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Entscheidung zum Flughafen zurückgestellt

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Der Antrag zur schnellstmöglichen Schließung durch Die Linke wurde am Donnerstag, 21.01.10 zurückgestellt für sechs Monate. Das gibt allen Beteiligten Zeit zum Nachdenken. Nur Die Linke und die Direkte Demokratie waren der Meinung, dass es keine Alternativen geben kann und haben gegen die Rückstellung gestimmt.

Wie schon im Antrag der Linken so war denn auch die Rede von Herrn Rudau als mit heisser Nadel gestrickt zu erkennen. Zum einen war interessant, das Die Linke offenbar eine sehr eigene Zählweise von Arbeitsplätzen hat. Denn offenbar zählten die „immerhin“ 39 Arbeitplätze der Bundesbankfiliale in Kiel im Antrag davor eine Menge, während die entweder 87 (Linke) oder 200 (SPD) Arbeitsplätze im Umfeld des Airport Kiel nicht erhaltenswert sind. Die Argumentation, die Arbeitsplätze am Flughafen seien subventioniert kann man auch auf die Arbeitsplätze der Bundesbankfiliale anwenden.

Mit keinem Wort ging man auf den Flughafen Lübeck ein, was deutlich machte, dass Die Linke die neueste Entwicklung dort nicht mit berücksichtigt. Auch war immer nur von den heutigen 1,2 Millionen Euro Zuschussbedarf gesprochen worden – eine Alternative, wie die Reduzierung der Kosten – wurde nicht erwogen. Unter dem Strich bleibt also das Die Linke und die Direkte Demokratie heute beide am liebsten entschieden hätten, dass der Flughafen (genauer Verkehrslandeplatz) in Holtenau ersatzlos gestrichen werden soll. In Kiel soll auf jeden Fall nie wieder die Möglichkeit bestehen, das ein Flugzeug landet – selbst dann nicht, wenn der Flughafen plus minus null arbeiten würde oder gar Gewinn abwerfen würde. Denn der Antrag der Linken ließ keinen Platz für Alternativen.

So erschienen denn auch die Reden der übrigen Fraktionen (CDU,FDP,SPD, GRÜNE,SSW) eher gemäßigt und mit Blick auf die Konsequenzen nicht zuletzt auch für die Arbeiter vor Ort.

Kern dieser Getriebenheit scheint mir eher eine ideologische Betrachtungsweise zu sein, nicht eine pragmatische. Oder einfach nur Dummheit. Dann aber haben sich die beiden kleinen Parteien als überaus dilletantisch dargestellt, da sie nicht in der Lage sind einen Infrastrukturfaktor wie den Flughafen von mehreren Seiten zu betrachten.

Wieso die Ökologie profitiert, wenn der Flughafen Holtenau wegkommt ist auch nicht nachvollziehbar. Denn daovn auszugehen, dass alle Flüge die nicht in Holtenau starten gar nicht mehr stattfinden ist naiv.

Was den Organtransport angeht, so zeigte sich auch hier die Inkompetenz des Redners Rudau. Denn zum einen ist der Flug mit einem Hubschrauber um ein vielfaches teurer als mit einem Flugzeug. Zudem können Flugzeuge Organe über weitere Strecken und meist doppelt so schnell befördern. Das bedeutet dann z.B., dass sich die Flugzeug entweder halbiert oder ein Transport mit dem Hubschrauber aufgrund viel geringerer Reichweite (maximal ca. 500-800 km, Flugzeuge z.B. bis ca. 3000 km) gar nicht stattfinden kann. Da z.B. ein Herz nur vier Stunden lang transplantiert werden kann, kommt es oft auf jede Minute und Zeitersparnis an. Im Endeffekt heisst das also für Kiel, das ohne den Flughafen Kiel viele Transplantationen nicht mehr in Kiel stattfinden könnten. welche genaue Implikationen das hätte, kann ich nicht beurteilen – aber vielleicht würde es auch bedeuten, das im UK-SH dann auch eine Abteilung geschlossen werden müsste mit all den Nebenwirkungen.

Es mag ja sein, dass manche Folgen einer Schließung weniger dramatisch wären aber zum einen würde ich dem Satz „Wenn wech dann wech“ zustimmen, denn eine Entscheidung jetzt gegen einen Flughafen für Kiel würde das Aus für immer bedeuten. Und  zum anderen werde ich das Gefühl nicht los, dass die radikalen Flughafengegner oft nicht alle Implikationen bedacht haben – und zudem was die alternative Nutzung angeht auch keine klaren Vorstellungen. Etwas zu beerdigen ist immer einfach – neue Perspektiven oder Alternativen zu bieten aber schwieriger. Man darf e sich nicht zu eifnach machen, auch nicht bei Themen wo einem der Bauch scheinbar die richtige Richtung vorzugeben scheint. Was, wenn die Schließung Holtenaus fatale Konsequenzen hätte? Es gbt dann kein Zurück! Wir sehen am Beispiel Straßenbahn und SRB wie lange Kiel an einer Fehlentscheidung zu kauen hat. Man sollte daher nicht schon wieder etwas überstürzen!

Erinnern wir uns: Flensburg gibt jedes Jahr nur 52.000 € für ihren Flughafen aus. Vielleicht kann Holtenau sogar Gewinn abwerfen ohne groß ins Touristengeschäft einsteigen zu müssen?

Ergänzungen zum Artikel:

Luftsportverein Kiel zu Schließungsplänen Holtenau

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Der LSV Kiel nahm bereits im September 2009 in einem Positionspapier (PDF) Stellung zu den Schließungsplänen der Stadt Kiel für den Flughafen Kiel-Holtenau.

Ausgehend von den Presseveröffentlichungen der „Kieler Nachrichten“, in der eine mögliche Schließung des Flugplatzes Kiel-Holtenau bis Ende 2012 behandelt wird, hat der „Luftsportverein Kiel e.V.“ als einer der Betroffenen das folgende Positionspapier mit Argumenten erstellt, die einer geplanten Schließung widersprechen.

Written by Thilo

21. Januar 2010 at 02:09

Luftverkehr in Kiel vor dem Aus und ein Hoch auf Kaltenkirchen?

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Noch im Jahr 2009 kamen erste Pläne zur Schließung des stadtnahen Flughafes Kiel (in Holtenau) auf. Anlaß dafür gab die Absichtserklärung der Landesregierung Schleswig-Holstein, die sich im Koalitionsvertrag (PDF) zum Luftverkehr auf Seite 14 wie folgt ausdrückt:

CDU und FDP würdigen die Bedeutung des Luftverkehrs in Schleswig-Holstein für Wirtschaft und Tourismus. Wir setzen auf private Investitionen in regionale Flughäfen als Impulsgeber für die örtliche Wirtschaft. Eine direkte Flughafenbeteiligung schließen wir jedoch aus. Im Rahmen eines Luftverkehrskonzeptes werden wir den Standort Kaltenkirchen überprüfen.

Damit hat sich an diesem Punkt wahrscheinlich die FDP in der Koalition mit ihrem inzwischen mehrjährigen Widerstand gegen die Flughafen-Subventionierung in Kiel durchgesetzt.

MFG 5

Eine andere Ursache für die Aktivitäten ist die Verlegung des Marinefliegergeschwaders 5 (MFG 5) nach Nordholz, das unmittelbar an dessen Flugplatz unmittelbar an Holtenau angrenzt. die dort frei werdenden Flächen stellen natürlich für die Stadt Kiel eine attraktive Gewerbefläche dar. Auf dies werde ich hier aber nicht weiter eingehen, da dies einfach passieren wird und kein Weg daran vorbei führt.

Früher war alles anders

Allerdings hat Heiner Garg für die FDP noch 2001 so gedacht (PDF)

Ein modernes Oberzentrum ohne Flughafen ist heute undenkbar—und in Zukunft wird dieses Kriterium noch wichtiger werden.Es ist nicht so, dass ein leistungsfähiger Flughafen ein außergewöhnliches Plus für eine Region wäre—nein, ein Flughafen ist für eine leistungsfähige Wirtschaftsregion eine Selbstverständlichkeit. Regionen ohne leistungsfähigen Flughafen sind heutzutage keine zukunftsträchtigen Wirtschaftsregionen mehr.

Gegen den Flughafenausbau

Der Flughafenausbau war eines der umstrittensten Themen der Kieler Kommunalpolitik. Es entstand dadurch nicht nur die nach eigenem Bekunden größte Bürgerinitiative Kiels „Bürgervereinigung gegen die Starbahnverlängerung Kiel-Holtenau e.V.“, sondern auch m 23. März 2002 mit über 5000 Teilnehmern eine der größten Demonstrationen in Kiel. Der Flughafenausb sollte damals 100 Mio DM kosten. Diese Pläne wurden mittlerweile gestoppt. Ganz offenbar wurde aber nur die Idee des Ausbaus Holtenaus verworfen, nicht jedoch die Idee eines größeren Flughafens in Schleswig-Holstein.

Der Untote Kaltenkirchen

So scheut man sich denn nicht den Untoten Flughafen Kaltenkirchen wiederzubeleben. Dessen Zeit schien bereits seit langem vorbei. Auch an diesem Standort gab es erheblichen Widerstand. Die Bürgerinitiative Pro Kaltenkirchen dokumentiert auf ihren Seiten den Widerstand und die Argumente, wie z.B. das Ausmaß und die Nähe zu Kaltenkirchen:

Dies wäre dann also mehr als ein Regionalflughafen, sondern ein Großflughafen. Es wäre die geplante Verlagerung von Fuhlsbüttel hinein aufs platte Land in Schleswig-Holstein. Die Flughafengesellschaft hat angeblich nicht nur die bereits vor Jahrzehnten gekauften Flächen behalten, sondern in den letzten Jahren auch dazugekauft. Wenn der Verzicht auf Holtenau den Ausbau von Kaltenkirchen bedeuten würde, so muss man hier ganz klar eine Absage erteilen.

Man muss hier auch immer unterscheiden, was sich regionale Politiker versprechen, was tatsächlich zu erwarten ist und dann auch, was an sich wünschenswert und angemessen wäre. Dazu einige allgemeine Gedanken:

  • Flugverkehr mit Billigfluglinien sind abzulehnen.
  • Es wird Zeit, dass die Kerosinsteuer neben den Niederlanden auch von allen anderen EU-Staaten eingezogen wird.
  • Die Karten der bedeutenden Flughäfen im internationalen Luftverkehr sind längst verteilt. In Deutschland sind das lediglich Frankfurt, Berlin und München. In diesem Spiel wird daher weder Fuhlsbüttel noch Kaltenkirchen je eine Rolle spielen können.
  • Der Bund hat 2008 beschlossen bei der Förderung von Regionalflughäfen deutlich vorsichtiger zu sein, auch um nicht weiter die Konkurrenz zu fördern.

Die Landesregierung will also am liebsten einen neuen Großflughafen Kaltenkirchen finanziert zu erheblichen Teilen durch private Investoren. Sollten dies Pläne konkreter werden, stehen uns in Schleswig-Holstein erneut langjährige Auseinandersetzungen bevor mit ungewissem Ausgang. Bis zu einem theoretischen Abschluss der Bauarbeiten sind Kiel und Lübeck bereits seit Jahren dicht. Allerdings sieht es gerade so aus, als wenn es zumindest ein Bürgerbegehren (Unterschriftenbogen) zu Lübeck-Blankensee geben könnte.

Kiel ist größte Stadt in Schleswig-Holstein. Selbst Wahlstedt hat einen kleinen Flugplatz. Warum ausgerechnet hier KEINEN Flughafen? Warum ausgerechnet keinen in der Landeshauptstadt?

Wie sieht die mögliche Zukunft aus? Das Aus für Lübeck und Kiel, dann keinen Jagel (dessen Ausbau mit Investoren 2009 vorgesehen war für 74 Millionen) und wohl auch kein Kaltenkirchen in dem nächsten 5-10 Jahren. Wenn Pro Kaltenkirchen erst mal wieder mobilisiert, wird es erheblich Widerstände geben (zu Recht!). Am Ende bleibt also dann nur noch Flensburg und vor allem Sylt als einigermaßen ansteuerbare Verkehrslandeplätze.

Wie kommen die Parteien von: Es gibt keine Alternative zum Ausbau von Holtenau auf einmal zu: Holtenau brauchen wir gar nicht mehr? Ist Holtenau erst einmal dicht und wurde Gewerbe angesiedelt, gibt es kein Zurück mehr. Flughafenflächen zu finden wird heute immer schwieriger. Und je weiter weg der Flughafen ist, desto weniger ist er für Städte als Investition und Anbindung interessant. Je länger die Anfahrtswege, desto weniger lohnt sich der Flugverkehr. Ursache des Umdenkens ist wohl, dass beim Bund in Sachen Regionalflughäfen die Gelder nicht mehr so locker sitzen. Und nun setzt man alles auf das Pferd Großflughafen Kaltenkirchen. Die Kieler Parteien sollten sich bewusst sein, welches Spiel da läuft. Es geht hier um mehr als nur Holtenau und Kiel.

Ähnlich wie bei Zentralbad versucht man alle Ressourcen auch im Flugverkehr zusammenzuführen – und gibt dabei gewachsene Infrasrukturen auf. Die Finanzen können dabei kein Argument sein, denn was das Land für Autobahnen ausgegeben hat, geht auf keine Kuhhaut mehr. Da hat man ganz klar auf Straße statt Schiene gesetzt.

Der Flughafen Kiel hat 2009 ungefähr genau so viele Luftbewegungen wie Lübeck (bei deutlich weniger Passagieren). Die Einnahmen liegen pro Jahr bei etwas über 1 Millionen Euro (durch höhere Kosten kommt es zu einem Verlust).

Die Stadt Flensburg gibt für ihren Flughafen jährlich nur ca. 52.000 Euro.  Es sollte doch möglich sein, den Kieler Flughafen in ein wirtschaftliches Gleichgewicht zu bringen und dabei sowohl die Interessen der Nutzer- als auch der Anwohnerinnen zu berücksichtigen? Es ist mir nicht transparent wodurch vor allem die Einnahmen- und Ausgaben zustande kommen.

Außerdem muss man berücksichtigen, dass bei einem Wegfall von Lübeck viele Flugverkehre nach Kiel verlagert würden. Aber offensichtlich will man gar keine angemessenen Flugverkehre. Hier scheint im Lande die Ansicht vertreten zu werden: Entweder Großflughafen oder gar nichts!? Entspricht dies vielleicht genau der Sichtweise von Investoren? Stört Holtenau die Pläne von Jagel und Kaltenkirchen? Stören gewachsene und etablierte Infrastrukturen bei der Bedarfsanalyse? Rechnet es sich nicht besser, wenn man die Flugverkehre von Lübeck und Kiel gleich auf den geplanten Flughafen umrechnen kann? Klar ist schon heute, wer profitiert: Die Gutachter, Planungsgesellschaft und Architekten, die die Vorarbeit machen. Nichts gegen diese Berufe – aber es sind dann wieder die Steuerzahler, die im Zweifelsfalle die Unkosten zahlen.

Mögliche Alternativen zur Schließung

Neben einer Herabstufung des Standards, wie z.B. einem Rückbau wäre es evt. sinnvoll einen kostendeckender Betrieb anzustreben. Oder mit einer Bürgerbeteiligung herauszufinden, was die Kielerinnen wollen. Billigfluggesellschaften mit Linienverkehr sollten aber auch in Zukunft verhindert werden. Auf jeden Fall ist es nicht ratsam die Schließung Holtenaus aus dem Bauch heraus zu entscheiden, sowohl nicht im Interesse Kiels als auch der weiteren Umgebung. Vielleicht kann am Ende tatsächlich eine Schließung stehen – aber nicht zum Preis eines Ausbaus von Kaltenkirchen!

Die Zukunft am Wasser?

Interessant wird auch sein, welche Beschlussvorlage das Stadtplanungsamt in der Ortsbeiratssitzung in Holtenau am 12.01.2010 vorstellen wird. Siehe dazu auch die Beschlussvorlage 0278/2009.

Quellen

  1. http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=na&dig=2009%2F10%2F21%2Fa0157&cHash=4e57b0bdde (1)
  2. http://www.flensburg.de/politik-verwaltung/stadtverwaltung/finanzen/index.php (2)
  3. http://www.ln-online.de/artikel/2303428/F%FCr_74_Millionen_Euro:_Jagel_wird_Ferien-Flughafen.htm (3)
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