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Vergleich: KVG vs StattAuto vs Bahn

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Hier noch mal zwei Beispiele für Fahrten mit und ohne StattAuto Kiel von zwei Personen  aus der Realität:logo_stattauto

  1. Eine Fahrt mit dem KVG-Bus kostet in der Kernzone 2,40 €, bzw. 2,12 € (Mehrfahrtenkarte). Wenn man zu zweit unterwegs ist, fährt man ja von A nach B und wieder zurück von B nach A. Preislich kostet das dann also 9,60 € , bzw. 8,46 €. Bei einer Fahrt von zwei Stunden und bei 13 Kilometer (Hin- und Zurück) bei StattAuto 6,99 €. (2,61 bzw. 1,47 € gespart!)
  2. Eine Fahrt mit der Bahn nach Eckernförde kostet (Kleingruppenkarte) 27,50 €. Die gleiche Fahrt bei 68 Kilometern insgesamt und drei Stunden kostet bei StattAuto 21,64 €. (5,86 € gespart!)

Berechnet wurde das ganze mit dem Kostenrechner von StattAuto. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass der aktuelle Kilometerpreis sogar einen Cent billiger ist, als im Kostenrechner.

Interessant hierbei finde ich immer wieder, dass ja an sich Bus und Bahn so oder so die Strecken fahren. Das heißt ich als einzelner Fahrgast koste ja nichts. Im Gegensatz zu StattAuto, wo es einen realen Mehrverbrauch gibt. Wie kann es da sein, dass dennoch eine Fahrt günstiger ist? Noch anders sieht es dann ja auch, wenn man mit mehr als zwei Personen fährt. Zudem kann man die Zeitkosten bei StattAuto auch durch weitere Anteile senken. Bei einem Anteil der Standard ist, senkt sie sich bereits um 5 Prozent.

Bei der Fahrt nach Eckernförde gibt es allerdings auch die Möglichkeit mit dem Bus zu fahren. Das kostet dann lediglich 17,20 €. Die Fahrzeit beträgt dann allerdings auch 50 Minuten statt 26 Minuten. Das habe ich hier also unberücksichtigt gelassen.

Man sieht daran, dass manche Fahrt, die bei StattAuto als Einzelfahrt recht teuer erscheint auf einmal günstiger wird, wenn man nur eine weitere Person dabei hat.

Written by tlow

3. Juni 2013 at 09:54

StattAuto #Kiel

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Auto teilen? Macht das Sinn? Angeregt durch die Einführung einer neuen StattAuto-Station in Gaarden, habe ich in meine Gaardener Blog eine Fahrt mit StattAuto beschrieben. Auch bei BioGaarden habe ich als Kollektivmitglied einen Artikel geschrieben.logo_stattauto

Ich will das auch hier bei KielKontrovers nutzen. Motiviert dadurch, dass der Standort Gaarden noch nicht gesichert ist. Ich bin bei meiner eigenen Nutzung in dem Zwiespalt, dass ich einerseits gerne StattAuto nutze und auch den Standort erhalten möchte – und gleichzeitig froh oder auch stolz bin, so oft es geht auf ein Auto verzichten zu können.  Das ist ja gerade auch der Vorteil von Carsharing: Das man Kosten spart, wenn man nicht fährt. Dennoch werde ich in Zukunft auch erst mal mehr leihen, als ich vielleicht brauche, um einen besseren Start zu geben.

"WHEN YOU RIDE ALONE YOU RIDE WITH HITLER...

„WHEN YOU RIDE ALONE YOU RIDE WITH HITLER“. „JOIN A CAR-SHARING CLUB TODAY“. – NARA – 516143 (Photo credit: Wikipedia) – Naja ein wenig übertrieben aber schönes Fundstück…

Ich möchte hier auf bestimmte Aspekte eingehen, die für StattAuto auch wichtig sind, aber oft nicht verstanden werden. Zunächst auch hier noch mal ein kleiner Absatz wie StattAuto funktioniert:

Die Idee ist grundsätztlich das Besitzen eines eigenen Autos zugunsten des Teilens aufzugeben. Gesellschaftlich liegt der Vorteil darin, dass ein Auto die meiste Zeit nicht genutzt wird und derweil einen Parkplatz besetzt. Ein geteiltes Auto ersetzt im Schnitt 7 Autos und reduziert damit den Platz für Parkplätze. Dann ist es so, dass Leute mit StattAuto generell weniger fahren als Menschen mit eigenem Auto. Das reduziert also den Stadtverkehr. Nicht zuletzt hat jedes StattAuto einen zugewiesenen Standplatz und  es entfällt auch ein Großteil des Parkplatzsuchverkehrs.

Ein wenig beachteter Aspekt von geteilten Autos ist die Tatsache, dass man sich um nichts technisches kümmern muss: Also kein TÜV, keine Abgassonderuntersuchung, gerade einmal tanken, wenn der Tank nur noch 1/4 voll ist. Kein Ölwechsel, keine Reparaturen, keine KFZ-Steuer. Das ist eine ganze Menge Arbeit und Sorgen, die einem da abgenommen wird. Dazu kommt, dass Reparaturen eine Menge Geld kosten können. Ein kleiner Blechschaden bereits mal 500 € . Schnell kann man auch mehr los sein. Und wenn die letzte Reparatur gemacht ist, ist das keine Garantie, dass nicht eine Woche später wieder etwas ansteht. Bei StattAuto wird das ganze Kondensiert auf einen monatlichen Fixbetrag. Es gibt eine gewisse Selbstbeteiligung bei Schäden, den man aber mit knapp 50 € pro Jahr minimieren kann auf ein Minimum von 350 € begrenzen kann.

Generell gilt als günstigste Lösung:

  • 8 € pro Monat
  • ab 2 € pro Stunde (bzw. 1 € pro ½ Stunde)
  • z.Zt. 22 Ct. pro Kilometer
  • Einmalig: 100 € Aufnahmegebühr und mindestens 500 € Genossenschaftsanteil.

Man kann auch weniger zahlen bei dem Zeitpreis durch Mitgliedschaft in der Genossenschaft.

Darüber hinaus finde ich interessant, dass StattAuto es ermöglicht, dass

  • Menschen mit wenig Geld, sich ein Auto leisten können. Man steuert selbst, wie viel es einem im Monat kostet
  • Auf der anderen Seite kann StattAuto auch ein kostengünstiges Zweitauto sein. Z.B. für den Fall, dass bei einem Paar einer berufstätig ist und der zweite Partner dennoch nicht ganz ohne Auto und Mobilität tagsüber sein will.
  • Möglich natürlich auch als WG StattAuto zu teilen. Weitere Personen zahlen statt 100 € nur 50 € Aufnahmegebühr

Insgesamt denke ich, dass sich StattAuto für viel mehr Leute lohnt, als es genutzt wird. Oft ist ein eigenes Auto ein echter Luxus. Der aber nicht als solcher wahrgenommen wird.

Psychologisch gibt es da diese Hemmschwellen:

  • Ein geteiltes Auto gehört mir nicht. Wer es gewohnt ist, immer alles im Auto liegen zu lassen, müsste sich umstellen. Denn man räumt immer alles raus und solls ungefähr so zurückgeben, wie man es geliehen hat.
  • Bei StattAuto kann man gut abschätzen, was einem eine Fahrt kosten wird. Und das wird meist teurer sein als eine einzelne Fahrt. Beim eigenen Auto denken Leute nicht mehr darüber nach, was eine Fahrt kostet. Und sie denken deshalb, dass das eigen Auto dennoch immer billiger ist, als verkehrliche Alternativen.

Allgemein ists natürlich so, dass es in unserer Gesellschaft eher so ist, dass man Dinge besitzt und ungerne leiht. Eigentum, etwas das uns gehört und niemand anderem. Aber eine andere Wirtschaft oder Gesellschaft funktioniert nur, wenn man sich davon löst. Daher ist für mich StattAuto ein Modell einer Wirtschaft, die nicht auf Konsum von Gütern basiert. Was fehlt ist noch, dass jeder diese Ressource nutzen kann. Der Eintritt ist die entscheidende Hürde.

Was ich mir für Kiel noch wünsche ist die Möglichkeit, Monatskarte der KVG und StattAuto zu kombinieren. Das ist schade, dass es doch immer nicht gibt. Denn die Kombi aus ÖPNV und Carsharing scheint eine ideale Ergänzung zu sein.

„Werben“ tue ich hier für StattAuto nur, weil es im grunde unkommerziell ist und eine aus meiner Sicht uneingeschränkt förderungswerte Idee.

Written by tlow

10. Mai 2013 at 21:32

Der feine Unterschied zwischen West und Ost

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In der heutigen Ausgabe der Kieler Nachrichten kann man wieder einmal Gründe dafür finden, warum es so unterschiedlich in den Stadtteilen läuft und warum das Bild so schräg ist. Es gab zwei Ortsbeiratssitzungen in Gaarden und in Ravensberg. Bei beiden ging es u.a. auch um Parkplätze für StattAuto. Es war sogar der gleiche Referent. Aber während es in Gaarden um die Premiere von StattAuto ging (wobei sich herausstellte, das Gaardens Ortsbeirat nicht wie die anderen Ortsbeiräte über einen eigenen Beamer verfügt, deren PR-Mittel werden immer für Weihnachtsfeste, etc. ausgegeben und daher der Vortrag nicht so bunt wie geplant war), ging es im Ravensberg lediglich um zwei weitere Stellplätze ging.

Die (historische) Premiere von StattAuto auf dem Ostufer wurde im KN-Artikel zum OBR Gaarden jedoch gänzlich unterschlagen, während es im Artikel zum OBR Ravensberg großen Raum einnimmt. Die Gaardener Sitzung war zwar recht prominent auf der ersten Seite von „Kiel lokal“, bestach aber mehr durch Werbung für ein geplantes Senioren-Wohnprojekt der Diakonie.

Nach meiner Beobachtung ist es meistens so, dass man über Gaarden entweder über Sozialprojekte berichtet – also darüber, was Gaarden kostet – und über die Probleme. Aber das positive Entwicklungen totgeschwiegen werden. Umgekehrt auf dem Westufer: Auch dort gibt es z.B. viele Ecken, an denen Leute Alkohol trinken oder sich Drogenabhängige treffen. Diese werden aber wiederum auf dem Westufer totgeschwiegen und hingegen über positives berichtet (wie jetzt gerade wieder ein weiterer Standort von StattAuto). Ähnlich ist es auch bei der Kriminalität. ich persönlich kenne mehr Geschichten über zwei Ecken von Leuten, die auf dem Westufer überfallen wurden, als vom Ostufer. Die letzte Geschichte aus Gaarden, die mir zu Ohren kam ist jetzt ca. 5 Jahre her, wohingegen ich alle zwei Monate neues vom Westufer höre.

So stricken auch die Medien an einem Bild von Gaarden, das nur selten der Wahrheit entspricht. Selten aber kann man es so deutlich am gleichen Tag sehen, wie unterschiedlich die gleichen Nachrichten betrachtet werden. Die Medien bedienen damit etablierte Vorurteile. Für die Stadtregierung und SPD ist Gaarden auch lediglich das bekannte „Fass ohne Boden“. Sie wollen zwar auf der einen Seite gerne eine bessere Durchmischung. Allerdings sieht man ja, was passiert – die 37jährge Midyatli war auch einige Jahre Mitglied im Ortsbeirat Gaarden und nutzte die Karrierechance als Abgeordnete für den Wahlkreis Eckernförde für die SPD bei der letzten Landtagswahl aufgestellt zu werden, verbunden mit einem Wegzug aus Gaarden. Immerhin haben die SPD-Ratsherren Schmalz und Schulz nach wie vor ihren Wohnsitz in Gaarden.

Bevölkerung wird da eher als Verschiebemasse betrachtet. Gaarden hat aber Nachholbedarf in Sachen Infrastruktur. Hier die Karte von StattAuto:

Übersichtskarte Stationen

Übersichtskarte Stationen StattAuto

 

Ähnliche Ergebnisse bekommt man bei Suchanfragen via Google Maps mit einem beliebigen Suchbegriff und Kiel, wie bei „Museum Kiel“ oder „Bioladen Kiel„. Die Ergebnisse bedeuten, dass die Lebensqualität in vielerlei Hinsicht eingeschränkt ist. Längere Wege für Einkäufe. Wer Bus fährt und Kurzstreckenkarten nutzt weiß auch, dass man z.B. mit der 11 nur vom Karlstal 4 Stationen weit bis maximal Karlstal kommt (bei Luftlinie von rd. 1 Kilometer). Ab Bahnhof aber kommt man Richtung Norden gut 1 ½ mal so weit bis zum Dreiecksplatz mit einer Kurzstreckenkarte. Das liegt schlicht an der Hörn, die selbst kurze Wege verlängert, besonders für Busse und Autos. Wer in Gaarden wohnt, muss daher also rund 40 Prozent mehr ausgeben für innenstadtnahe Ziele, während man auf dem Westufer nicht nur oftmals viele Orte zu Fuß erreicht, sondern eben oft auch mal eben mit einer Kurzstreckenkarte. Hier wird Gaarden als Stadtteil von der KVG effektiv benachteiligt. Dort wo die Leute weniger Geld haben müssen sie tiefer in die Tasche greifen. Rechnet man das auf eine ganze Familie hoch, also beispielsweise 2 Erwachsene und 1 Kind zwischen 6 und 14 Jahren so wird eine Busfahrt hin und zurück z.B. zum Dreiecksplatz 12,60 € kosten, während man von der Innenstadt entweder kostenfrei oder für 9,70 € (also rund 30 % günstiger). Wobei gerade bei Familien mit geringen Einkommen jede Fahrt zum Luxus wird. Hier existiert seit Jahren eigentlich dringender Nachholbedarf, da das System Kurzstrecke nur einer Seite Kiels Vorteile bringt.

StattAuto hingegen bietet besonders denen, die selten fahren eine günstige Alternative. Denn so ein Auto kostet ja alleine mit Steuer und Versicherung oft bei rd. 100 € (Quelle). Mal ganz davon abgesehen, dass man sich den Kauf eines Autos erst einmal leisten können muss, zudem von einem, dass nicht zu viel Benzin schluckt. Bisher wird StattAuto aber wohl eher von Besserverdienenden genutzt, nicht zuletzt eben, weil es in Stadtteilen wie Gaarden bis dato  keinen Standort gab. Das soll sich im April 2013 ändern.

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