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#Stadtbahn: Chance verpasst

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Einer der größten Fehler der Vergangenheit bei der Stadtregionalbahn war, dass konkrete Schritte zur Umsetzung nicht passierten. Leider hat die Ratsversammlung die falschen leeren aus der Vergangenheit gezogen und man meint, dass man  nicht langsam genug vorangegangen wäre und nicht alle Bürger mitgenommen hätte im Prozess der Umsetzung.

Nun hat man am 15.11. beschlossen lediglich ein Konzept bis 2020 zu erstellen, anstatt die konkrete Umsetzung. Damit ist eigentlich GAR NICHTS in die richtige Richtung beschlossen worden. Nicht ein mal ein Konzept steht nach einer derart langen Zeit zwischen Beerdigung der SRB und dem Neustart.

Damals war der Fehler u.a., dass das Konzept von der Zustimmung aller Kreise abhängte. Und man war nicht flexibel genug bei dem Ausstieg von Rendsburg-Eckernförde 2014 sofort eine Konzeptänderung umzusetzen. Seitdem sind weitere vier Jahre ins Land gegangen inklusive einer neuen Kommunalwahl. Bereits vor genau acht Monaten wurde der OB bereits beauftragt  „eine Einführung der Stadtbahn vorzubereiten“.

Im Vergleich dazu hat man bei der Stadtbahn Regensburg von einem ersten Gutachten lediglich acht Monate bis zu einem konkreten Beschluss gebraucht.

Damit hätte er auch bereits dann ein Konzept erstellen lassen können. Das Symptom ist aber abermals, dass der politische Wille zur Umsetzung nicht wirklich vorhanden ist. Zudem wird die unzulässige Verbindung zu Dieselfahrverboten gezogen. Bei Letzterem geht es um Sofortmaßńahmen. Sollte die Stadtbahn wirklich erst in 10 Jahren kommen (und beim Kieler Tempo glaube ich nicht daran!) wäre das viel zu spät um Fahrverbote zu verhindern. Bei Fahrverboten geht es um 2019. Alles was in dem Jahr nicht Wirkung zeigt, wird keinen Einfluss haben. Und es zeigt noch ein mal die fraktionsübergreifenden Inkompetenz.

Eine Verurteilung der Stadt Kiel wegen Untätigkeit ist bereits heute unausweichlich. Die Pläne für den neuen Luftreinhalteplan enthalten wieder keine ausreichenden Maßnahmen, um sofort eine Verbesserung der Luftsituation am Theodor Heuß Ring zu bewirken. Man wird mit Sicherheit auch gegen das absehbare Urteil gegen Kiel Berufung einlegen und auch wieder verlieren. Denn bisher hat die DUH in jeder Instanz und in jeder Instanz gewonnen. Da wird wieder auf Zeit gespielt zu Lasten der Gesundheit der Bevölkerung. Und zu Lasten des Kieler Haushalts.

Written by tlow

16. November 2018 at 05:56

#Verkehrswende in Kiel – #kwkiel

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Kiel bewegt zur Zeit das Thema Luftschadstoffe. In der Kieler Nachrichten(KN) hat man die letzten dankenswerter Weise endlich auch mal die Betroffenen zu Wort kommen lassen. Ich erinnere mich noch daran, dass vor vielen Jahren einer der Oberbürgermeister (Gansel?) zur Verkehrssituation und Luft am Theodor-Heuß-Ring in der KN sagte, dass er gar nicht nachvollziehen könne, was das Problem sei. Gestank? Viel Verkehr? Wo?

Sowohl das Blog „Kiel aktuell“ als auch „Bielenbergkoppel“ haben vom kleinen Kieler Dieselgipfel berichtet. Kurz zusammengefasst: Es gibt ein gewisses Problembewusstsein vermischt mit Unsicher- und Ratlosigkeit in Kiel.
Smart Fortwo Falschparker
Die Verkehrsentwicklung in den Städten ist insbesondere seit den 50er Jahren das Ziel einer autogerechten Stadt gewesen. Guter Verkehr wurde mit „Autoverkehr“ gleichgesetzt. Und die Straße sollte dem Auto gehören. Das sieht man heute auch in fast jeder Stadt, jedem Stadtteil und in jeder Straße: Sowohl der Ruhende Verkehr (parkende Autos), als auch der fließende Verkehr dominieren unsere Straßen. Der Parkplatzsuchverkehr macht oft alleine 40% des fließenden Verkehrs aus. Und ein Auto steht durchschnittlich zu 95 % der Zeit.

Bis 2020 soll der Autoverkehr nach Prognosen (Quelle: acatech PDF) um weitere 20 Prozent steigen. Der LKW-Verkehr um 34 %. Auch der Fahrzeugbestand soll steigen, wenn sich nichts dramatisch ändert.

Eine entscheidende Frage ist, wie man denn auf den steigenden Autoverkehr reagiert. Die letzten Jahrzehnte war klar:

  • Wir bauen mehr Straßen, um den steigenden Verkehr abzutransportieren/aufzufangen
  • Wir bauen mehr Parkplätze und Parkhäuser.
  • Wir bauen weitere Fahrspuren, um mehr Verkehr aufzunehmen.

Was sagt denn die Wissenschaft? Denn Stadtplanung nach Bauchgefühl sollte nicht ein Ansatzpunkt für Politik sein.  Mittlerweile findet man dazu auch Artikel im Handelsblatt. Kernerkenntnis: „Eine Verdoppelung der Straßen verdoppelt den Verkehr.“

Da kann man sich auf den Kopf stellen, auch wenn man noch so gerne Auto fährt. Oder vielleicht auch: Wenn man meint: Eine wachsende Wirtschaft brauche auch immer ein wachsenden Straßennetz. Das ist eine entscheidende Frage: Was machen wir mit dem steigenden Auto- und LKW-Verkehr?

Wenn wir die Erkenntnis annehmen, dass uns ein Ausbau der Autostraßen nicht retten wird, müssen wir uns die Frage stellen, welche anderen Möglichkeiten wir dann haben?

Und hier kann man ja weitere Probleme des Straßenverkehrs sehen: Flächenverbrauch, Verletzte, Unfalltote, CO2, Luftschadstoffe, … . Eine Abkehr von dem motorisierten Verkehr hätte viele Vorteile. Es fehlt dann bisher noch an den Alternativen, auch in Kiel.

Der Busverkehr mit der Kieler Verkehrsgesellschaft(KVG) ist am Limit. Oft bleiben Fahrgäste an den Bushaltestellen stehen, weil die Busse überfüllt sind. Vor allem die Gegenwehr von CDU und FDP hat bisher in Kiel und Umgebung verhindert, dass es hier nicht schon seit Jahrzehnten ein modernes, schienenbasiertes Nahverkehrsystem gibt.

Es fehlt natürlich auch an Impulsen von der Bundes- oder Landesebene. Man tut ein wenig hier oder da, aber die Klage der DUH gegen die Luftschadstoffe in Kiel ist Ergebnis dessen, dass Kiel selbst auch seit Jahrzehnten zu wenig getan hat. Im Grunde wollte keiner der im Rat vertretenen Parteien eine große Verkehrswende, wenngleich es in der SPD größere Sympathien für eine Stadtregionalbahn gab und etwas mehr Begeisterung bei den GRÜNEN. Letztlich entschieden sich die GRÜNEN aber lieber das Thema Flughafen Holtenau zum Hauptthema zu machen (mit dem zusammen mit der LINKEN gestarteten Bürgerbegehren), als eine neu Stadtbahn oder einer echten Verkehrswende.

Man darf gespannt sein auf die Kommunalwahlprogramme für 2018. Man sagt zwar, Papier sei geduldig, aber dennoch haben die Parteien die Chance, den Bürgern ihre Schwerpunkte für die kommenden Jahre zu nennen. An dem Thema Verkehr und die verschiedenen Entwürfe kommt keine Partei vorbei.

Nach meiner Einschätzung würde eine große Verkehrswende, die auf allen Ebenen der Politik passieren könnte, viele Freiräume schaffen. Nicht zuletzt könnten weniger Straßen auch mehr Platz für Wohnraum in Städten bedeuten und damit in einen anderen Problembereich hineinreichen. Sogar neue Gewerbeflächen könnten entstehen, genau so wie Raum für Naherholung.

Noch aber wird auf allen Ebenen gebremst. Der OB wird immer damit zitiert, dass er gegen Fahrverbote ist. Das alleine ist aber zu wenig. Denn das werden einfach die Gerichte entscheiden. Sie Verwaltung und Selbstverwaltung haben zahlreiche Stellschräubchen abseits von Fahrverboten, die sie ausprobieren könnten. Aber man weigert sich z.B. bisher überhaupt das Thema flächendeckender „Tempo 30“ überhaupt zu diskutieren (Es gibt da Probleme mit der StVO, die man aber in Berlin zum Teil schon gelöst hat) .

Das Bundesland Steiermark (Österreich) macht dagegen klar:

Tempolimits kosten so gut wie nichts, sind schnell umzusetzen und sofort wirksam. Andere Maßnahmen, wie etwa Fahrverbote für ältere LKW, der Ausbau des öffentlichen Verkehrs oder der Radinfrastruktur dauern länger und kosten mehr. Diese Maßnahmen sind zweifellos sinnvoll und werden auch umgesetzt. Sie sind aber nur argumentierbar, wenn zuerst die einfachsten und kostengünstigsten verwirklicht werden.“

Da ist man in Deutschland vielerorts aber doch sehr verbohrt. Wie auch in Kiel. Wissenschaftliche Erkenntnisse und internationale Erfahrungen interessieren nicht. Man macht das, was man auch die letzten Jahrzehnte gemacht hat. Man redet viel über Verkehrswende, aber man will entscheidende Schritte nicht einleiten. Dabei ist auch klar: Natürlich kann Kiel nicht alles alleine stemmen. Aber es gibt etliche Maßnahmen, die schnell umgesetzt werden können. Mehr Experimentierfreude wäre auch hilfreich. Alle finden zwar, das Kopenhagen ein tolles Vorbild ist. Aber irgend wie scheint es eher dazu zu dienen, dass man sagt: „So viel wie Kopenhagen können wir eh NIE machen!“ Und damit ist es dann auch abgehakt. Man klopft sich ab und zu auf die Schulter und ist sich einig, dass man ALLES getan hat, was man tun konnte. Besser geht nicht. Die Klage der DUH hat da vor allem das Selbstbild in Kiel erheblich gestört.

Noch ein Detail was interessant ist: Weniger Fahrspuren und mehr Platz für Fahrrad und Fußgänger bedeutet übrigens nicht, dass die Leistung von Straßen abnimmt. Im Gegenteil. Viele Staus entstehen durch Fahrstreifenwechsel. Je mehr Fahrstreifen daher auch mehr Stauungen.

cihyaiv

Ursachen von Staus

Daher gilt auch, dass zusätzliche Fahrradspuren („protected bike lanes“) eher Staus verhindern und den Durchsatz an Autos erhöhen. Klingt verrückt dachte ich auch zuerst, ist aber so. Lest mal: Cycle lanes don’t cause traffic jams: they’re part of the solution (The Guardian). D.h. im Grunde könnten alle profitieren, wenn man nur weniger nach Bauchgefühl geht („mehr Platz für Autos= alles fließt besser“), sondern nachprüft auf Basis dessen, was man bereits weiß. Und Kiel ist nicht so anders als andere Städte!

Insofern wünsche ich mir mehr Mut in der Verkehrsplanung in Kiel. Nicht weil es riskant wäre, sondern weil man Vorurteile überwinden muss. Und ggf. das eigene Klientel verwirrt.

Written by tlow

12. Februar 2018 at 12:33

Fahrt mit #HeinSchönberg und Museumsbahn Schönberger Strand an der Kieler Woche 2015 #kiwo

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Diesen Sonntag habe ichs dann doch mal geschafft während der Kieler Woche mal mit dem Hein Schönberg zu fahren. (s.a. Pro Bahn Probstei Initiative auf Facebook)

Streckenverlauf
Kiel-Schoeneberger“ von I, Begw. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Seit einigen Jahren kann man ja vom Kieler Hauptbahnhof einige male am Tag direkt nach Schönberg fahren und von dort aus mit der Museumsbahn zum Schönberger Strand. Mittlerweile ist die Reaktivierung der Linie auch ein offizielles Projekt, das 2016 zur Wiederinbetriebnahme führen soll. Ich empfehle zum Einstieg das FAQ bei nah.sh.

Vielleicht ist es hauptsächlich der Museumsbahn Schönberger Strand VVM zu verdanken, die in Schönberger Strand ein Eisenbahnmuseum betreibt, dass das Thema der Eisenbahnanbindung der Probstei nie so ganz als Idee verschwunden ist?

Nach dem Aus für die Stadt-Regionalbahn stellt sich die Planung für Schienenverkehr in der Landeshauptstadt aus meiner Sicht als Trümmerfeld dar, auch wenn hinter den Kulissen neu geplant wird ist fraglich, ob alter Wein in neuen Schläuchen sich noch ein mal verkaufen lässt.

Momentan werden Schienen und Gleisbett und Bahnübergänge an vielen Punkten erneuert, damit auf der Strecke auch schneller gefahren werden kann. Im Vergleich zu der heutigen Busanbindung sollen sich die Fahrzeiten nach Schönberg halbieren. Allerdings hat das Projekt auch Gegner auf den Plan gerufen, die sich in der BI „Bürger für den Bus gegen die Bahn“ zusammengeschlossen haben. Allerdings scheint was die Website angeht seit 2013 nicht viel Aktivität gewesen zu sein. Aber immerhin findet sich in Probsteierhagen, wo es am Samstag einen unnvorhergesehenen Umstieg gab sehr prägnant ein Plakat an der Strecke zu sehen:

Bahn frei für den Bus

Plakat „Bahn frei für den Bus!“

Ich muss sagen, ob habe so meine Probleme, wenn zwei Träger des ÖPNV gegeneinander in Stellung gebracht werden sollen. Die BI rechnet da mit Gewinn und Verlust pro Linie. Aber man kann m.E. öffentlichen Verkehr so kaum rechnen, sondern er muss immer in der Gesamtheit betrachtet werden. Die damalige Bundesbahn hat einige Zeit lang sehr viele kleine Bahnhofe geschlossen. Diese wurden dann teilweise entweder von Museumsbahnen oder der privaten Konkurrenz wieder genutzt, zum Teil auch sehr erfolgreich. Und so weit ich informiert bin gibt es diese Art der Politik der massenhaften Stillegung bei der DB nicht mehr in dieser Form. Ein Argument für kleine Strecken ist z.B., dass man nicht immer nur auf die großen ICE-Verbindungen schielen darf. Denn je weniger die Leute Zubringer-Verbindungen haben (z.B. von Schönberg nach Kiel), desto eher werden sie einen anderen Verkehrsträger wählen und am Ende auch nicht den ICE benutzen. Sprich: Es ist für die Bahn insgesamt wichtig, dass die Fläche erschlossen wird..

Heute waren es auf der ersten Fahrt des Tages etwa 50-60 Fahrgäste, die sich auf den teilweise etwas holprigen Weg von Kiel nach Schönberg Strand über Schönberg (bzw. Probsteierhagen) machten:

In der Museumsbahn von Probsteierhagen nach Schönberg Strand

In der Museumsbahn von Probsteierhagen nach Schönberg Strand

„Bahnhof“ Probsteierhagen

Umstieg in die Museumsbahn in Probsteierhagen

Umstieg in die Museumsbahn in Probsteierhagen

Und viel mehr konnten es dann für die Größe der Waggons auch nicht sein. Angeblich hätte Probsteierhagen nicht viel vom Verkehr außer Kosten, sagen die Gegner. Aber ehrlich gesagt: Wer eiert schon gerne mal eben nach Probsteierhagen mit einem Bus? Heute mit dem Bus wohl etwas über 30 Minuten. Zeitmäßig geht das ja noch, aber sollte sich die Verbindung auch etwas halbieren und man dann einfach vom Hauptbahnhof bequem nach Probsteierhagen kommen, so wird das doch als Ausflugsziel oder Wohnort schon sehr viel attraktiver. So wie bei mir heute: Die einfach Erreichbarkeit über die Strecke erweckt ja überhaupt erst den Gedanken solche Ort zu besuchen oder wahrzunehmen. Mal ganz davon abgesehen, was es für Schönberg und Schönberger Strand bedeuten würde.

Es wäre aber tatsächlich wünschenswert, wenn viele kleine Orte, die nicht an der Strecke liegen nicht zu viele Nachteile hätten. Aber nehme wir mal „Prasdorf“ als Beispiel. Dort geht man laut Google Maps ca. 1/2 Stunde zu fuß nach Probsteierhagen oder Passade. Bisher ist Prasdorf mit dem Bus in etwas über 40 Minuten zu erreichen.  Wenn sich die Fahrzeit nach Kiel auf 20 Minuten verkürzen würde, wäre man insgesamt also 50 Minuten unterwegs und damit 10 Minuten länger. Allerdings wenn man z.B. ein Fahrrad nutzt, um nach Probsteierhagen zu kommen, wäre die Fahrzeit auch von Prasdorf aus mit 28 Minuten (20+8 Minuten Rad) kürzer als heute. Ganz davon abgesehen, dass es dann mit dem Zug eine Fahrradmitnahmemöglichkeit gibt, die heutzutage sicher eher selten nutzbar ist. D.h. man wäre dann auch in Kiel mobil.

Sicher: Nicht jeder kann Fahrrad fahren – aber vielleicht gibt es dann auch mal neue Sammelbusse oder ähnliche Systeme für die Region. Nicht zu verachten auch für Menschen, die von dem dortigen Umlandgemeinden noch weiter als bis Kiel wollen vereinfachen sich im Bahnhof die Umsteigezeiten. Nicht zu Vergessen der derzeitige Hinweis, dass in Bussen die Mitnahme von Elektromobilen ausgeschlossen ist. Das sollte mit Zügen eher handhabbar sein, habe ich im Hbf Kiel auch schon selbst gesehen.

Hein Schönberg

Zum Abschluß noch mal ein Info-Video der Museumsbahn:

Leider kommt man normalerweise ja nicht mit der Bahn bis Schönberg. Da muss man dann schon viel Zeit einplanen. Aber für Bahnfans lohnt sich das sicher immer. Ich war heute nur kurz da, werde aber auch sicher bei Gelegenheit mehr Zeit in dem Museum verbringen. Die nehmen auch Spenden „in beliebiger Höhe“ entgegen. 😉

VVM

VVM Schönberger Strand

Written by tlow

29. Juni 2015 at 00:48

Billiger ist nicht immer Billiger #SRBKiel

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Bei dem Applaus der Gegner zum Aus für die Stadtregionalbahn und der Befürwortung kleiner Lösungen wird so einiges übersehen:

  1. Zum einen hätte Kiel niemals die gesamte Summe bezahlen müssen. Es geistert für Kiel ja immer die Zal von 380 Millionen herum. Tatsächlich hätten alle Kreise und Kiel zusammen sich einen Anteil von 60 Mio Euro teilen müssen. um Vergleich: Alleine die Planungen zum Science Center kosteten damals 5 Mio. Der nie umgesetzte Bau hätte 25 Mio. gekostet. Also reden wir für Kiel vielleicht von 40 Mio. Euro für ein ganz neues Verskehrsnetz?
  2. Die Förderung, die in Aussicht gestellt wurde, galt nur für das überregionale Konzept. Selbst wenn die Gesamtkosten des Projektes nun günstiger werden, ist zu erwarten, dass für weniger Leistungsfähigkeit auch weniger Förderung zur Verfügung steht.
  3. Wichtiger als die Gesamtkosten wäre also ein Verhältnis zwischen Kosten und Leistungsfähigkeit. Und auch dann die tatsächlichen Kosten für Kiel. Angenommen eine Stadtbahn kostet lediglich 1/3 der Bausumme, als dann 127 Mio € und das Land übernähme rd. 40% der Bausumme, dann würde das die Stadt Kiel z.B. 76 Mo kosten für eine kleine Lösjng statt 40 Mio. € für eine große Lösung.

Manch einer im SSW träumt ja schon bereits wieder von einer Anbindung von Schilksee:

Das sind die gleiche Stimmen, die die Nutzung bereits früher genutzter Trassen der Straßenbahn in der Holtenauer Straße abgelehnt hatten. Eine neue Trasse nach Schilksee ist allerdings sehr viel aufwendiger. Zum einen bedeutet die Absage an die SRB ja gerade ein Zurückwerfen der Planung auf einen kleineren Rahmen (ohne Anbindung der Kreise). Es wird wohl wenig Sinn machen extra den Nord-Ostsee-Kanal zu queren, nur damit man Schilksee anbindet, aber ohne weitere Konzepte für angrenzende Kreise zu berücksichtigen. Es würde dazu sicher eines Neubaus der Holtenauer Hochbrücke bedürfen, denn den Wege der neuen Levensauer Hochbrücke (ab 2021) wären nach Schiksee zu lang. Bisher ist m.W. aber keine neue Holtenauer Hochbrücke mit Schiene geplant. Jegliche Überlegungen von heute aus Schilksee anzubinden sind daher einerseits verfrüht und stehen zum anderen den Konzepten einer „SRB Light“ vollkommen entgegen. Billiger wird eine Stadtbahn nicht dadurch, dass man eine Brück neu baut.

Unter dem Strich also erscheint es aus heutiger Perspektive unverantwortbar eine kleine Lösung für Kiel zu bauen, weil diese für Kiel noch weniger bezahlbar wäre und insbesondere weit weniger positive verkehrliche und wirtschaftliche Effekte hätte.

Insofern sollte man jegliche neuen Überlegungen zu kleinen Lösungen ablehnen, weil das der Haushalt der Stadt Kiel nicht hergibt. Wie hier Politiker, die sich eigentlich mit Finanzierungen auskennen sollten, argumentiert wird, ist abenteuerlich.

Davon abgesehen hat sich in der letzten Jahren bereits gezeigt, dass weder in Kiel noch im Umland die Kritiker der SRB in der Lage gewesen konkrete Ideen, geschweige denn Konzepte vorzulegen, deren Umsetzbarkeit man prüfen könnte. Leider erscheint auch Kämpfers Presseerklärung als nicht sehr durchdacht. Es spielt lediglich den Kritikern der SRB in die Hände, ohne das bereits Alternativen vorliegen. Dies lässt Zweifel an der grundsätzlichen Bereitschaft und Fähigkeit zu, Schienenprojekte entschlossen anzugehen. Wenn man dagegen sieht, wie überflüssige Projekte wie das Zentralbad oder die Olympiade breit unterstützt wurden, sieht man wie „Strohfeuer-Politik“ immer mehr zur Maßgabe wird. Projekte, die tatsächlich nachhaltig wären sind offenbar kaum in Kiel umsetzbar. Man will zwar die Olympiade, meint aber das mit einem eh überlasteten Busverkehr bewältigen zu können, wo Fahrgäste jeden Tag immer wieder an Bushaltestellen nicht mehr mitgenommen werden können.

Ich kann ob dieser Kurzsichtigkeit immer nur den Kopf schütteln. Auf mich wirkt die die Kieler Kommunalpoltik einfach nur kopf- und planlos. Man rennt irgendwelchen Fördertöpfen hinterher – reißt immer noch gerne Bauten ab, die noch einen gewissen Wert haben und die Stadt verschuldet sich weiter bei Neubauprojekten.

Man ist zwar bemüht den Eindruck zu vermitteln, dass das Ganze durchdacht wäre und irgendwelchen Rahmenplänen eine bestimmte Entwicklung nahelegen. Aber unter dem Strich ist da wenig Konkretes.

Written by tlow

14. Mai 2015 at 12:29

Landeshauptstädte und schienengebundener Verkehr #SRBKiel #Straßenbahn

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Anlässlich der heute vollmundigen und peinlichen Absage des OB an die Stadtregionalbahn hier alle Landeshauptstädte Deutschlands und ihre vorhandenen oder nichtvorhandenen Schienensysteme. Landeshauptstädte mit schienengebundenem ÖPNV sind grün gekennzeichnet und die ohne mit rot :

(dabei nur nach Straßenbahn gesucht und nur wenn es die nicht gab nach existierenden Alternativen)

Zugegeben: In Wiesbaden sind auch Pläne für eine Stadtbahn gescheitert. Allerdings wird sie dennoch von der S-Bahn Reinh-Main bedient.

In der Absage des OB wird versucht das nicht als Scheitern des Schienenverkehrs in Kiel darzustellen, aber letztlich ist es das dann: Eine Absage an eine moderne Stadt, die ihren letzten Platz bei dem schienengebundenen Verkehr in Konkurrenz zu anderen Landeshauptstädten erfolgreich verteidigt. Zwar will Kiel irgendwie modern sein, aber dann doch lieber nur mit Bussen. Trotz des Festhaltens von GRÜNEN und SPD an den Plänen der SRB kann man ihnen zu Recht auch mehr als nur Halbherzigkeit vorwerfen. Ohne ein gewisses Tempo kommt jedes Projekt zum Erliegen. Wo man bei einem Strohfeuer-Projekt wie der Olympiade Feuer und Flamme ist und mal so eben 780.000 € zum Fenster hinaus wirft, so hat man stattdessen bei der Stadtregionalbahn darauf gesetzt das Projekt über Jahrzehnte bei kleiner Flamme langsam gar zu kochen. Insofern ist natürlich der Todesstoß von Kämpfer zwar irgendwie der Todesstoß für das Projekt, aber es war nicht der Anfang vom Ende.

Was ist nun aber mit dem immer wieder angekündigten Bürgerentscheid zur Stadtregionalbahn? Gilt das Angebot nur, um ein Projekt zu stoppen? Viele Fans der SRB waren ja nicht dafür einen Bürgerentscheid durchzuführen, weil sie befürchteten, dass die Bürger die Komplexität der Verkehrsplanung nicht durchschauen würden. Aber nun da das Kind in den Brunnen gefallen ist, sollten die Befürworter meines Erachtens eben auf diesen Entscheid beharren, der ja von vielen Fraktionen aus anderen Motivationen gefordert wurde. Let’s do this!

Written by tlow

12. Mai 2015 at 16:52

Veröffentlicht in Verkehr

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Bürgerentscheid zur #SRBKiel?

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Heute in der Ratsversammlung wurde ein kreisübergreifender Bürgerentscheid zur Stadtregionalbahn angesprochen? Durch die Ablehnung des Kreistages Rendsburg-Eckernförde gewinnt die Möglichkeit eines Bürgerentscheides einen ganz anderen Einschlag. Bisher haben die Gegner der SRB einen Bürgerentscheid zu verhindern. Nun könnten die Befürworter einen Entscheid herbeiführen, um  Rendsburg-Eckernförde zu erzwingen. Der gleiche Bürgerentscheid, aber mit anderen Vorzeichen.

Written by tlow

22. Januar 2015 at 20:26

#SRBKiel: Manche Politiker können nicht rechnen

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Das, was vor kurzem noch als „SRB Light“ präsentiert wurde, war nicht wirklich billiger, sondern aus lange Sicht teurer. Weniger Fahrgäste und weniger koordinierter Streckenausbau bedeuetet natürlich weniger Einnahmen und mehr Bauarbeiten in der Zukunft. Bei den Preissteigerungen konnte man sich ausreichnen, dass die billigere Stadtregionalbahn zwar anfangs billiger aussieht, aber am Ende teurer ist. Aber whatever – es war das, was die Befürworter für besser verkaufbar hielten und zum Teil ging die Rechnung ja auch auf. Zeitungen berichten ja dann auch, dass weniger immer gleich weniger ist.

Nun hat zwar Kiel und der Kreis Plön JA gesagt zum Projekt, aber Rendsburg-Eckernförde: NEIN. Fehlende Stimmen aus den Reihen der GRÜNEN waren die Ursache.

Mit dem Titel „Die Stadtregionalbahn ist mausetot – jetzt muss es Alternativen geben“ schreibt die FDP-Landtagsfraktion triumphierend:

Die Landesregierung muss jetzt endlich aufhören, die Stadtregional-
bahn mit einzelnen Bahnreaktivierungsprojekten im Kieler Umland
durch die Hintertür einführen zu wollen und dafür die maroden Stra-
ßen im ländlichen Raum sträflich zu vernachlässigen.

Da wird jetzt wieder viel von Alternativen geredet, die es angeblich gibt. Eine der Alternativen für einen schnellen, schienengebundenen Verkehr ist z.B. für die FDP offenbar, Schlaglöcher auf dem platten Land auszubessern. Mal ganz davon abgesehen, dass diese Fördermittel nicht mal eben en passant umgeschaufelt werden können: Wie komme ich im Kieler Umland schneller von A nach B, wenn es in Husumm weniger Schlaglöcher gibt?

Es ist doch einfach so, dass es hier um eine konkrete Maßnahme für einen städtischen Raum, ein städtisches Umland gegangen wäre. Pressemitteilungen wie die der FDP zeigen das Niveau der Diskussion. Leider viel zu partei- und wenig sachorientiert wird hier argumentiert.

Und wenn wir wieder bei Alternativen sind, so kann man gerne nach Hamburg schauen und wie da das Thema Busbeschleunigung diskutiert wird. Für Kiel uns Umland gibt es bisher keine einzige Alternative zur SRB, die vorgestellt worden wäre. D.h. es gibt eigentlich für den Öffentlichen Verkehr dann keine Zukunft. Wer häufiger in Kiel Bus fährt weiß: Es macht oft keinen Spaß mehr und jedes Jahr wird es schlimmer. Aber die Region kann ruhig weiter schlafen. Vielleicht ist es ja auch ganz gut, wenn mehr Leute wegziehen, insbesondere aus dem Umland in Städte, wo man auch ohne Auto unterwegs sein kann. Gut für die Mieten. Bei sinkender Einwohnerzahl braucht man dann ja auch gar nicht mehr so viele Arbeitsplätze und Wohnraum. Ostdeutschland macht uns das ja bereits erfolgreich vor.

Written by tlow

16. Dezember 2014 at 21:09

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