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Schreibt Autoindustrie die Gutachten für Kiel? #VWGutachten #PTVGroup #kwkiel

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Man würde meinen, dass mittlerweile eine hohe Sensibilität beim Thema Verkehr, Luftschadstoffe und Autoindustrie vorherrscht. Wie sich aber herausstellt, ließ sich die Stadt Kiel darauf ein, dass VW eine Studie für die Erstellung des Luftreinhalteplans finanziert und auch noch den Gutachter (PTV Group, Teil von Porsche Automobil Holding SE) aussuchen durfte. Der Oberbürgermeister Kämpfer wusste angeblich nichts über die Besitzverhältnisse. Ein einziger Aufruf von Wikipedia hätte dazu allerdings genügt. Aber auch ohne die Verbindung zu VW sieht man, dass die PTV Group eine Agenda für mehr Verkehr besitzt. Dazu reicht schon ein Blick auf die Pressemitteilung. Zitat:

Vincent Kobesen, CEO der PTV, freut sich, dass die Übernahme der PTV AG durch die Porsche SE jetzt abgeschlossen ist. „Wir haben damit die Eigentümer-Struktur klar geregelt und auf die Zukunft ausgerichtet. Unseren Anspruch und Marktanteil als führender Softwareanbieter zur Planung und Optimierung von Verkehr und Transportlogistik werden wir damit auf der ganzen Welt weiter ausbauen.“

Aus Sicht manches Stadtplaners mag das Ganze neutral klingen. Aber Hier wird ganz deutlich, dass es hier keinen Fokus auf eine lebenswerte Stadt mit menschlichem Maß geht. Mit diesem Ansatz würden Fahrverbote, Tempolimits und jede andere Einschränkung lediglich als Rückschritt des Ziels einer autogerechten Stadt betrachtet.

GRÜNE und CDU haben bereits das Verfahren kritisiert. Allerdings schlägt die CDU wieder ein mal als Lösung das Absaugen und Filtern der Abgase vor. Sowohl abgasreduzierende Asphalte, wie auch Emissionsschutzwände stellen wie auch Ventilatoren und Filter keine Lösungen dar, die sich in der Praxis bewährt hätten. Ich bezeichne solche Methoden als scheinwissenschaftlichen Voodoo. Im Labor werden Wirkungen zwar teilweise nachgewiesen. Aber dieser technologische Ansatz hat nur das Ziel jegliche grundsätzliche Änderung der Verkehrspolitik zu verhindern. Weder bei Parkplätzen noch bei fließenden Verkehr kann man sich Einschränkungen auch nur vorstellen: Natürlich soll alles genau so bleiben, wie es ist. Das mache ich aus der Haltung des OBs, der immer betont, dass er Fahrverbote grundsätzlich ablehnt und sie um jeden Preis verhindern will.

Das ist aber eben nicht genug und es gibt eine Vielzahl an Alternativen und guten Beispiel weltweit.

  • Zürich z.B. macht seit 30 Jahren eine andere Verkehrspolitik
  • Viele Städte haben inzwischen gute Erfahrung mit einer City-Maut. Abgasinitnsive Autos zahlen bei der Einfahrt mehr. Wie Stockholm oder Oslo oder London
  • Graz hatte gute Erfahrungen mit der Reduktion von Schadstoffen mit Tempo 30 stadtweit gemacht. Leider wurde die Regelung 2017 durch ein Gericht kassiert.
  • Paris hat gute Erfahrung damit gemacht wichtige Tangenten am Seine-Ufer für Fußgänger umzuwandeln
  • natürlich auch Kopenhagen

Es geht nicht darum alles aus einer Stadt zu kopieren. Aber die sehr unterschiedlichen Städte auf der ganzen Welt zeigen: Es ist Vieles möglich! In Kiel fehlt es nur vollkommen an dem Mut, irgend etwas auszuprobieren. Einschränkungen für Fußgänger und Radfahrer sind zwar an der Tagesordnung, aber für Autofahrer nahezu undenkbar, abgesehen von älteren Maßnahmen wie Einbahnstraßenregelungen.

Aber das es z.B. immer noch keinen durchgängigen Radweg gibt zwischen dem Ostufer über den Bahnhof, Sophienblatt bis über die Holstenbrücke bis zur Bergstraße ist eigentlich seit Jahrzehnten ein unhaltbarer Zustand. Auch der Anschluss zu Ringstraße oder zum Exerzierplatz fehlt völlig.

Stattdessen hat man aber z.B. mit dem Olof-Palme-Damm eine Schnellstraße etabliert, die viele Kleingärten plattgemacht hatte und dem Auto verschiedene Geschwindigkeitsvorteile gegenüber dem ÖPNV gebracht. Ergebnis ist natürlich mehr Verkehr und ein Umstiegen von ÖPNV auf das Auto. Ähnliches ist von den Planungen für die Spüdspange Gaarden und dem Ostring II als Ergebnis zu erwarten, die nach wie vor unbeirrt verfolgt werden.

Offenbar ist man sich zwar im Rathaus und den dort vertretenen Parteien bewusst, dass es vom Prinzip her nicht so weiter geht. Aber es fehlt nach wie vor an Mut, Ideen und Bereitschaft etwas Grundlegendes zu ändern und die Mobilitätswende anzugehen. Selbst die GRÜNEN sind da noch viel zu zaghaft und werfen lediglich alte Kamellen durch die Gegend.

Durch die im Mai anstehende Kommunalwahl verschärft sich das Thema: Die Kieler Bürger*innen sind sicher gespannt, welche Lösungen die Parteien anbieten für die Themen Umwelt und Verkehr.

Written by tlow

9. März 2018 at 07:05

#Verkehrswende in Kiel – #kwkiel

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Kiel bewegt zur Zeit das Thema Luftschadstoffe. In der Kieler Nachrichten(KN) hat man die letzten dankenswerter Weise endlich auch mal die Betroffenen zu Wort kommen lassen. Ich erinnere mich noch daran, dass vor vielen Jahren einer der Oberbürgermeister (Gansel?) zur Verkehrssituation und Luft am Theodor-Heuß-Ring in der KN sagte, dass er gar nicht nachvollziehen könne, was das Problem sei. Gestank? Viel Verkehr? Wo?

Sowohl das Blog „Kiel aktuell“ als auch „Bielenbergkoppel“ haben vom kleinen Kieler Dieselgipfel berichtet. Kurz zusammengefasst: Es gibt ein gewisses Problembewusstsein vermischt mit Unsicher- und Ratlosigkeit in Kiel.
Smart Fortwo Falschparker
Die Verkehrsentwicklung in den Städten ist insbesondere seit den 50er Jahren das Ziel einer autogerechten Stadt gewesen. Guter Verkehr wurde mit „Autoverkehr“ gleichgesetzt. Und die Straße sollte dem Auto gehören. Das sieht man heute auch in fast jeder Stadt, jedem Stadtteil und in jeder Straße: Sowohl der Ruhende Verkehr (parkende Autos), als auch der fließende Verkehr dominieren unsere Straßen. Der Parkplatzsuchverkehr macht oft alleine 40% des fließenden Verkehrs aus. Und ein Auto steht durchschnittlich zu 95 % der Zeit.

Bis 2020 soll der Autoverkehr nach Prognosen (Quelle: acatech PDF) um weitere 20 Prozent steigen. Der LKW-Verkehr um 34 %. Auch der Fahrzeugbestand soll steigen, wenn sich nichts dramatisch ändert.

Eine entscheidende Frage ist, wie man denn auf den steigenden Autoverkehr reagiert. Die letzten Jahrzehnte war klar:

  • Wir bauen mehr Straßen, um den steigenden Verkehr abzutransportieren/aufzufangen
  • Wir bauen mehr Parkplätze und Parkhäuser.
  • Wir bauen weitere Fahrspuren, um mehr Verkehr aufzunehmen.

Was sagt denn die Wissenschaft? Denn Stadtplanung nach Bauchgefühl sollte nicht ein Ansatzpunkt für Politik sein.  Mittlerweile findet man dazu auch Artikel im Handelsblatt. Kernerkenntnis: „Eine Verdoppelung der Straßen verdoppelt den Verkehr.“

Da kann man sich auf den Kopf stellen, auch wenn man noch so gerne Auto fährt. Oder vielleicht auch: Wenn man meint: Eine wachsende Wirtschaft brauche auch immer ein wachsenden Straßennetz. Das ist eine entscheidende Frage: Was machen wir mit dem steigenden Auto- und LKW-Verkehr?

Wenn wir die Erkenntnis annehmen, dass uns ein Ausbau der Autostraßen nicht retten wird, müssen wir uns die Frage stellen, welche anderen Möglichkeiten wir dann haben?

Und hier kann man ja weitere Probleme des Straßenverkehrs sehen: Flächenverbrauch, Verletzte, Unfalltote, CO2, Luftschadstoffe, … . Eine Abkehr von dem motorisierten Verkehr hätte viele Vorteile. Es fehlt dann bisher noch an den Alternativen, auch in Kiel.

Der Busverkehr mit der Kieler Verkehrsgesellschaft(KVG) ist am Limit. Oft bleiben Fahrgäste an den Bushaltestellen stehen, weil die Busse überfüllt sind. Vor allem die Gegenwehr von CDU und FDP hat bisher in Kiel und Umgebung verhindert, dass es hier nicht schon seit Jahrzehnten ein modernes, schienenbasiertes Nahverkehrsystem gibt.

Es fehlt natürlich auch an Impulsen von der Bundes- oder Landesebene. Man tut ein wenig hier oder da, aber die Klage der DUH gegen die Luftschadstoffe in Kiel ist Ergebnis dessen, dass Kiel selbst auch seit Jahrzehnten zu wenig getan hat. Im Grunde wollte keiner der im Rat vertretenen Parteien eine große Verkehrswende, wenngleich es in der SPD größere Sympathien für eine Stadtregionalbahn gab und etwas mehr Begeisterung bei den GRÜNEN. Letztlich entschieden sich die GRÜNEN aber lieber das Thema Flughafen Holtenau zum Hauptthema zu machen (mit dem zusammen mit der LINKEN gestarteten Bürgerbegehren), als eine neu Stadtbahn oder einer echten Verkehrswende.

Man darf gespannt sein auf die Kommunalwahlprogramme für 2018. Man sagt zwar, Papier sei geduldig, aber dennoch haben die Parteien die Chance, den Bürgern ihre Schwerpunkte für die kommenden Jahre zu nennen. An dem Thema Verkehr und die verschiedenen Entwürfe kommt keine Partei vorbei.

Nach meiner Einschätzung würde eine große Verkehrswende, die auf allen Ebenen der Politik passieren könnte, viele Freiräume schaffen. Nicht zuletzt könnten weniger Straßen auch mehr Platz für Wohnraum in Städten bedeuten und damit in einen anderen Problembereich hineinreichen. Sogar neue Gewerbeflächen könnten entstehen, genau so wie Raum für Naherholung.

Noch aber wird auf allen Ebenen gebremst. Der OB wird immer damit zitiert, dass er gegen Fahrverbote ist. Das alleine ist aber zu wenig. Denn das werden einfach die Gerichte entscheiden. Sie Verwaltung und Selbstverwaltung haben zahlreiche Stellschräubchen abseits von Fahrverboten, die sie ausprobieren könnten. Aber man weigert sich z.B. bisher überhaupt das Thema flächendeckender „Tempo 30“ überhaupt zu diskutieren (Es gibt da Probleme mit der StVO, die man aber in Berlin zum Teil schon gelöst hat) .

Das Bundesland Steiermark (Österreich) macht dagegen klar:

Tempolimits kosten so gut wie nichts, sind schnell umzusetzen und sofort wirksam. Andere Maßnahmen, wie etwa Fahrverbote für ältere LKW, der Ausbau des öffentlichen Verkehrs oder der Radinfrastruktur dauern länger und kosten mehr. Diese Maßnahmen sind zweifellos sinnvoll und werden auch umgesetzt. Sie sind aber nur argumentierbar, wenn zuerst die einfachsten und kostengünstigsten verwirklicht werden.“

Da ist man in Deutschland vielerorts aber doch sehr verbohrt. Wie auch in Kiel. Wissenschaftliche Erkenntnisse und internationale Erfahrungen interessieren nicht. Man macht das, was man auch die letzten Jahrzehnte gemacht hat. Man redet viel über Verkehrswende, aber man will entscheidende Schritte nicht einleiten. Dabei ist auch klar: Natürlich kann Kiel nicht alles alleine stemmen. Aber es gibt etliche Maßnahmen, die schnell umgesetzt werden können. Mehr Experimentierfreude wäre auch hilfreich. Alle finden zwar, das Kopenhagen ein tolles Vorbild ist. Aber irgend wie scheint es eher dazu zu dienen, dass man sagt: „So viel wie Kopenhagen können wir eh NIE machen!“ Und damit ist es dann auch abgehakt. Man klopft sich ab und zu auf die Schulter und ist sich einig, dass man ALLES getan hat, was man tun konnte. Besser geht nicht. Die Klage der DUH hat da vor allem das Selbstbild in Kiel erheblich gestört.

Noch ein Detail was interessant ist: Weniger Fahrspuren und mehr Platz für Fahrrad und Fußgänger bedeutet übrigens nicht, dass die Leistung von Straßen abnimmt. Im Gegenteil. Viele Staus entstehen durch Fahrstreifenwechsel. Je mehr Fahrstreifen daher auch mehr Stauungen.

cihyaiv

Ursachen von Staus

Daher gilt auch, dass zusätzliche Fahrradspuren („protected bike lanes“) eher Staus verhindern und den Durchsatz an Autos erhöhen. Klingt verrückt dachte ich auch zuerst, ist aber so. Lest mal: Cycle lanes don’t cause traffic jams: they’re part of the solution (The Guardian). D.h. im Grunde könnten alle profitieren, wenn man nur weniger nach Bauchgefühl geht („mehr Platz für Autos= alles fließt besser“), sondern nachprüft auf Basis dessen, was man bereits weiß. Und Kiel ist nicht so anders als andere Städte!

Insofern wünsche ich mir mehr Mut in der Verkehrsplanung in Kiel. Nicht weil es riskant wäre, sondern weil man Vorurteile überwinden muss. Und ggf. das eigene Klientel verwirrt.

Written by tlow

12. Februar 2018 at 12:33

Fakten-Check: Leiser durch Tempo 30?

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„Der Lärm ergibt sich aus der
Fahrweise, nicht aus der Ge-
schwindigkeit“

tempo30_2008

So wird der ADAC heute in der Kieler Nachrichten zu Plänen der SPD zitiert, kielweit nachts Tempo 30 auf Straße einzuführen.

Prüfen wir doch mal den Wahrheitsgehalt dieser Aussage: Sind Autos bei höherer Geschwindigkeit leiser oder lauter? Mal ganz abgesehen davon: Ist die gewählte Geschwindigkeit nicht Teil der Fahrweise?

Welche Faktoren bestimmten den Straßenverkehrslärm (Wikipedia)?

  1. Antriebsgeräusche (durch  Motor, Getriebe und Antriebsstrang; spielt (beim Anfahren) im  ersten und zweiten Gang noch eine entscheidende Rolle )
  2. Reifen-Fahrbahn-Geräusche (die entscheidenden Geräusche bei Stadtfahrten, da Antzriebsgeräusche bei modernen Autos immer weniger eine Rolle spielen!)
  3. Aerodynamische Geräusche
  4. Sonstige Geräusche

Was beeinflußt diese Faktoren am meisten?

Zitat aus der Wikipedia:

Die durch die unterschiedlichen Entstehungsmechanismen erzeugten Geräuschanteile sind von zahlreichen Einflussgrößen abhängig. Fahrzeuggeschwindigkeit, Profilaufbau und Straßenbeschaffenheit haben dabei den größten Einfluss auf den Gesamtpegel und die spektrale Zusammensetzung des von der Reifen-Fahrbahn-Kombination erzeugten Geräusches. Die durch den Reifen-Fahrbahnkontakt erzeugten Summenpegel der Schallintensität steigen allgemein mit der dritten bis vierten Potenz der Geschwindigkeit an.

Weiterhin:

Eine weitere Einflussgröße auf das Reifen-Fahrbahn-Geräusch ist die Fahrgeschwindigkeit. Die Schallintensität steigt mit der dritten bis vierten Potenz der Fahrgeschwindigkeit bzw. um 9 bis 12 dB(A) pro Geschwindigkeitsverdopplung. Dies bedeutet auch, dass vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten der Einfluss einer absoluten Geschwindigkeitsänderung groß ist.Eine Verringerung der Geschwindigkeit ist daher die wirksamste Methode zur Minderung des Verkehrslärms.

Fazit:

Die Aussage des ADAC ist vollkommen falsch.  Offenbar hat man da keine Ahnung wie Straßenverkehrslärm existiert. Wozu die da „Experten“ beschäftigen?  Offenbar nicht, um Fakten vorzubringen, sondern um den Autofahrern ihre Lieblingsbeschäftigung zu erhalten. Fakt ist also: Tempo 30 nachts würde eine deutliche Reduzierung des Straßenverkehrslärms bringen.

Weitere Links:

Written by tlow

4. Juni 2013 at 07:32

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