibt es maximal für die Bäderlandschaft. Wobei natürlich die Baumaßnahmen ausgeklammert wurden. Die kommen erst jetzt zum tragen, wo es um unabwendbare und aufgeschobene Instandhaltungsmaßnahmen für Katzheide geht. Das Zentralbad wird sich wohl nicht rechnen, wenn man zuvor nicht Katzheide tötet. Es ist pervers. Auch die Lessinghalle musste bereits daran glauben – aber auch dort wird jetzt mehr investiert für einen überflüssigen  KITA-Neubau, als die reine Sanierung gekostet hätte.

Eines der zentralen Probleme bei der Neuausrichtung der Bäderlandschaft war, dass man auf Basis einer eher dünnen Zahlenbasis agierte. So wurde ein 25-Kilometer-Umkreis um Kiel gezogen und alle darin lebenden Schwimmbadbesucher als Potential gezählt:

Quelle: Bädergutachten der Stadt Kiel 2004

Quelle: Bädergutachten der Stadt Kiel 2004

So kommt man dort zum Ergebnis:

Die Besucherpotentialanalyse ergibt, dass die öffentlichen Besuche in den Bädern
der Stadt Kiel selbst bei relativ vorsichtigem Ansatz der Nutzungsintensitäten, bei
entsprechender Attraktivierung um rd. 90% gesteigert werden könnten, die Bäder-
landschaft heute also lediglich die Hälfte des möglichen Besucherpotentials binden
kann.

Eine Attraktivierung wird dabei als unabdingbar betrachtet. Für die Verwaltung der Stadt Kiel und die Kieler  Bäder GmbH ist das Zentralbad (oder auch Sport- und Freizeitbad oder auch „Kompromissbad“) DAS zentrale Projekt, um diese Attraktivitätsteigerung hinzubekommen. Wissenschaftlich-statistisch  scheint es mir aber sehr fraglich aus dem Überschlagen von möglichen Schwimmbadbesuchern ein Potential zu errechnen und dieses als Ausgangsbasis für ein neues Bad zu nehmen, mit dem man den Umlandgemeinden das Wasser abgraben will. Das Vorhandensein potentieller BesucherInnen bedeutet ja noch nicht, dass es z.B. Menschen in der Nähe von Eckernförde vorziehen werden, ins fernere Kiel zu fahren, um dort schwimmen zu gehen! Offenbar hat man nicht einmal Menschen befragt und keine tiefergehende Analyse über ein realistisches Besucherpotential erstellt.

Katzheide selbst ist aber auch mehr als ein Bad. Die diversen Aspekte eines Bades wie Katzheide blieben im Bädergutachten gänzlich unberücksichtigt. Z.B. die Preiswerte Naherholung für ärmere Teile der Bevölkerung – auch die Tatsache, dass es außer der Stadtteilbücherei keine nennenswerten städtischen Einrichtungen in Gaarden gibt (das Werftparktheater ist ja formal schon Ellerbek). Gaarden hat nicht viele Attraktionen, die Menschen im Viertel halten oder anlocken. Und es kann sich daher keinen Verlust von nur einer einzigen attraktiven Einrichtung erlauben. Das ganze Gerede von einem positiven Wandel von Gaarden ist doch nur hohles Geschwätz, wenn in der Realität Infrastruktur abgebaut wird. Gab es doch Studien (PDF), die nahelegten, dass Kinder in Gaarden häufiger übergewichtig sind, so müsste man ja annehmen, dass mehr Sportmöglichkeiten und ein nahegelegenes Freibad eher der Gesundheit förderlich wären. Der Zusammehang wurde aber offenbar nie gesehen. Der Sport- und Bewegungspark hatte dennoch Katzheide in seiner Mitte als ein zentrales Element. Kurz nach seiner Fertigstellung jedoch wurden Pläne zur Schließung des Herzens vom Sportpark  geschmiedet.  Entwicklungen die selbstverständlich bei der damaligen Bürger*innenbeteiligung nieman ahnen konnte.

Unter dem Strich: Bäder kosten Geld. Schwimmbadfolien müssen nach 20 Jahren ersetzt werden und die Technik regelmäßig repariert oder ersetzt. Alle genannten Kosten sind keine große Erkenntnis oder Überraschung, sondern einfach Ergebnis der Verschleppung notwendiger Investitionen. Das ist bei einem Auto nicht anders: Wenn man es nicht pflegt, wird es rosten und einzelne Elemente ausfallen. Wenn man jahrelang so stolz war, Sparziele zu erreichen, dann nur aufgrund deswegen, dass man Ausgaben nach hinten verschoben hat. Das kann aber am Ende kein Argument sein, den Stecker zu ziehen.

Grund für die Verwaltung  Katzheide jetzt abzuschalten ist, dass man fürchtet, dass Katzheide zu attraktiv sein wird, sowohl von der Nähe zu Gaarden her als auch preislich, dass es eine zu große Konkurrenz zum Zentralbad  darstellt. Dennoch: Das angekündigte offene Beteiligungsverfahren kann nicht die wichtigsten Fragen vorweg nehmen und Tabus aussprechen, wenn es Sinn machen soll. Das Verfahren selbst kostet viel Geld, das bereits eine Teilfinanzierung von Reparaturen hätte sein können, wenn man Katzheide denn nicht in Frage gestellt hätte.

Die Verwaltung und der Rat haben sich selbst in diese Sackgasse manövriert. Für Katzheide geht es nun um alles. Wer sich engagieren oder informieren will kommt am nächsten Mittwoch, 12. November um 19 Uhr in die Räucherei. Dort findet der Erste Akt der Beerdigung von Katzheide statt. Kann man es verhindern? Vielleicht.

Der zweite Akt folgt im öffentlichen Ausschuss für Schule und Sport am 13. November statt, um 17 Uhr im Magistratssaal. In den kommenden Wochen finden die entscheidenden Diskussionen zum Haushalt 2015 statt. Offenbar will man nun auf die Schnelle gerne ein verfrühtes Aus für Katzheide eintüten, damit man dann 2017 die Bahn frei hat.

Die Kosten von Katzheide waren und sind überschaubar und das Risiko für den Haushalt auch.  Jetzt sollen Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausgespielt werden und verlieren werden dabei die Gaardener*innen

Kiel will sich 17 Millionen Spaßbad leisten

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Die Verwaltung schlägt vor ein zentrales, großes Spaßbad für 17 Millionen zu errichten an der Schnittstelle zwischen Ost- und West-Kiel mitten im Grüngürtel (zwischen der Adolf-Westphal-Straße und Gablenzbrücke).

Dieser Schritt hätte nicht nur für die Stadtökologie fatale Folgen. Interessant hier ist die Bedingung:

  • Vor der Umsetzung des Bauvorhabens ist ein Architektenwettbewerb durchzuführen, in dem auf die festgesetzte max. Bruttobausumme in Höhe von 17 Mio. € verwiesen wird.

Interessant dabei ist, wenn wir dies mit den Vorgaben zur Ausschreibung der Lessinghalle vergleichen. Im damaligen Fall hat man bewusst auf eine Kostengrenze verzichtet, dann aber die Entwürfe abgelehnt, weil diese eine nie genannte, virtuelle Bruttobausumme überschritten. Das heisst wenn man es übersetzt, dass man die Kosten für die Entwürfe für einen Umbau der Lessinghalle bewusst fahrlässig formulierte, um sie abzulehnen. Nach meinem Verständnis stinkt es hier gewaltig – entweder nach Korruption oder einer Manipulation von Gutachten zu Lasten der Kieler Bürgerinnen. Alleine hierfür wäre eine Untersuchungskommission oder eine Klage gegen die Stadt Kiel gerechtfertigt.

Keiner der Ratsleute und Fraktion hat dies bisher hinterfragt. Vermutlich wird diese Beschlussvorlage (0940/2009) an der nächsten Ratsversammlung am 15. November behandelt.

Verbunden mit dem neuen Spaßbad sind die Schließungen von:

  1. Schwimmhalle Gaarden
  2. Freibad Katzheide
  3. Lessinghalle am Schrevenpark

Hatte Gaarden bis vor kurzem noch zwei Bademöglichkeiten, so wird es dann gar keines mehr haben

Schließungen sind Konsequenz aus verfehlter Sparpolitik

Hier wird der Blick nach vorne gerichtet – alle traditionellen Kieler Bäder sollen geschlossen werden. Über Jahrzehnte hat man in Kiel „erfolgreich“ an den Bädern gespart, so dass ein gewaltiger Investitionsstau entstand. Gleichzeitig hat man m.W. die Beschäftigung immer weiter heruntergefahren, so dass es keine Vollzeit-Angestellten mehr gibt. Was bei gesundheitssensiblen Bereichen wie Badewasser (Umgang mit Chlor,…) extrem fahrlässig ist. Es ist anzunehmen, dass die Einsicht in letzteres auch zur Idee eines Zentralbades und der letztendlichen Schließung alle traditionellen Kieler Bäder führte.

Der Fall der Kieler Bäder zeigt sehr gut, dass das stetige Sparen zwar gut ist, um bessere Zahlen zur präsentieren. Was aber bei einer jährlichen Einsparung mit beschlossen wird, aber nirgendwo steht ist, dass irgendwann 17 Millionen für einen kompletten Neubau fällig sind. Wie viel wurde in den letzten Jahren eingespart? Wurden in den letzten 17 Jahren jedes Jahr 1 Millionen Euro eingespart bei den Bädern? Ich habe die Zahlen nicht, aber ich vermute stark das nicht. Und selbst wenn: Um einen Neubau 2010 zu rechtfertigen sollte die Rechung besser aussehen, denn da die Schwimmhallen über Jahre immer wieder geschlossen waren, bedeuteten die Einsparungen und nicht getätigten Investitionen, dass wir eben nicht mehrere voll einsatzfähigen Hallen hatten.

Die Kieler Bäderpolitik ist gescheitert. Und das muss laut ausgesprochen werden!

Denn wir sehen diese angeblich sparsame Politik als Roten Faden durch sämtliche Haushaltsverhandlungen. Man hat sich selbst auf die Schulter geklopft, wie toll man doch eingespart hat. Aber hätte jemand vor 17 Jahren gesagt: Wenn ihr DAS tut, dann fallen 3 Standorte von Bädern weg und ihr müsst 38 Million DM für ein neues Zentralbad investieren, dann hätte es einen großen Aufschrei gegeben. Keine der Fraktion hätte diesen Schwachsinn durchziehen können. Das Ganze konnte nur funktionieren, da man über Jahre schleichend und unbemerkt die Kieler Bäderlandschaft ausgehungert hat. Dies sollten zumindest die Kieler Bürgerinnen erkennen.

Gaarden als Hauptverlierer

Gaarden wird zwei Bäder verlieren. Die Annahme, das die Gaardener Bevölkerung dann zu Fuß bis zur abgelegenen Adolf-Westphal-Straße pilgern wird ist abenteuerlich. Für Schulen z.B. ist eine kurzfristige Erreichbarkeit von entscheidender Bedeutung. Für die Hans-Christian-Andersen-Schule z.B. war die Gaardener Schwimmhalle zu fuß in ca. 8 Minuten erreichbar und Katzheide sogar in nur 4 Minuten. Zum Arbeitsamt, was in unmittelbarer Nähe sein wird, wird der Weg 23 Minute brauchen und damit für eine schulische Nutzung weniger geeignet. Eine Fahrt mit einem Schulbus wird dabei kaum schneller sein, da dies Wartezeiten auf den Bus so wie das Ein- und Aussteigen beinhaltet. Wenn wir bedenken, dass Gaarden mit 28% übergewichtiger Kinder (vg. Drucksache 16/2227 Schleswig-Holsteinischer Landtag – 16. Wahlperiode
) besonders davon profitiert, wenn es nahegelegene Bewegungsmöglichkeiten wie Schwimmen gibt, so kann man die ersatzlose Schließung beider Bäderstandorte fast als Anschlag auf die Gesundheit der Gaardener Bevölkerung verstehen.

Dies sind nebenbei bemerkt zusätzliche Kosten durch:

  • Verkehre von und zu dem Spaßbad (CO2-Belastung, Feinstaub, Straßenlärm).
  • Erhöhte Gesundheitskosten durch vermehrte Kreislauferkrankungen.

Zudem bedeutet das Verschwinden von beliebten Standorten wie Katzheide ein schweren Schaden für das Image von Gaarden. Der nahegelegene Minigolfplatz wird ebenso leiden wie der erst neu beschlossene Sport- und Begegnungspark – und alle die Geschäfte und Gastronomie, die bisher Besucher aus allen Stadtteilen begrüßen durften, die im Sommer nach Katzheide als eines der beiden Kieler Freibäder pilgerten. Wer zum Eiderbad fährt ist bereits am Kieler Stadtrand, so dass jetzt schon klar ist, dass eine Schliessung von Katzheide zu Einnahmeverlusten bei der Gewerbesteuer der Stadt Kiel führen wird. Zudem kann das Eiderbad nicht doppelt so viele Gäste aufnehmen kann. Für Gaardener sind die 5,6 Kilometer nur per Fahrrad oder motorisiert zurück zu legen.

Schon jetzt steht fest, dass es zu Entgelterhöhungen kommen wird. Zitat: „Der maximale Zuschussbetrag des Eigenbetriebs Beteiligungen in Höhe von 2,4 Mio. € wird mit Inbetriebnahme des neuen Zentralbades festgeschrieben. Aufwandssteigerungen sind z. B. durch Entgelterhöhungen auszugleichen.“

Also: Weiter weg und teurer für die Gaardenerinnen. nach Attraktivitätssteigerung klingt das für eine Bevölkerung, die eher bewegungsfaul und finanziell nicht so reich ausgestattet ist nicht gerade.

Die Stadt geht davon aus, dass die neue Halle mehr genutzt wird, als alle drei übrigen Standorte zusammen, bleibt aber die Indizien schuldig.

Der neue Standort soll nicht einmal eine 1/3 größere Schwimmfläche bieten als die Lessinghalle und die Schwimmhalle Gaarden. Bezieht man das Freibad Katzheide mit ein, so bleibt die Schwimmfläche vermutlich gleich(mir fehlen die Zahlen der Schwimmfläche in Katzheide) ? Zudem kann man eine Halle nicht mit einem Freibad gleichsetzen. Kiel verfügt zwar über viele Strände aber  im innenstadtnahen Bereich lediglich über die Seebadeanstalt Düsternbrook, die allerdings nur im Hochsommer badefreundliche Temperaturen bietet.

Katzheide war und ist ein Teil von Kiel. Noch vor einigen Jahren schrieb die Stadt Kiel auch, dass dieser Standort unter allen Bedingungen erhalten bleiben müsse. Das war bevor der Sport- und Begegnungspark geplant wurde, dessen integraler Bestandteil das Freibad Katzheide war. Nun muss die Bürgerbeteiligung für den Park eigentlich wiederholt werden, da die Kernidee herausgeschnitten wurde und somit alle Pläne hinfällig geworden sind.

Ein Zentralbad scheint nur die Lösung aller Probleme zu bieten. Aber wenn es nicht angenommen wird oder auch mal geschlossen werden muss, gibt es in Kiel gar kein Bad mehr, das genutzt werden kann!

Mein Tip ist eher: Weniger Gutachten, weniger Architekturwettbewerbe und weniger Großprojekte! Das sollte schon Einsparungen von mehreren hundert Millionen Euro im Jahr bringen. Denn was das angeht, so geht man damit in Kiel im höchsten Maße unbekümmert um. Und was die 17 Millionen Euro betrifft: Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Die angeblichen Einsparungen, die Gebührenerhöhungen und gleichzeitig vermehrte Nutzung des Zentralbades sind alles zunächst einmal Behauptungen. Alleine eine Gebührenerhöhung sollte schon dazu führen, dass das Bad weniger genutzt wird. Und dessen Lage ist so, dass dort eigentlich niemand wirklich zu fuß hingehen wird. Man kann also mindestens Fahrtkosten mit dem Auto oder dem Bus dazurechnen, ausser die, die mit dem Fahrrad unterwegs sind. So wird das Schwimmen erst recht zu einem teuren Spaß, den sich immer weniger leisten werden, insbesondere nicht die Gaardenerinnen!

Die Pläne müssen gestoppt werden, denn es sind Hirngespinste. Und wenn die Rechung nicht aufgeht haben wir ein defizitäres Riesenbad in der Mitte Kiels, die Stadtökologie nachhaltig geschädigt, 17 Millionen futsch und weiterhin drei ruinierte Bäder!

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