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Status der #Stadtbahn Kiel 2019

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Kommt die Stadtbahn oder kommt sie nicht? Mittlerweile ist es 34 Jahre her, dass die Straßenbahn in Kiel fuhr. Hier eine kleine Übersicht über den aktuellen Stand und offene Fragen.

Straßenbahn der Linie 4 (Fähre Holtenau) (Kiel 69.929)
Kieler Straßenbahn an der Haltestelle Holstenbrücke 1981

Und was ist mit dem Bussystem?

Viele Bürger*innen sind überwiegend mit dem heutigen System. Mit einigen Ausnahmen: Ja, es ist manchmal eng. Nicht alle Zeitgenossen sind angenehm, es ist manchmal eng und es schaukelt manchmal. Aber kann man darüber nicht hinweg sehen? Immerhin haben wir ja „Flüsterbusse“ und bald auch mehr Elektrische?

Kiel bus
(c) Arne List, Lizenz CC-BY-SA

Kann man das System nicht noch optimieren? Mit Sicherheit! Unabhängig von der Systemwahl: Busse wird es auch in den nächsten Jahrzehnten geben und diese werden immer wichtig bleiben, nicht nur bis zur Einführung eines neuen Systems. und das „Sternsystem“ der KVG erscheint doch sehr konservativ und in die Jahre gekommen. Gerade an Wochenenden und zu später Stunde erhöht sich die Fahrzeit oft auf viele Stunden, weil alle Busse gleichzeitig in eine Richtung fahren. das System ist für das Umsteigen optimiert, nicht für das schnelle Vorankommen in der Stadt. Und man hat da soweit ich es beobachtet habe die letzten 40 Jahre nichts Grundlegendes geändert.  Eine Stadtbahn wird den Druck zur Erneuerung auch nicht wegnehmen. Im Gegenteil.

Aber die Stadtvertreterinnen haben jetzt für die Stadtbahn gestimmt?

Leider Nein. Sie haben zwar nicht ausdrücklich gegen eine Stadtbahn gestimmt. Es gibt aber bis heute noch nicht mal eine Festlegung auf ein System, geschweige denn ein Datum für den Baubeginn oder einen fertigen Entwurf für zukünftige Trassen. Zuletzt wurden ein 371(!) Seiten starkes Gutachten veröffentlicht. Dort wird insbesondere als Alternative noch ein BRT-System („Bus Rapid Transit„) gehandelt und soll auch für ein Konzept, das frühestens 2020 vorgelegt werden soll als Alternative weiter behandelt werden.

Ab dem 7. September werden sich Kielerinnen auf der Kiellinie unter dem Motto „Kiel bewegt sich – Mobilitätswende jetzt!“ an Infoständen auch darüber informieren können, was als Nächstes folgt.

Die Debatte in Kiel ist schon etwas absurd: Fragt man bei den Befürworterinnen, so versichern die einem meistens, dass die Stadtbahn so gut wie beschlossen ist. Eben weil das BRT-System unterlegen sei. Die Gegnerinnen betonen hingegen, dass ja alles offen sei. Jeder legt es sich eben so zurecht, wie es ihm/ihr gefällt.

Bereits vor Jahren wurde über die StadtRegionalbahn (SRB) gestritten. Und die war eigentlich auch über Jahre schon eine feste Größe und Straßen wurden so gebaut, dass sie ihr Kommen bereits schon antizipierten. Aber dann kamen zwei große Knalle: 1.) Der Ausstieg des Kreises Rendsburg-Eckernförde aus dem Projekt und dann 2.) Das Canceln des Gesamtprojektes durch OB Kämpfer. Fragt man die Befürworter so sagen sie einem klar, dass die SRB mit dem Umland „eigentlich“ nach wie vor besser wäre, aber politisch nicht durchzukommen gewesen wäre. Auch dafür gab es bereits einige Gutachten. Dann hat man sich tatsächlich auf die SRB Light oder auch „Stadtbahn“ geeinigt, die relativ viel teurer sein wird als die SRB, da sie zwar auch teuer wird, aber weit weniger leistungsfähig.

Nun will man kein Risiko mehr eingehen und fährt nur noch Schrittgeschwindigkeit. Man will ALLE mitnehmen und setzt auf Konsens.

Dabei fehlte es bereits immer an Tempo und Entschlossenheit. Und das war schon immer der Grund, warum Kiel als einzige Landeshauptstadt kein schienengebundenes ÖPNV-System aufweist. selbst GRÜNE und SPD haben das Projekt zwar am Leben erhalten, aber nie wirklich mit Überzeugung gepusht.

Stadtbahn gegen Stickoxide und CO²?

Oft wird die Stadtbahn auch als wirksames Mittel gegen das aktuelle Stickoxid-Problem (v.a. in der Innenstadt /Ziegelteich) auch von der Stadt als Lösung der Zukunft angepriesen, oder zur Reduzierung der Treibhausgase und zur Erreichung von Klimazielen. Die Sache hat vor allem den Haken, dass man die Stadtbahn nicht bereits vor Jahren auf die Schiene gebracht hat!

Bei der Wankelmütigkeit und Unentschlossenheit der Kieler Politik, ist eine Tram keine feste Größe. Und bei dem aktuellen Tempo kommt die Stadtbahn leider zu spät, um beim Klima und Stickoxiden dieses und nächstes Jahr eine Erleichterung zu bringen. Kiel kommt nicht daran vorbei die gesamte Busflotte vorher für viel Geld zu 100% elektrisch auszustatten. Aber selbst dann wird diese Großinvestition keine Verbesserung des Angebots bringen. Gäbe es 2020 bereits eine Stadtbahn, hätte man sich die Elektrifizierung zum großen Teil sparen können. Nun ist es aber dafür zu spät. Die Verzögerung wird sehr viel Geld kosten. Und die Debatte in Kiel ist kaum voran gekommen. Noch immer wird bei Adam und Eva begonnen und das Zögern verunsichert auch die Bürger*innen und vermittelt den Eindruck, als müsse man noch darüber nachdenken, was der richtige Weg sei. Oder auch: Man weiß nicht wovon man redet und die Tram ist nur etwas, dass man als politischen Ballon aus dem Hut zaubert. Dahinter steht keine Überzeugung oder verkehrspolitischer Plan, sondern ist in der präsentierten Form eher Zeugnis einer Planlosigkeit. Es fehlt auch an manch anderer Stelle an wegweisenden Entscheidungen in der Kieler Verkehrspolitik.

Seit dem 1. September droht eine erneute Klage der DUH gegen Schleswig-Holstein und den Luftreinhalteplan. Und damit die gerichtliche Anordnung von Fahrverboten. Kämpfer hat NICHTS gemacht, um die Stickoxide wirksam zurückzuschrauben. Beweis dafür sind die aktuellen Werte. Es gibt nach wie vor Überschreitungen am Theodor-Heuß-Ring, Bahnhofstraße, Ziegelteich, evt. auch Alte Lübecker.

Wie gehts weiter?

2020 soll es dann erst ein Konzept vorgestellt werden, dass eine Trassenplanung für Tram und BRT enthält. Dieses wird dann der Ratsversammlung vorgestellt und erst dann wird sie vielleicht entscheiden, ob die Tram gebaut wird. Und erst danach wird es eine konkrete Planung und Ausschreibung geben. Und die Vergabe des Bauauftrages wird auch wieder Zeit kosten.

Aber 2023 sind schon wieder Kommunalwahlen. Eine Entscheidung vor 2023 erscheint eher unwahrscheinlich. Denn nach den Konzept wird die Debatte wieder von vorne anfangen. Und bei neuen Mehrheitsverhältnissen kann die Stadtbahn erneut gestoppt werden. Daher plädiere ich auch sehr deutlich dafür in weiteren Planungen in Kiel nicht immer auf die Stadtbahn zu warten. Die Verkehrswende muss sofort anfangen und 2030 lange abgeschlossen sein und nicht erst dann begonnen!

Ich sehe nur dann eine Hoffnung für eine Tram, wenn mehr Geld und eine ganz andere Geschwindigkeit vorhanden ist. Bisher fehlt die Entschlossenheit die für eine Umsetzung nötig wäre.

Written by tlow

2. September 2019 at 08:27

Veröffentlicht in Stadtentwicklung, Umwelt, Verkehr

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Eine #Seilbahn in Kiel?

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Seilbahn-Grenoble.JPG
Von Jörg Sancho Pernas – Eigenes Werk, CC BY 3.0, Link

Seit einiger Zeit wird die Idee einer Seilbahn immer wieder als Alternative zu einer Stadtbahn ins Spiel gebracht. Zeit für einen vergleich der Systeme. Das derzeitige Bussystem ist an einer Kapazitätsgrenze. sicher braucht es auch eine professionelle und moderne Überarbeitung der Linie und Fahrpläne nach neusten Gesichtspunkten. Dennoch stößt man an Grenzen mit Bussystemen. Ein neues System muss also besser sein als das reine Bussystem:

  • Bus-Kapazität maximum ca. 4.000 Fahrgäste pro Richtung pro Stunde (ein Niederflur-Gelenkbus hat 49 Sitz- und 126 Stehplätze: 126 – gesamt: 175 Fahrgäste)
  • Stadtbahn-Kapazität maximum ca. 40.000 Fahrgäste pro Richtung pro Stunde
  • Seilbahn-Kapazität maximum ca. 4.000 Fahrgäste pro Richtung pro Stunde

Hier ein Artikel, der vor allem die Vorteile hervorhebt. Dort steht unter anderem:

Die geringere Transportkapazität einer Seilbahn wird durch geringere Investitionskosten und Betriebskosten wettgemacht. 

Aber die oben genannten Zahlen belegen bereits, dass eine Seilbahn was die Kapazität angeht keine Alternative zu einer Stadtbahn werden kann.

Ich würde da gerne als Alternativgedanken ins Spiel bringen, ob Seilbahnen nicht eher als Alternative für die Fördefähren dienen können. Vorteil: Seilbahnen brauchen keinen Diesel. Elektroantriebe sind bei Schiffen auch möglich, aber noch nicht so leistungsfähig und marktreif.

Ein neues Schiff kostet alleine 3,9 Millionen Euro. Die neuen Schiffe werden mit GtL betrieben, die besonders viel Methan und ist besonders (klimaschädlich) Die Stadt Kiel feiert sich dafür als Klimahelden:

 „Das ist ein weiterer Mosaikstein für Kiel auf dem Weg zur Luftreinhaltung und mehr Klimaschutz“, so Kämpfer.

Dabei ist die Kapazität einer Seilbahn-Linie deutlich höher als die eines Fährschiffs. Zudem haben Fährschiffe eine Saison, die von Mitte Mai bis Anfang September geht. Danach ist bisher der Verkehr eingeschränkt.

Mein Vorschlag wäre also die Idee Seilbahn eher als Ergänzung durchzurechnen. Gerade für Strecken wie Laboe-Strande wäre es sicher eine attraktive und schnelle Alternative (ca. 5 Minuten Fahrzeit statt 15 Minuten)

Ansonsten sollte man das aber derzeit nicht als Alternative zu einer Stadtbahn diskutieren, denn das kann sie nicht sein. Genau so wenig wie manch‘ andere Konzepte.

Written by tlow

20. Juni 2019 at 15:38

Veröffentlicht in Stadtentwicklung, Umwelt, Verkehr

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Wieviel #Auto brauchen wir? #KielAutofrei

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Wilhelmplatz. Viel Platz um Nichts!?

Um 40 % will die Stadt Kiel den Autoverkehr im Stadtgebiet bis 2035 senken (Masterplan Mobilität 3 Prognosen und Potenziale). Bisher steigt er allerdings noch. Und noch will die Stadt Autostraßen ausbauen, wie auch den Anschluss der A21 via Südspange Gaarden. Und anderswo wird dann auch davon gesprochen, dass man sich auf wachsenden Verkehr einstellen müsse.

In einem Tweet-Thread hatte ich vor einigen Tagen bezüglich des Theodor-Heuß-Ringes den Vergleich gewagt:

Auf dem THR also hätten wir potentiell eine Verfehlung des Zieles statt nur noch 57.042 auf 164.471 an einem Tag!. Man würde damit das Ziel um 288% verfehlen! Von heute aus betrachtet (2019) müssten wir eine knappe Halbierung des Zieles erreichen bis 2035.

Und am THR hängt viel an Kiels innerstädtischen Verkehr. D.h., dass Maßnahmen hier besonders viel Effekt hätten zum stadtweiten Reduktion von Luftschadstoffen und Lärm. Und es wäre nicht zu erwarten, dass von den 100% der heutigen Verkehrs sich einfach eine andere Bahn wählt. Viel Verkehr würde ohne den THR überhaupt nicht existieren. Der THR überlaubt erst bestimmte kleine Einkäufe in einer angemessenen Zeit zu erledigen. So leitet er u.a. auch Einkaufsverkehre aus Kiel schnell nach Schwentinental.

Für die Zukunft überlegen Planer*innen weltweit, wie viel Autos wir überhaupt brauchen. So gehen einige davon aus, dass die Fahrzeugflotte nur 1/3 betragen könnte, ohne das wir etwas davon merken würden.

Andere gehen auch davon aus, dass durch Autonomes Fahren und Carsharing die Autobesitzquote drastisch zurück geht. Vermutlich weniger Autos, aber auch wirklich weniger Fahrten? Leider steigt der Verkehr in Städten mit Uber&Co leider drastisch zu Lasten des ÖPNV. Weil dann das Autofahren billiger und gleichzeitig komfortabler wird. Eigentlich ein Rückschritt.

Wir werden uns aber auf das Autonome Fahren einstellen müssen. Bei der Firma Tesla ist man wohl 2020 schon so weit es freizuschalten. Da sind viele skeptisch, ob das dann wirklich so schnell geht und ob das wirklich so eine gute Idee ist. Ich sehe darin eine große Chance: Die Städte brauchen jetzt neue Regeln und müssen ihren ÖPNV fit machen für diese Herausforderung die kommen wird. Autonome Busse und Stadtbahnen und Schiffe werden wohl zeitgleich möglich sein. Im Kleinen gibt es die sogar bereits. Damit könnten Zubringer-Dienste angeboten werden, die bis heute noch als zu teuer gelten. Insbesondere auf dem Lande.

Für Kiel sehe ich die Chance in den kommenden Jahren angefangen sofort und dieses Jahr bis 2025 an den großen Verbindungsstraßen anzufangen die Kapazitäten einzuschränken. Fußgängerwege verbreitern, Parkplätze abbauen und damit unsere Städte lebenswerter machen. Hier könnten mehrere Entwicklungen die heute schon absehbar sind unterstützt werden und ineinander greifen.

Kiel muss ab sofort wirksam verhindern, dass noch mehr Autos in Kiel zugelassen werden und hinein fahren. Und es braucht eine Trendumkehr. Kiel sollte damit anfangen zu versuchen, die Ziele, die es sich bereits gesetzt hat, tatsächlich zu erreichen oder darüber hinaus gehen. Dies wird aber nur mit großen und radikaleren Schritten gehen.Jedes Jahr treffen Menschen die Entscheidung: Mache ich einen Führerschein oder kaufe ich mir ein neues Auto? Es muss noch dieses Jahr vielen klar werden, dass das eigene Auto unattraktiver wird. Wir brauchen ab sofort mehr als nur kostenpflichtige Parkplätze, sondern viel mehr bis nächstes Jahr einen Plan für den jährlichen Abbau davon. also z.B. jedes Jahr einen bestimmten Prozentsatz oder fixe Anzahl. D.h. ab sofort braucht es auch einen Stop für neue Parkhäuser!

Written by tlow

16. Juni 2019 at 22:34

Forderungen des Kieler #Mobilitätsrat #KielAutofrei

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Seit einiger Zeit gibt es wohl den „Mobilitätsrat Kiel“:

Der Mobilitätsrat Kiel ist ein Bündnis aus Initiativen und Verbänden, die in Kiel für die Mobilitätswende und eine lebenswerte Stadt eintreten. Mobilität in Kiel und dem Umland muss nachhaltig, klimaneutral und sozial gerecht werden, um damit den notwendigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Bei Maßnahmen im Bereich Mobilität müssen immer Mensch und Umwelt im Vordergrund stehen.

Quelle: ADFC-SH

Die Forderungen unterscheiden sich etwas von der Bürgerinitiative Klimanotstand. Heute wurden einige per Pressemitteilung verbreitet:

Die fünf Forderungen des Mobilitätsrates für 2019

  • Zur Erhöhung des Radverkehrs bedarf es sicherer Infrastruktur, auf der alle Menschen gerne fahren wollen und können. Auf vierspurigen Straßen sollen schnellstmöglich gesicherte Radfahrstreifen (Protected Bike Lanes) durch das Aufstellen von Warnbaken und Pollern auf jeweils einer Fahrbahn pro Richtung eingerichtet werden.
  • Klimaschutz im Verkehrsbereich bedeutet, das Auto stehen zu lassen. Deshalb fordert der Mobilitätsrat die Landeshauptstadt Kiel auf, mindestens einen Sonntag im Monat autofrei zu machen. Die Kiellinie als beliebtes Ausfugsziel soll dauerhaft autofrei werden.
  • Durch kostenlose (öffentliche) Parkplätze wird die klimaschädliche Mobilität mit dem Auto gefördert. Deshalb müssen Parkgebühren im gesamten Stadtgebiet in angemessener Höhe erhoben werden. Darüber hinaus sind in allen Stadtteilen (wettergeschützte) Abstellanlagen für Fahrräder zu schaffen.- Wer auf den ÖPNV umsteigen möchte, findet in Kiel insbesondere in den Abendstunden und am Wochenende ein lückenhaftes ÖPNV-Angebot vor. Daher bedarf es eines deutlichen Ausbaus des ÖPNV-Angebotes sowohl werktags als auch insbesondere in den Abendstunden und an Wochenenden. Für die Fördeschifffahrt bedarf es einer vorzeitigen Beschaffung der ohnehin geplanten neuen Fördefähren. Hinsichtlich der Tarife erwarten wir von der Landeshauptstadt Kiel, dass künftig für alle größeren Veranstaltungen Kombi-Tickets angeboten werden.
  • Viel zu häufig werden Fuß- und Radwege in Kiel zugeparkt. Darunter leiden besonders mobilitätseingeschränkte Personen, Eltern mit Kinderwägen und Radfahrer*innen. Wer sich klimafreundlich zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewegt, darf nicht behindert oder gefährdet werden. Die Verwaltung, besonders der Kommunale Ordnungsdienst, muss falsch parkende PKW auf Fuß- und Radwegen konsequent abschleppen und umsetzen

Als Kritik dazu sehe ich hier falsche Prioritäten:

  1. Es gibt keine Forderungen zum Schutz vor Überschreitungen bei den Stickoxiden und damit dem wichtigsten Verkehrsthema in Kiel
  2. Als eine Hauptforderung einen Autofreien Sonntag in Kiel ist zwar ganz nett, sollte aber keine Priorität darstellen
  3. Es fehlt eine Vorstellung zur Anbindung der A21
  4. keine Erwähnung der Stadtbahn?
  5. Die Forderungen sind nicht wirklich griffig und zu detailreich (ähnlich wie bei der BI Klimanotstand)

Insbesondere der Theodor-Heuß-Ring ist für Kiel derzeit aus meiner Sicht der transformierende Konfliktpunkt schlechthin in Kiel, zu dem Verkehrs- und Umweltverbände Alternativlösungen vorschlagen müssen. Ansonsten entsteht der Eindruck, dass tatsächlich die Vorschläge von Stadt und Land alternativlos sind. Hier besteht zudem der dringenste Handlungsbedarf. In den kommenden Wochen werden aber wohl viele Verbände ihre Vorschläge beim Land zur Stellungnahme einreichen.

Kiel hat viele Defizite. Manche sind schnell zu beseitigen, einige brauchen länger.Eine Unterscheidung zwischen Lang- und Kurzfrist-Zielen ist wichtig. Z.B.: was soll 2019 noch passieren, was 2020, was bis 2025?

Zum Beispiel einigte sich das Fahrradforum in Kiel darauf statt erst 2035 bereits 2025 einen Radverkehrsanteil von 25 Prozent (derzeit 19%) zu haben. Warum nicht das fordern, oder darüber hinaus gehen? Ehrgeizige Ziele würden bedeuten, dass man effektive Maßnahmen für jedes Jahr haben müsste. Also in diesem Fall die nächsten sechs Jahre sechs Prozent oder mehr? Würde bedeuten 2020 mindestens einen Prozent mehr Radverkehr. Das ist nicht zu ambitioniert, aber es wäre eine selbst gewählte Mindestanforderungen. Kiel hatte bereits 2008 ein mal 21 Prozent Radverkehrsanteil. Wenn Kiel das wieder erreicht, so hat man in den letzten 11 Jahren leider keinen Zugewinn. Erst bei 22 Prozent fängt es wieder an einen Gewinn darzustellen.

Kiel baut heute noch viele Straßen optimiert für Autos. Es gibt immer noch Kreuzungen und Straßen, wie am Kleinen Kuhberg in der Innenstadt, bei dem der Übergang für Fußgänger verboten ist. Wie kann so etwas sein im Jahr 2019?

Written by tlow

15. Juni 2019 at 18:47

Vorschläge der Bürgerinitiative #Klimanotstand

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Ich habe mir die Vorschläge ein mal anlässlich des KN-Artikels genauer angeschaut und bin nicht begeistert. Und leider ist das Thema Klima und Klimanotstand zu wichtig dazu zu schweigen. Es gibt durchaus viele Punkte, denen man zustimmen kann. ich konzentriere mich hier auf die m.E. schwerwiegenden Fehler:

1. Vorschlag der Einrichtung eines Dezernats für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz

Was bei so etwas herauskommt hat man mit dem von Albig geründet Wirtschaftsdezernat gesehen. Gaschke löste es 2012 wieder auf. Dezernate sollte man nicht ständig neu gründen und wieder auflösen. Und es ist auch nicht so, dass das Ressort dann immer besser läuft. Es ist sowieso vieles verzahnt. Bei dem Entwurf der BI z.B. fehlt das Themengebiet Verkehr, Stadtentwicklung und Bauen. Dann sind wir aber schon wieder bei dem bisherigen Dezernat II, das Stadtentwicklung Bauen und Umwelt umfasst. Vielleicht wäre es da sinnvoller einen unabhängigen Beauftragten für den Klimanotstand einzusetzen, der schnell anfangen könnte und bestimmte Aufgaben und Kompetenzen erhält? Denn das Umweltschutzamt tut bislang tatsächlich nicht immer alles, was möglich wäre.

2. Vorschlag eines Mischkonzepts aus Seil- und Stadtbahn

Woher jetzt plötzlich die Idee eine so zentrale Bedeutung bekommen soll ist mir vollkommen schleierhaft und wird in dem Maßnahmenpaket auch nicht weiter erläutert. Wenn es einen Klimaeffekt geben soll müssen wir hier aber davon ausgehen, dass es keine kleine Strecke sein soll, sondern, dass es eine Seilbahn geben sollen, die massenverkehrstauglich sein soll. Kiel soll also GLEICHZEITIG eine leistungsfähiges Stadtbahnsystem und Seilbahnsystem (die miteinander nicht kompatibel sind) einführen? Dazu empfehle ich diesen Artikel bei Zukunft Mobilität. Mir fehlt dazu aber eine sehr konkrete Lösungsvorschlag. Grundsätzlich fällt mir dazu ein:

  • Die Anbindung von Holtenau über den Nord-Ostseekanal – da wird es wohl keine Stadtbahn geben.
  • Eine schnelle Querung der Förde. Die Linienführung müsste aber wohlüberlegt sein, damit sie möglichst oft genutzt wird

Wichtig finde ich, dass man beide Verkehrsmittel unabhängig voneinander denkt. Denn es ist sehr wichtig, dass die Stadtbahn-Entscheidung bald kommt. Bisher werden da nur Papiere vorbereitet, die auf eine Entscheidung hinführen sollen. Dabei plant man eigentlich schon seit Jahrzehnten die Einführung. Die Seilbahn erscheint mir da momentan eher als Ablenkung und Verzögerung.

3. Vorschlag für mehr Shared Spaces und verkehrsberuhigte Bereiche

Die Forderung nach Shared Spaces ist unvereinbar mit dem Zurückdrängen des Autos. Es bedeutet, dass Autos, Fußgänger*innen und Radfahrer*innen gleichberechtigt sind. Um den Radverkehr aber zu beschleunigen braucht dieser vor allem eigene Wege und keine Unsicherheit wegen eventuellen Kollisionen mit anderen Verkehrsarten. Da die Maßnahmen auch Protected Bikelanes fordern gibt es hier zudem einen Widerspruch. Und Fußgänger sollten auch ihre Bereiche haben, die nicht von Autos gestört werden. Shared Spaces kollidieren mit der Forderung einer Autofreien Innenstadt. Und Verkehrsberuhigte Bereiche haben nicht funktioniert. Also z.b. Spielstraßen u.ä. haben nicht zu weniger Verkehr geführt und das Auto auch nicht zurückdrängen können.

Fazit

Insgesamt erscheinen mir zu kleinteilig zu sein. Und dann die Zahlen doch nicht genau durchgerechnet, wenn z.B. am Anfang drei mal eine Änderung um 6% gefordert wird. Dann gibt es wiederum große Lücken. Z.B. kein Wort zu Kreuzfahrtschiffen. Zu unausgegoren und zufällig. Aber das hilft uns so nicht weiter, weil es dafür, dass es dann sehr ins Detail geht zu wenig fundiert ist.

Written by tlow

11. Juni 2019 at 11:51

#HeinSchönberg Politik im Panikmode?

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Eine Kostensteigerung beim Bau der Strecke für Hein Schönberg von 35 auf 50 Millionen € (rund 43%). Nun ziehen einige in der Politik das Gesamtprojekt trotz Baubeginns und Fortschritte in Frage.

Zum Vergleich: Alleine 2015 verteuerte sich nur die Anbindung der A21 um mal eben 15 Millionen Euro. Niemand aus der Politik zog damals die A21 als Ganzes in Frage, Obwohl es für den Autoverkehr zahlreiche Alternativen gibt. Und obgleich die A21 auch ökologisch weit umstrittener ist.

Die alleinige Reaktivierung von Hein Schönberg (ohne Stadtregionalbahn und weitere Anbindung) war natürlich teurer. Das ist in erster Linie Schuld der Kieler CDU, aber auch von Teilen der GRÜNEN im Kieler Umland, die das Projekt gestoppt haben. Jede Mini-Lösung ist meistens teurer als ein Gesamtpaket. Auch insbesondere weil dann eine Weiterfahrt nicht möglich ist und im Effekt weniger Fahrgäste die Strecke nutzen werden.

Aber das sind wir ja in Kiel gewohnt: Während man ständig für das Auto mit beiden, vollen Händen das Geld zum Fenster raus wirft, beginnt man bei Bahn und Bus das Erbsen zählen. Es war immerhin erfreulich, dass das Projekt nach so langer Planungs- und Vorbereitungsphase begonnen wurde.

Der Theodor-Heuß-Ring macht deutlich, dass bei Thema Stickoxide und Luftschadstoffe dringend etwas passieren muss. Denn alle Menschen, die statt mit dem ÖPNV nach Kiel fahren statt mit dem Auto, verringern auch dort die Abgase. Insofern betrifft das Thema Anbindung vom Schönberger Strand auch andere Teile Kiels. Denn es geht auch darum: Wie gut kann man sich in Kiel ohne Auto bewegen?

Kiel möchte Klimaschutzstadt sein und hat dazu auch einen Masterplan vorgelegt. Hein Schönberg ist dabei eines der Projekte, die einen Aufschlag für eine Verkehrswende bilden könnte. Nachdem die Umsetzung der Stadtregionalbahn verhindert wurde ist bisher auch nicht in Sicht, dass es einen Baubeginn einer Stadtbahn geben würde. Aber CO2 muss dringend eingespart werden.

Insbesondere da der Hein Schönberg sich ja bereits mitten in der Umsetzung befindet. Der Bau wurde ja bereits begonnen, gehe ich nicht davon aus, dass man die Reißleine ziehen wird. Auch weil die Politik gar keine ökologisch und ökonomisch sinnvollen Alternativen hat. Im Gegenteil: Es darf nicht bei einem einzigen Leuchtturmprojekt bleiben. Und es sollte hinterher auch für niemanden eine schlechtere ÖPNV-Anbindung in der Region geben,

Aber für CDU und FDP gibt es keinen Automatismus wie bei einem Autobahnausbau. Als eher autofreundliche Parteien legen sie hier nicht die gleiche Toleranz an den Start wie bei Autobahnausbauprojekten.

Written by tlow

12. März 2019 at 05:04

#Stadtbahn: Chance verpasst

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Einer der größten Fehler der Vergangenheit bei der Stadtregionalbahn war, dass konkrete Schritte zur Umsetzung nicht passierten. Leider hat die Ratsversammlung die falschen leeren aus der Vergangenheit gezogen und man meint, dass man  nicht langsam genug vorangegangen wäre und nicht alle Bürger mitgenommen hätte im Prozess der Umsetzung.

Nun hat man am 15.11. beschlossen lediglich ein Konzept bis 2020 zu erstellen, anstatt die konkrete Umsetzung. Damit ist eigentlich GAR NICHTS in die richtige Richtung beschlossen worden. Nicht ein mal ein Konzept steht nach einer derart langen Zeit zwischen Beerdigung der SRB und dem Neustart.

Damals war der Fehler u.a., dass das Konzept von der Zustimmung aller Kreise abhängte. Und man war nicht flexibel genug bei dem Ausstieg von Rendsburg-Eckernförde 2014 sofort eine Konzeptänderung umzusetzen. Seitdem sind weitere vier Jahre ins Land gegangen inklusive einer neuen Kommunalwahl. Bereits vor genau acht Monaten wurde der OB bereits beauftragt  „eine Einführung der Stadtbahn vorzubereiten“.

Im Vergleich dazu hat man bei der Stadtbahn Regensburg von einem ersten Gutachten lediglich acht Monate bis zu einem konkreten Beschluss gebraucht.

Damit hätte er auch bereits dann ein Konzept erstellen lassen können. Das Symptom ist aber abermals, dass der politische Wille zur Umsetzung nicht wirklich vorhanden ist. Zudem wird die unzulässige Verbindung zu Dieselfahrverboten gezogen. Bei Letzterem geht es um Sofortmaßńahmen. Sollte die Stadtbahn wirklich erst in 10 Jahren kommen (und beim Kieler Tempo glaube ich nicht daran!) wäre das viel zu spät um Fahrverbote zu verhindern. Bei Fahrverboten geht es um 2019. Alles was in dem Jahr nicht Wirkung zeigt, wird keinen Einfluss haben. Und es zeigt noch ein mal die fraktionsübergreifenden Inkompetenz.

Eine Verurteilung der Stadt Kiel wegen Untätigkeit ist bereits heute unausweichlich. Die Pläne für den neuen Luftreinhalteplan enthalten wieder keine ausreichenden Maßnahmen, um sofort eine Verbesserung der Luftsituation am Theodor Heuß Ring zu bewirken. Man wird mit Sicherheit auch gegen das absehbare Urteil gegen Kiel Berufung einlegen und auch wieder verlieren. Denn bisher hat die DUH in jeder Instanz und in jeder Instanz gewonnen. Da wird wieder auf Zeit gespielt zu Lasten der Gesundheit der Bevölkerung. Und zu Lasten des Kieler Haushalts.

Written by tlow

16. November 2018 at 05:56

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