KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Posts Tagged ‘SRB

Fahrt mit #HeinSchönberg und Museumsbahn Schönberger Strand an der Kieler Woche 2015 #kiwo

with one comment

Diesen Sonntag habe ichs dann doch mal geschafft während der Kieler Woche mal mit dem Hein Schönberg zu fahren. (s.a. Pro Bahn Probstei Initiative auf Facebook)

Streckenverlauf
Kiel-Schoeneberger“ von I, Begw. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Seit einigen Jahren kann man ja vom Kieler Hauptbahnhof einige male am Tag direkt nach Schönberg fahren und von dort aus mit der Museumsbahn zum Schönberger Strand. Mittlerweile ist die Reaktivierung der Linie auch ein offizielles Projekt, das 2016 zur Wiederinbetriebnahme führen soll. Ich empfehle zum Einstieg das FAQ bei nah.sh.

Vielleicht ist es hauptsächlich der Museumsbahn Schönberger Strand VVM zu verdanken, die in Schönberger Strand ein Eisenbahnmuseum betreibt, dass das Thema der Eisenbahnanbindung der Probstei nie so ganz als Idee verschwunden ist?

Nach dem Aus für die Stadt-Regionalbahn stellt sich die Planung für Schienenverkehr in der Landeshauptstadt aus meiner Sicht als Trümmerfeld dar, auch wenn hinter den Kulissen neu geplant wird ist fraglich, ob alter Wein in neuen Schläuchen sich noch ein mal verkaufen lässt.

Momentan werden Schienen und Gleisbett und Bahnübergänge an vielen Punkten erneuert, damit auf der Strecke auch schneller gefahren werden kann. Im Vergleich zu der heutigen Busanbindung sollen sich die Fahrzeiten nach Schönberg halbieren. Allerdings hat das Projekt auch Gegner auf den Plan gerufen, die sich in der BI „Bürger für den Bus gegen die Bahn“ zusammengeschlossen haben. Allerdings scheint was die Website angeht seit 2013 nicht viel Aktivität gewesen zu sein. Aber immerhin findet sich in Probsteierhagen, wo es am Samstag einen unnvorhergesehenen Umstieg gab sehr prägnant ein Plakat an der Strecke zu sehen:

Bahn frei für den Bus

Plakat „Bahn frei für den Bus!“

Ich muss sagen, ob habe so meine Probleme, wenn zwei Träger des ÖPNV gegeneinander in Stellung gebracht werden sollen. Die BI rechnet da mit Gewinn und Verlust pro Linie. Aber man kann m.E. öffentlichen Verkehr so kaum rechnen, sondern er muss immer in der Gesamtheit betrachtet werden. Die damalige Bundesbahn hat einige Zeit lang sehr viele kleine Bahnhofe geschlossen. Diese wurden dann teilweise entweder von Museumsbahnen oder der privaten Konkurrenz wieder genutzt, zum Teil auch sehr erfolgreich. Und so weit ich informiert bin gibt es diese Art der Politik der massenhaften Stillegung bei der DB nicht mehr in dieser Form. Ein Argument für kleine Strecken ist z.B., dass man nicht immer nur auf die großen ICE-Verbindungen schielen darf. Denn je weniger die Leute Zubringer-Verbindungen haben (z.B. von Schönberg nach Kiel), desto eher werden sie einen anderen Verkehrsträger wählen und am Ende auch nicht den ICE benutzen. Sprich: Es ist für die Bahn insgesamt wichtig, dass die Fläche erschlossen wird..

Heute waren es auf der ersten Fahrt des Tages etwa 50-60 Fahrgäste, die sich auf den teilweise etwas holprigen Weg von Kiel nach Schönberg Strand über Schönberg (bzw. Probsteierhagen) machten:

In der Museumsbahn von Probsteierhagen nach Schönberg Strand

In der Museumsbahn von Probsteierhagen nach Schönberg Strand

„Bahnhof“ Probsteierhagen

Umstieg in die Museumsbahn in Probsteierhagen

Umstieg in die Museumsbahn in Probsteierhagen

Und viel mehr konnten es dann für die Größe der Waggons auch nicht sein. Angeblich hätte Probsteierhagen nicht viel vom Verkehr außer Kosten, sagen die Gegner. Aber ehrlich gesagt: Wer eiert schon gerne mal eben nach Probsteierhagen mit einem Bus? Heute mit dem Bus wohl etwas über 30 Minuten. Zeitmäßig geht das ja noch, aber sollte sich die Verbindung auch etwas halbieren und man dann einfach vom Hauptbahnhof bequem nach Probsteierhagen kommen, so wird das doch als Ausflugsziel oder Wohnort schon sehr viel attraktiver. So wie bei mir heute: Die einfach Erreichbarkeit über die Strecke erweckt ja überhaupt erst den Gedanken solche Ort zu besuchen oder wahrzunehmen. Mal ganz davon abgesehen, was es für Schönberg und Schönberger Strand bedeuten würde.

Es wäre aber tatsächlich wünschenswert, wenn viele kleine Orte, die nicht an der Strecke liegen nicht zu viele Nachteile hätten. Aber nehme wir mal „Prasdorf“ als Beispiel. Dort geht man laut Google Maps ca. 1/2 Stunde zu fuß nach Probsteierhagen oder Passade. Bisher ist Prasdorf mit dem Bus in etwas über 40 Minuten zu erreichen.  Wenn sich die Fahrzeit nach Kiel auf 20 Minuten verkürzen würde, wäre man insgesamt also 50 Minuten unterwegs und damit 10 Minuten länger. Allerdings wenn man z.B. ein Fahrrad nutzt, um nach Probsteierhagen zu kommen, wäre die Fahrzeit auch von Prasdorf aus mit 28 Minuten (20+8 Minuten Rad) kürzer als heute. Ganz davon abgesehen, dass es dann mit dem Zug eine Fahrradmitnahmemöglichkeit gibt, die heutzutage sicher eher selten nutzbar ist. D.h. man wäre dann auch in Kiel mobil.

Sicher: Nicht jeder kann Fahrrad fahren – aber vielleicht gibt es dann auch mal neue Sammelbusse oder ähnliche Systeme für die Region. Nicht zu verachten auch für Menschen, die von dem dortigen Umlandgemeinden noch weiter als bis Kiel wollen vereinfachen sich im Bahnhof die Umsteigezeiten. Nicht zu Vergessen der derzeitige Hinweis, dass in Bussen die Mitnahme von Elektromobilen ausgeschlossen ist. Das sollte mit Zügen eher handhabbar sein, habe ich im Hbf Kiel auch schon selbst gesehen.

Hein Schönberg

Zum Abschluß noch mal ein Info-Video der Museumsbahn:

Leider kommt man normalerweise ja nicht mit der Bahn bis Schönberg. Da muss man dann schon viel Zeit einplanen. Aber für Bahnfans lohnt sich das sicher immer. Ich war heute nur kurz da, werde aber auch sicher bei Gelegenheit mehr Zeit in dem Museum verbringen. Die nehmen auch Spenden „in beliebiger Höhe“ entgegen. 😉

VVM

VVM Schönberger Strand

Advertisements

Written by tlow

29. Juni 2015 at 00:48

Billiger ist nicht immer Billiger #SRBKiel

with 2 comments

Bei dem Applaus der Gegner zum Aus für die Stadtregionalbahn und der Befürwortung kleiner Lösungen wird so einiges übersehen:

  1. Zum einen hätte Kiel niemals die gesamte Summe bezahlen müssen. Es geistert für Kiel ja immer die Zal von 380 Millionen herum. Tatsächlich hätten alle Kreise und Kiel zusammen sich einen Anteil von 60 Mio Euro teilen müssen. um Vergleich: Alleine die Planungen zum Science Center kosteten damals 5 Mio. Der nie umgesetzte Bau hätte 25 Mio. gekostet. Also reden wir für Kiel vielleicht von 40 Mio. Euro für ein ganz neues Verskehrsnetz?
  2. Die Förderung, die in Aussicht gestellt wurde, galt nur für das überregionale Konzept. Selbst wenn die Gesamtkosten des Projektes nun günstiger werden, ist zu erwarten, dass für weniger Leistungsfähigkeit auch weniger Förderung zur Verfügung steht.
  3. Wichtiger als die Gesamtkosten wäre also ein Verhältnis zwischen Kosten und Leistungsfähigkeit. Und auch dann die tatsächlichen Kosten für Kiel. Angenommen eine Stadtbahn kostet lediglich 1/3 der Bausumme, als dann 127 Mio € und das Land übernähme rd. 40% der Bausumme, dann würde das die Stadt Kiel z.B. 76 Mo kosten für eine kleine Lösjng statt 40 Mio. € für eine große Lösung.

Manch einer im SSW träumt ja schon bereits wieder von einer Anbindung von Schilksee:

Das sind die gleiche Stimmen, die die Nutzung bereits früher genutzter Trassen der Straßenbahn in der Holtenauer Straße abgelehnt hatten. Eine neue Trasse nach Schilksee ist allerdings sehr viel aufwendiger. Zum einen bedeutet die Absage an die SRB ja gerade ein Zurückwerfen der Planung auf einen kleineren Rahmen (ohne Anbindung der Kreise). Es wird wohl wenig Sinn machen extra den Nord-Ostsee-Kanal zu queren, nur damit man Schilksee anbindet, aber ohne weitere Konzepte für angrenzende Kreise zu berücksichtigen. Es würde dazu sicher eines Neubaus der Holtenauer Hochbrücke bedürfen, denn den Wege der neuen Levensauer Hochbrücke (ab 2021) wären nach Schiksee zu lang. Bisher ist m.W. aber keine neue Holtenauer Hochbrücke mit Schiene geplant. Jegliche Überlegungen von heute aus Schilksee anzubinden sind daher einerseits verfrüht und stehen zum anderen den Konzepten einer „SRB Light“ vollkommen entgegen. Billiger wird eine Stadtbahn nicht dadurch, dass man eine Brück neu baut.

Unter dem Strich also erscheint es aus heutiger Perspektive unverantwortbar eine kleine Lösung für Kiel zu bauen, weil diese für Kiel noch weniger bezahlbar wäre und insbesondere weit weniger positive verkehrliche und wirtschaftliche Effekte hätte.

Insofern sollte man jegliche neuen Überlegungen zu kleinen Lösungen ablehnen, weil das der Haushalt der Stadt Kiel nicht hergibt. Wie hier Politiker, die sich eigentlich mit Finanzierungen auskennen sollten, argumentiert wird, ist abenteuerlich.

Davon abgesehen hat sich in der letzten Jahren bereits gezeigt, dass weder in Kiel noch im Umland die Kritiker der SRB in der Lage gewesen konkrete Ideen, geschweige denn Konzepte vorzulegen, deren Umsetzbarkeit man prüfen könnte. Leider erscheint auch Kämpfers Presseerklärung als nicht sehr durchdacht. Es spielt lediglich den Kritikern der SRB in die Hände, ohne das bereits Alternativen vorliegen. Dies lässt Zweifel an der grundsätzlichen Bereitschaft und Fähigkeit zu, Schienenprojekte entschlossen anzugehen. Wenn man dagegen sieht, wie überflüssige Projekte wie das Zentralbad oder die Olympiade breit unterstützt wurden, sieht man wie „Strohfeuer-Politik“ immer mehr zur Maßgabe wird. Projekte, die tatsächlich nachhaltig wären sind offenbar kaum in Kiel umsetzbar. Man will zwar die Olympiade, meint aber das mit einem eh überlasteten Busverkehr bewältigen zu können, wo Fahrgäste jeden Tag immer wieder an Bushaltestellen nicht mehr mitgenommen werden können.

Ich kann ob dieser Kurzsichtigkeit immer nur den Kopf schütteln. Auf mich wirkt die die Kieler Kommunalpoltik einfach nur kopf- und planlos. Man rennt irgendwelchen Fördertöpfen hinterher – reißt immer noch gerne Bauten ab, die noch einen gewissen Wert haben und die Stadt verschuldet sich weiter bei Neubauprojekten.

Man ist zwar bemüht den Eindruck zu vermitteln, dass das Ganze durchdacht wäre und irgendwelchen Rahmenplänen eine bestimmte Entwicklung nahelegen. Aber unter dem Strich ist da wenig Konkretes.

Written by tlow

14. Mai 2015 at 12:29

Landeshauptstädte und schienengebundener Verkehr #SRBKiel #Straßenbahn

leave a comment »

Anlässlich der heute vollmundigen und peinlichen Absage des OB an die Stadtregionalbahn hier alle Landeshauptstädte Deutschlands und ihre vorhandenen oder nichtvorhandenen Schienensysteme. Landeshauptstädte mit schienengebundenem ÖPNV sind grün gekennzeichnet und die ohne mit rot :

(dabei nur nach Straßenbahn gesucht und nur wenn es die nicht gab nach existierenden Alternativen)

Zugegeben: In Wiesbaden sind auch Pläne für eine Stadtbahn gescheitert. Allerdings wird sie dennoch von der S-Bahn Reinh-Main bedient.

In der Absage des OB wird versucht das nicht als Scheitern des Schienenverkehrs in Kiel darzustellen, aber letztlich ist es das dann: Eine Absage an eine moderne Stadt, die ihren letzten Platz bei dem schienengebundenen Verkehr in Konkurrenz zu anderen Landeshauptstädten erfolgreich verteidigt. Zwar will Kiel irgendwie modern sein, aber dann doch lieber nur mit Bussen. Trotz des Festhaltens von GRÜNEN und SPD an den Plänen der SRB kann man ihnen zu Recht auch mehr als nur Halbherzigkeit vorwerfen. Ohne ein gewisses Tempo kommt jedes Projekt zum Erliegen. Wo man bei einem Strohfeuer-Projekt wie der Olympiade Feuer und Flamme ist und mal so eben 780.000 € zum Fenster hinaus wirft, so hat man stattdessen bei der Stadtregionalbahn darauf gesetzt das Projekt über Jahrzehnte bei kleiner Flamme langsam gar zu kochen. Insofern ist natürlich der Todesstoß von Kämpfer zwar irgendwie der Todesstoß für das Projekt, aber es war nicht der Anfang vom Ende.

Was ist nun aber mit dem immer wieder angekündigten Bürgerentscheid zur Stadtregionalbahn? Gilt das Angebot nur, um ein Projekt zu stoppen? Viele Fans der SRB waren ja nicht dafür einen Bürgerentscheid durchzuführen, weil sie befürchteten, dass die Bürger die Komplexität der Verkehrsplanung nicht durchschauen würden. Aber nun da das Kind in den Brunnen gefallen ist, sollten die Befürworter meines Erachtens eben auf diesen Entscheid beharren, der ja von vielen Fraktionen aus anderen Motivationen gefordert wurde. Let’s do this!

Written by tlow

12. Mai 2015 at 16:52

Veröffentlicht in Verkehr

Tagged with , , , , ,

#SRBKiel: Manche Politiker können nicht rechnen

with 3 comments

Das, was vor kurzem noch als „SRB Light“ präsentiert wurde, war nicht wirklich billiger, sondern aus lange Sicht teurer. Weniger Fahrgäste und weniger koordinierter Streckenausbau bedeuetet natürlich weniger Einnahmen und mehr Bauarbeiten in der Zukunft. Bei den Preissteigerungen konnte man sich ausreichnen, dass die billigere Stadtregionalbahn zwar anfangs billiger aussieht, aber am Ende teurer ist. Aber whatever – es war das, was die Befürworter für besser verkaufbar hielten und zum Teil ging die Rechnung ja auch auf. Zeitungen berichten ja dann auch, dass weniger immer gleich weniger ist.

Nun hat zwar Kiel und der Kreis Plön JA gesagt zum Projekt, aber Rendsburg-Eckernförde: NEIN. Fehlende Stimmen aus den Reihen der GRÜNEN waren die Ursache.

Mit dem Titel „Die Stadtregionalbahn ist mausetot – jetzt muss es Alternativen geben“ schreibt die FDP-Landtagsfraktion triumphierend:

Die Landesregierung muss jetzt endlich aufhören, die Stadtregional-
bahn mit einzelnen Bahnreaktivierungsprojekten im Kieler Umland
durch die Hintertür einführen zu wollen und dafür die maroden Stra-
ßen im ländlichen Raum sträflich zu vernachlässigen.

Da wird jetzt wieder viel von Alternativen geredet, die es angeblich gibt. Eine der Alternativen für einen schnellen, schienengebundenen Verkehr ist z.B. für die FDP offenbar, Schlaglöcher auf dem platten Land auszubessern. Mal ganz davon abgesehen, dass diese Fördermittel nicht mal eben en passant umgeschaufelt werden können: Wie komme ich im Kieler Umland schneller von A nach B, wenn es in Husumm weniger Schlaglöcher gibt?

Es ist doch einfach so, dass es hier um eine konkrete Maßnahme für einen städtischen Raum, ein städtisches Umland gegangen wäre. Pressemitteilungen wie die der FDP zeigen das Niveau der Diskussion. Leider viel zu partei- und wenig sachorientiert wird hier argumentiert.

Und wenn wir wieder bei Alternativen sind, so kann man gerne nach Hamburg schauen und wie da das Thema Busbeschleunigung diskutiert wird. Für Kiel uns Umland gibt es bisher keine einzige Alternative zur SRB, die vorgestellt worden wäre. D.h. es gibt eigentlich für den Öffentlichen Verkehr dann keine Zukunft. Wer häufiger in Kiel Bus fährt weiß: Es macht oft keinen Spaß mehr und jedes Jahr wird es schlimmer. Aber die Region kann ruhig weiter schlafen. Vielleicht ist es ja auch ganz gut, wenn mehr Leute wegziehen, insbesondere aus dem Umland in Städte, wo man auch ohne Auto unterwegs sein kann. Gut für die Mieten. Bei sinkender Einwohnerzahl braucht man dann ja auch gar nicht mehr so viele Arbeitsplätze und Wohnraum. Ostdeutschland macht uns das ja bereits erfolgreich vor.

Written by tlow

16. Dezember 2014 at 21:09

#SRBKiel: CDU Plön beibt Antworten schuldig

leave a comment »

Wie schon oft, blieb auch die CDU Plön auf konkrete Nachfrage von KielKontrovers Antworten zur Stadtregionalbahn Kiel schuldig.

Am 4. Oktober fragte ich in einer öffentlichen Email nach. Jedoch erhielt ich überhaupt keine Antwort. Ich finde es immer wieder faszinierend, welches Verständnis viele Politiker von politischer Diskussion haben. Sie meinen einige Pressemitteilungen oder spitzen Bemerkungen vor der offizielle Presse würden ausreichen. Leider gibt sich auch diese offizielle Presse zu schnell zufrieden und hakt nicht nach.

Wenn man politisch und öffentlich gegen oder für etwas eintritt, dann kann auf interessierte Nachfrage nicht Schweigen die Antwort sein. Es gibt nur eine mögliche Interpretation: Man hat keine Antworten. Ähnlich wie die mittlerweile aufgelöste Kieler Piratenfraktion scheint man bei der CDU Plön Politik nicht auf Fakten zu basieren, sondern auf Bauchgefühl. Und da wird dann die ehemalige politische Gegnerin Gaschke auch mal zur Freundin, weil sie ebenso ohne jeglichen Sachbezug und Argumente gegen die Stadtregionalbahn war (aber in der Amtszeit stets das Gegenteil behauptete). Eine politische Diskussion ist immer hilfreich, erfordert aber ein Mindestmaß an Offenheit und Ehrlichkeit.

Zur Zeit gibt es zur Stadtregionalbahn offenbar nur entweder Gegenrezepte aus der Mottenkiste oder eben nur ein Sammelsurium an Ideen, von denen einige vielleicht auch umsetzbar wären. Was fehlt ist aber ein Gesamtkonzept, das zumindest ein mal grob durchgerechnet wäre. Meines Erachtens kommt man aber nicht weiter in dem man von vorne herein eine Lösung ausschließt und dann nach Alternativen sucht. Wichtig wäre die verkehrlichen Herausforderungen zu analysieren und dann nach der besten Lösung zu suchen. Dabei wäre die beste Lösung selbstverständlich auch erschwinglich für die Kommunen. Zum Nulltarif wird keine Lösung zu haben sein. Eine Wahrheit, die die radikalen SRB-Gegner gerne unterschlagen. Und eben bisher nicht bereit oder in der Lage sind darzulegen, wie genau denn eine Zukunft ohne Schiene in Kiel aussehen soll. Der letzte Anlauf zu einer Alternative endete dann seitens FDP und Piraten denn auch darin, plötzlich für eine „SRB Light“ zu sein. Vielleicht ein Zugeständnis, dass auch diese beiden Fraktionen plötzlich meinten, nicht mehr an der Schiene als zentrale Lösung vorbei zu kommen?

Die Stadt Kiel und auch der neu gewählte Oberbürgermeister lassen bisher jedenfalls seit Jahren an der nötigen Entschlossenheit fehlen, für Kiel eine zukunftssichere Verkehrslösung zu schaffen. Währenddessen gerät im Öffentlichen Verkehr zunehmend an Grenzen. Der ÖPNV ist langsam, umständlich und unbequem. Und das würde sich auch durch mehr und schnellere Busse nicht lösen lassen. Stattdessen will Kämpfer das Projekt „Kleiner Kiel Kanal“ vorantreiben. Als eine Detaillösung mit fraglicher Sinnhaftigkeit und im Grunde für Kiel teurer als die Stadtregionalbahn. Es wird die Stadt vielleicht rd. 20 Millionen Euro kosten (die Kostenschätzungen kann man zwar als Grundlage nehmen, aber immer gut mal verdoppeln). Die Stadtregionalbahn rund 60 Millionen Euro. Bei 1/3 der Kosten ist dies aber rein stadtgestalterische Maßnahme, deren Sinn und Zweck zweifelhaft ist und die auch keine direkte Einnahme generiert. Zudem wären die Investitionen bereits die Finanzierung von 1/3 der Stadtregionalbahn.

Kein radikaler Umbau wird etwas an den Grundprobleme der Kieler Altstadt lösen. Das die Holstenbrücke verhunzt ist, ist schon richtig. Und das sie umgebaut werden müsste auch. Denn bislang stellt sie ein Nadelöhr für den Radverkehr dar.. Fraglich ist allerdings, ob nicht mit viel weniger Aufwand der gleiche Effekt zu erzielen wäre. Weniger Parkhäuser und Betonklötze in der Innenstadt und der Erhalt von Altbauten und Grünbestand wäre ein besseres Rezept. Mit dem Kleinen Kiel, der Förde, dem Bootshafen hat Kiel bereits mehrere öffentliche Wasserflächen in unmittelbarer Nähe der Altstadt. Die müssen lediglich gepflegt oder erschlossen werden. Eine neue Fläche zu schaffen erscheint mir da eher als Schildbürgerstreich. Ebenso wie damals die barrierefreie Querung durch den Park zum Brook für 330.000 €, obwohl es eine 100 Meter weiter bereits gab.  Kiel scheint viel Geld zu haben, um Bestehendes abzureissen und es durch irgendetwas Neues mit viel Geld zu ersetzen.

Daher rührt meines Erachtens auch ein Kernproblem von Kiel: Das es zunehmend an Charakter verliert. Wie z.B. durch Bauten wie den Betonklotz CAP am Hafen/Hauptbahnhof oder der hässliche Klotz gegenüber den Veranstaltungszentrum der Pumpe. Offenbar wird von vielen Planern alles, was kalte Betonfläche ist als schön betrachtet und alles was grün ist, oder alt oder etwas kaputt als hässlich. Mir geht es leider umgekehrt.

Written by tlow

26. Oktober 2014 at 10:31

OpenMail an CDU Plön zur Stadtregionalbahn

with 4 comments

Hier meine Mail an die CDU Plön

Sehr geehrte Damen und Herren der CDU Plön,

aus ihren Pressemitteilungen geht hervor, dass sie die ablehnende Haltung der ehemaligen Oberbürgermeisterin Gaschke zur Stadtregionalbahn hutheißen, u.a. zitieren sie auch die Aussage, dass man  „mit einem Bruchteil des nötigen Geldes“ die „Busflotte grundsanieren und die Fördeschifffahrt erheblich ausbauen könne“.

Ich bin an ihren Erkenntnissen und Konzepten für einen zukunftssicheren Verkehr im Großraum Kiel interessiert. Aus welchen Untersuchungen kann man ableiten, dass man durch eine Sanierung der Busflotte und den Ausbau der Förderschiffahrt einen ähnlichen Effekt wie durch den Bau der SRB erzielen könnte? Wie Ihnen sicher bekannt ist, derzeit das Busnetz an der Grenze der Belastbarkeit und soweit ich sehe, sieht die KVG kaum Raum für weitere Optimierungen. Daher würde es mich interessieren, auf was sie ihre eigene Position zur SRB basieren und welche konkreten Gegenkonzepte sie vorschlagen?

Mit freundlichen Grüßen,

Thilo Pfennig

KielKontrovers

http://kielkontrovers.com/

PS: Diese Email wurde von mir auf meinem Blog veröffentlicht, wo Sie die Möglichkeit haben direkt zu kommentieren, oder ich kann ihre Kommentare per Mail veröffentlichen.

Written by tlow

4. Oktober 2014 at 10:35

Veröffentlicht in OpenMail, Verkehr

Tagged with ,

#SRBKiel: Gaschke führte Kooperation an der Nase herum

with 4 comments

„Uns ist es ebenso wichtig, die Kielerinnen und Kieler von den Vorzügen der StadtRegionalBahn zu überzeugen wie die Menschen in unseren Nachbarkreisen“, sagte Gaschke: „Es muss klar sein, dass die ganze Region von guten Verkehrsverbindungen profitiert – und nicht allein die Landeshauptstadt.“

So zitierte rtvnews im Januar 2013 die damalige Oberbürgermeisterin Gaschke. Die SRB war eine der Kernthemen des OB-Wahlkampfes, wo sich Frau Gaschke auch von ihrem Konkurrenten Meyer abgrenzte. Allerdings überraschte sie im Wahlkampf auch alle mit der Ankündigung, dazu gerne einen Bürgerentscheid durchführen zu wollen und setzte damit die SPD und ihre Kooperationspartner ohne Not unter Zugzwang.

Wenn Frau Gaschke die Kieler*innen auf ihrer Seite wähnt, so vergisst sie dabei, dass diese erst bei der letzten Kommunalwahl die Chance gehabt hätten die Parteien zu bestrafen, die die SRB immer noch in Kiel voran treiben wollen.

Offenbar bedeutete der „Neue Politikstil“  der Frau Gaschke das was man bereits kennt: Das eine denkt man, aber sagte s nicht, um die Kandidatur zu bekommen. Und man sagt es nach der Wahl auch nicht laut, sondern versucht Projekte mit allen möglichen Tricks zu kippen. Und wenn man dann raus ist aus der Sache schreibt man hinterher ein Buch darüber und behauptet sowieso alles von Anfang an besser gewusst zu haben. Und dann kann man auch endlich Mitglied der Plöner CDU werden und vielleicht dort eine neue Karriere starten?

Dabei ist Gaschkes Meinung zur SRB wohl nicht viel mehr als das „eine Meinung“. Was vielleicht für Journalist*innen und Blogger*innen noch durchgeht, mal kurz eine Meinung zu haben ohne das tiefgründiger zu recherchieren ist für eine Oberbürgermeisterin nicht so einfach. Es ist bekannt, dass sie sich diesbezüglich nicht wirklich in das Thema Verkehrsplanung eingearbeitet hat. Dann ist es natürlich einfach eine Meinung zu haben. Solange man Dinge mal in lockerer Runde sagt ist das auch noch in Ordnung. Für Kiel geht es aber um viel mehr. Es geht um echte Konzepte, die auch umsetzbar sind. Und da gibt es bisher nur ein Konzept – und das beinhaltet die SRB. Ein Gegenkonzept gibt es bisher nicht. Die meisten Vorschläge sind weder durchgerechnet noch durchdacht. Aber irgendwann geht es um realen Verkehr.

Kieler Fahrgäste wissen um die prekäre Situation des Busverkehrs – und auf den Hauptlinien ist schon gar nicht durch den Ausbau der Fördeschifffahrt irgendwas zu bewegen. Vom Hauptbahnhof nach Laboe fährt man z.B. 1 Stunde und 10 Minuten. Das sind gute 20 Minuten mehr als mit dem Bus. Mal ganz davon abgesehen deckt die Fördeschifffahrt auch nur einen Teil Kiels ab und erzwingt immer auch einen Wechsel des Verkehrsmittels, wenn man von einem beliebigen Punkt der Stadt zu einem anderen Punkt gelangen möchte.

Worüber reden wir hier also? Gerade im Bereich Verkehr wird viel an Nebelkerzen geworfen. Der Ausbau der Autostraßen wird oft durchgewunken ohne tatsächlich zu schauen, was es am Ende bringt. Man baut aus und repariert, weil man das einfach tut. Im Gegensatz dazu muss der Ausbau der Schiene ständig gerechtfertigt werden und sich gegen teilweise irrationale Vorwürfe zur Wehr setzen.

Gaschkes Stil ist daher eher gewöhnlich für viele Politiker*innen: Einfach ohne eingehende Recherche drauflosmachen  und dabei die Wähler*innen über die eigenen Meinung im Unklaren lassen, sowohl bei der Kandidatur in der eigenen Partei als auch bei der OB-Wahl selbst. Genau das Gegenteil bräuchte man: Politiker*innen, die offen sagen, was sie denken und zwar nicht hinterher in einem Buch, um damit später Geld zu verdienen, sondern vorher, damit die Wähler*innen bescheid wissen!

Written by tlow

4. Oktober 2014 at 10:04

%d Bloggern gefällt das: