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Warum passieren #Unfälle und sind sie vermeidbar? #AutoKorrektur

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In letzter Zeit begegne ich auf Twitter immer wieder der Überzeugung, das es bei Unfällen wichtig sei einen Täter oder Täterin zu benennen. Das ist eine eher philosophische Frage, zu der der Platz auf Twitter nicht so recht ausreicht, um es zu würdigen.

Soweit ich die Position verstehe, geht des da oft um Kritik an Polizeimeldungen oder Presseartikeln, die zum Beispiel schreiben, dass ein LKW beim Abbiegen eine Radfahrer:in übersehen hat. Das wird als unpersönlich kritisiert. Es solle darum gehen klar zu sagen, dass ein Mensch, ein LKW-Fahrer zB schuld hat. Im Gegenzug wird kritisiert, dass bei Fußgänger:innen und Radfahrer:innen oft deren persönliche Schuld benannt wird und nicht etwa „das Fahrrad“ oder „der Schuh“ …

Was die Ungleichbehandlung angeht kann ich das vom Prinzip her nachvollziehen. Allerdings führt es auf einen aus meiner Sicht vollkommen falschen Pfad, nämlich zu diesen Annahmen:

  1. Ursächlich war ein persönliches Versagen eines Fahrers
  2. Hätte der Fahrer anders gehandelt, wäre der Unfall nicht passiert
  3. Wäre jemand anderes gefahren, wäre der Unfall nicht passiert
  4. Wenn wir alle keine Fehler machen würden, gäbe es KEINE Unfälle mehr
  5. Es sei realistisch, dass alle Unfälle abgeschafft werden, einfach dadurch, dass nur noch Menschen fahren, die keine Fehler machen.
  6. Der LKW oder das Auto sind nicht entscheidend für den Unfall, die Verletzung oder den Tod
  7. Der Fahrer hätte auch als Fußgänger jemanden getötet?

An dieser Kette ist so vieles falsch! Es ist ein wenig vergleichbar mit dem Waffenbesitz – in den USA wird auch argumentiert: „Nicht Waffen töten, sondern Menschen töten!“ Und daraus folgt dann die NRA-Maxime, dass nur der Good Guy with a Gun einen Mord eines Bad Guy verhindern kann. Solche Einstellungen führen zu allen möglichen Fehlschlüssen.

Unter anderem nutzen auch Tempolimit-Gegner:innen diese Logik, in dem sie sagen: Nicht das Tempo ist das Problem, sondern die Fahrer:innen, die es nicht im Griff haben!

Aber so tickt unsere Welt nicht. Da wo es Lebenwesen gibt, passieren „Unfälle“ – also sogar bei Tieren. Der Dinosaurier rannte eine Ebene längs und stürzt in einen Abgrund – und starb. Jetzt können wir sagen: Der Dinosaurier ist selber schuld! Ein intelligenterer Dino hätte den Abgrund sehen können! Evolution ist eine Abfolge von Erfolgen und Fehlschlägen!

Der Faktor Mensch ist aber derjenige, den wir fast gar nicht beeinflussen können. ja wir können strengere Führerscheinprüfungen machen, wir könnten Autos bauen, die nur starten, wenn man vorher eine Promilleprüfung machen würde, aber bei all den Maßnahmen werden wir höchstens die Häufigkeit an Fehlern reduzieren können, sie aber nicht verhindern. Und selbst wenn wir das zu Ende denken: Wo liegt denn der Fehler? Im Fahrer selbst? Im Führerscheinprüfer? Im Fahrschullehrer? Im Polizist, der das Auto nicht herausgewunken hat? Beim Chef, der den Fahrer nervös gemacht hat? Der audringliche Fahrer hinter ihm? Da Unfälle nur ein Punkt in einer Abfolge von Geschehnissen sind, lässt sich auch aufgrund des Faktors Zufall nie vorher sagen, wann ein Unfall passieren, oder welche Folgen er haben wird. Wenn es um die konkrete Frage geht: Wie hätte man den Unfall verhindern können, kann man der Einfachheit halber natürlich alles am Fahrer fest machen.

Aber das ist so, als wenn man einer Radfahrer:in die Schwere ihrer Verletzungen nach dem Unfall alleine dem Fehlen eines Helmes und damit ihr selbst zuschreibt! War es nicht das Fehlen eines adäquaten Radweges? War es nicht Tempo 50 auf der Strecke? War es nicht die verfehlte Verkehrspolitik?

Wenn wir politisch denken und argumentieren, macht es nur Sinn das zu kritisieren, was auch änderbar ist. Wenn ich bei einem Unfall einen Fahrer kritisiere, dann hätte ich nur dann den Unfall verhindern können, wenn ich in der Lage bin den Fahrer vorher ausfindig zu machen, der einen Unfall begehen wird. Was die Fähigkeit voraussetzt Unfälle vorher sehen zu können. Nur dann macht es Sinn den Fahrer zu kritisieren. Das wohlgemerkt primär für den Fall, das der Fahrer nicht bewusst Regeln übertreten hat, wie zB Tempo 80 fahren in der Stadt oder nicht auf die Vorfahrt zu achten.

Aber die Fehlerhaftigkeit des Faktors Fahrer suggeriert eben die Möglichkeit einer Welt ohne Unfälle einfach dadurch, dass wir auf den Straßen nur noch perfekte Fahrer hätten. Und es suggeriert, dass weder die Verkehrspolitik, noch die Infrastruktur, noch fehlende Tempolimits einen großen Einfluß auf das Unfallgeschehen hätten. Und auch irgend wie, dass wir daran gar nicht so viel ändern können.

Ich sehe es aber genau anders herum: Kritik und Maßnahmen sind vor allem dort angebracht, wo es um vermeidbare Faktoren geht. Das heißt: Mehr Tempolimits, sicherere Straßen für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen, eine grundsätzlich andere Verkehrspolitik, das Zurückdrängen von Autos würde massiv Leben retten und unsere Gesundheit schützen!

Ja, formal sind solche Pressemeldungen nicht gerecht und geben ein verzerrtes Bild wieder. Aber wenn wir in unserer Kritik von den Faktoren ablenken, die Auslöser waren und wir zudem beeinflussen können und stattdessen zufrieden damit sind immer nur EINEN Schuldigen zu finden, dann suchen wir damit doch nur ein Bauernopfer: Es ist nicht der 400 PS SUV, der Menschen verletzt hat, Schuld hat der Autofahrer in dem Moment – wäre doch nur jemand anderes gefahren. wäre nichts passiert. Und damit sagen wir quasi: Es ist NICHTS passiert, es gibts nichts zu sehen, fahren sie weiter. Wir sagen damit auch: DAS AUTO IST NICHT DAS PROBLEM! Wir wollen doch nur, das ALLE AUTOFAHRER keinen einzigen FEHLER mehr machen und schon haben wir unser Ziel erreicht.

Es gibt ähnlich strukturierte Problemstellungen, wo ein ähnliches Denken zu ähnlichen Resultaten führt:

  • „Schleichwege“ durch Rasen. Kritik ist: Die Leute sollen ordentliche Wege nehmen und nicht abkürzen, der Fußgänger macht den Fehler! Oder wir sagen: Die Stadtplaner:in oder die Architekt:in hat einen Fehler gemacht, weil sie den Fußgänger:innen zu lange Wege zumutet – es sollte korrigiert werden!
  • Oder in einer Rehaklinik habe ich damals als Zivildienstleistender folgendes Phänomen erlebt: Die Patient:innen haben für ihre Anwendungen Termine ausgedruckt bekommen und darunter stand irgend wo: „Bitte erscheinen sie 10 Minuten vor dem Termin!“ Das tat natürlich fast niemand und daher herrschte immer Stress bei den physikalischen Therapien! Ich machte dann den Vorschlag einfach als Uhrzeit die anzugeben, wann die Leute da sein sollten. Das wurde mit der Begründung abgelehnt: „Aber wenn alle rechtszeitig kommen würden, hätten wir das Problem nicht!“

Ja klar, Captain Obvious, so wäre das. In einer perfekten Welt wäre alles perfekt. Aber ich komme auch nicht mit einem Fingerschnippen in den Urlaub. Krasses Beispiel aber: Es gibt Bedingungen der Realität und dazu gehören nicht nur Regeln und Gesetze, sondern auch Fehlverhalten und Dummheiten. Davon auszugehen das alle Menschen Straßen exakt so benutzen, wie sie gedacht sind ist dumm.

An der Kreuzung an der ich wohne hat die Stadt Kiel neulich Pflasterzwischenräume verfüllt. Allerdings immer nur dort, wo es eine Verbindung gibt zwischen zwei gegenüberliegenden Seiten. Damit trifft man die Annahme, das wirklich niemand diagonal eine Kreuzung überquert oder zumindest vom vorgesehenen Pfad abweicht. Dabei ist gerade der Vorteil des Zufußgehens, das man in jeder Sekunde seine Richtung ändern kann, keine Parkplatzsuche und kein Fahrradabstellen!

Die Stadt denkt aber ganz nach dem Schema der Straßenverkehrsordnung: Wie hat man eine Kreuzung oder Straße zu überqueren? Hier könnte man auch sagen: Ein kleines Kind, das unachtsam an einer unübersichtlichen Stelle die Straße überquert ist Schuld, denn es hat einen Fehler gemacht. Ja, verdammt, Kinder mache Fehler. Kind und Fehler sind Synonyme! 🙂 Ich möchte Straßen, an denen wir alle Fehler machen können, ohne das immer sofort einer stirbt, insbesondere keine kleinen Kinder! Und daher trete ich ein für geringere Geschwindigkeiten und drastisch weniger Autos und viel bessere Radwege und weniger Konfliktpotential zwischen den Modi. Ich denke das beste Ziel ist die kindergerechte Straße, die ist dann auch immer barrierefrei, altengerecht und vieles mehr! Unfälle wir es dann, leider leider, immer noch geben. Aber hoffentlich sehr sehr viel weniger als heute!

Written by tlow

3. August 2020 at 18:58

Zwischenbilanz Kommunalwahl Kiel #kwkiel Verkehrspolitik @Umwelthilfe

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In weniger als einen Monat ist Kommunalwahl in Kiel. Es ist erstaunlich, wie entspannt die Parteien das Ganze angehen. Dabei scheint der klassische Straßen-Wahlkampf wieder mal im Vordergrund zu stehen. Zu Ostern wurde dann gerne Schokolade und anderes osterrelevantes verteilt, Das man wählen gehen soll, wurde.

Ich hatte ja allen Parteien  am 11. März (LINKE später am 23.3.) die aus meiner Sicht Kernfrage geschickt:

Sieht ihre Partei in Kiel kurzfristigen Handlungsbedarf bei den
Luftschadstoffen und wenn ja, welche Maßnahmen würden sie im ersten Jahr
nach der Kommunalwahl im Mai angehen?
Über die Beantwortung dieser Frage würde ich mich sehr freuen.

Ich gehe hier mal Reaktionen und Parteiprogramme durch:

CDU

  • Per Email keine Antwort
  • Hier das Parteiprogramm: cdu_ki_kommunalwahlprogramm_4. (13 Seiten)
  • Außer das alles beim Alten bleiben soll, ist dem Programm nichts zu entnehmen, was auf konkrete Maßnahmen in dem ersten Jahr nach der Wahl hindeutet

SPD

GRÜNE

  • Die GRÜNEN antworteten am 29. März damit, dass sie zwar Handlungsbedarf sehen, allerdings gingen auch bei Ihnen aus Zitaten aus dem Wahlprogramm keine konkreten Maßnahmen im ersten Jahr nach der Wahl hervor: Luftverschmutzung_kielkontrovers
  • Hier das Wahlprogramm: B90_GRN_KomWahlprogramm2018 (76 Seiten)

FDP

  • Keine Antwort per Email
  • Hier das Wahlprogramm: Kommunalwahlprogramm 2018
  • Auch hier sind keine konkreten Maßnahmen zu erkennen

LINKE

  • Im Ursprungsverteiler am 11. März hatte ich sie übersehen, dann aber am 23. März doch noch an sie verschickt. Bisher aber keine Antwort
  • Hier das Wahlprogramm: Kommunalwahlprogramm_Kiel
  • Ebenfalls keine konkreten Maßnahmen erkennbar

PIRATEN (aktualisiert 8.4.)

  • Die Piraten hatten als erstes ihr Kommunalwahlprogramm veröffentlicht. Hier.
  • Keine konkreten Maßnahme geplant

SSW

  • Keine Antworten und kein Programm

Die Partei

  • Keine Antwort und kein Programm

Fazit

Wir müssen hier von einem Totalversagen der gesamten Kieler Parteienlandschaft sprechen. Im Grunde sehen wohl alle „irgendwie“ Handlungsbedarf. Was ich aber schon mal nicht verstehe ist, wie es Parteien schaffen im Kommunalwahlkampf Fragen von Bürger*innen und sogar Bloggern einfach unbeantwortet zu lassen (insbes.  FDP, CDU; SSW).

Was daran ja so erstaunlich ist: Zwar wurde die Frage der Luftschadstoffe erst durch die Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) so richtig akut. Aber die Regeln werden nun seitens der Kommunen schon seit bald 20 Jahren gebrochen. Jedem verkehrspolitischen Sprecher sollte das bekannt sein und jeder Kommunalpartei. Passende Antworten hätte man also schon seit Jahrzehnten vorbereiten können. Und die Klage der DUH wurde entschieden, bevor die Kieler Parteien ihre Wahlprogramme verabschiedeten: Am 28.2.18 kam es zu einem Grundsatzurteil, nach dem selbst Fahrverbote zulässig wären, um die Grenzwerte für Stickoxid (NOx) einzuhalten. Aber was machen die Kieler Parteien? Beispiel SPD-Plakat:

Wahlplakat Gegen Fahrverbote Kieler SPD

„Gegen Fahrverbote“ Wahlplakat der SPD Kiel im Kommunalwahlkampf 2018 zum Thema Luftschadstoffe

CDU und SPD plädieren dazu auch noch klar für die Südspange Gaarden, die noch mehr Verkehr nach Kiel bewirken wird und eine Verschärfung des Problems am Theodor-Heuß-Ring (THR) und Bahnhofstra0e. Neuere Messungen der DUH bestätigen aber eh Vermutungen, dass es am THR kein isoliertes Problem gibt: Denn es wird ansonsten ja in Kiel kau gemessen oder zumindest nicht veröffentlicht. Auf einen Vorschlag seitens des Ortsbeirates Gaarden ein Projekt zur Messung von Feinstaub  (verwandtes Thema) in Kiel zu fördern wurde dies in Stellungnahmen (Drucksache 1154/2017)  des Umweltministeriums und Umweltamtes als nicht nötig abgelehnt. In Gesprächen deutete die Stadt Kiel aber an, dass sie selber ja auch messen würde. Auf meine Informationsfreiheitsanfrage, was die Stadt denn messen würde und ob sie die Daten veröffentlicht erhielt ich aber innerhalb der Frist (8. April) keine Antwort. Dafür, dass man ja angeblich so viel Datenmaterial hat, dass man keine weiteren Messungen braucht ist das Schweigen auf Nachfrage dann doch verdächtig. In Messungen der DUH gab es in Kiel ja auch einige neue Stellen, wie den Ziegelteil, die bedenkliche Werte aufwiesen und wahrscheinlich sogar höher als gemessen ausfallen.

Erstaunlich auch, dass  wirklich keine Partei die Chance nutzen mag mit etwas radikaleren Forderungen und Sofortmaßnahmen zu punkten. Es geht schließlich um die Gesundheit der eigenen Bevölkerung [Hinweis: Das sind die Wähler*innen!]

LINKE und GRÜNE haben sich verkehrspolitisch dazu entschlossen statt die Luftschadstoffe und die Verkehrsthema als primäres Thema zu nehmen sich stattdessen am Dauerthema „Flughafen Holtenau“ abzuarbeiten. Es wird dazu einen Bürgerentscheid am Tag der Wahl geben. Meine Meinung dazu ist. Hier besteht aktuell kein Handlungsbedarf. Der Flughafen hat große Vorteile für den Transport von Organen zur Uni Kiel – und auch auf Nachfrage fanden  die Gegners des Flughafens zu diesem Argument keine Antwort. Klar ist, dass  ein Totalumbau des Flughafens am teuersten und auch alles andere als umweltschonend sein wird. Es ist auch eher zu erwarten, dass es hier zu einer Neubaugentrifizierung kommen würde und sozialer Wohnungsbau eine eher untergeordnete Rolle spielen würde. Wohnraum fern des Zentrums ist auch für eine Stadtentwicklung suboptimal, da hier die Wege wieder länger werden. Bisher wäre z.B. eine Anbindung mit einer Stadtbahn gar nicht geplant oder möglich.

Man kann mit dem heutigen Tag eigentlich nur dringend dazu raten der Wahlurne am 6. Mai fernzubleiben. Das gilt für mich so lange es keinerlei Bewegung oder Priorisierung einer der Parteien gibt. ja, die GRÜNEN haben ein langes Wahlprogramm und haben darin auch viele Ziele stehen die langfristig durchaus auch relevant auch für das Thema Luftschafstoffe sind. Trotzdem konnten sie sich nicht ausreichend von ihrer Beteiligung an der Kooperation mit SSW und SPD lösen. Wer die Klimaziele und Ziele des Masterplans Mobilität für ambitioniert hält wohnt in  einer Scheinrealität. Die Kieler Politik erscheint doch sehr selbstgefällig und verträumt. Erst im April hat man so richtig begonnen mit dem Wahlkampf und dann statt mit Inhalten eben mir Parolen, die oft genug rückwärtsgewand sind.

Die Wählerinitiative „WIR in Kiel“ tritt dieses mal übrigens nicht (mehr) an.

Unter dem Strich bleibt: Die Interessen der Dieselfahrer sind den Kieler Parteien wichtiger als die Gesundheit der Kinder, Alten und Kranken, die in Kiel besonders und akut von Stickoxiden und Feinstäuben bedroht sind. Und bei so viel Menschenverachtung hat m.E. auch keine Partei eine Stimme mit gutem Gewissen verdient. Natürlich profitieren davon die radikalen Parteien auch durch sinkende Wahlbeteiligung. Aber wenn die Parteien sich weigern zu handeln, kann man ihnen leider auch keine Verantwortung zugestehen. Sie haben sämtliche Möglichkeiten in der Hand: Tut IRGEN WAS, aber schweigt nicht und legt nicht die Hände in den Schoß oder dreht Däumchen!

#LTWSH: Parteien zur #Verkehrspolitik

Verkehr ist eines der wichtigsten Themen. Insbesondere das hier der Staat viele Steuerungsmöglichkeiten hat. Der Klimawandel erfordert auch hier ein Umdenken. Wieder habe ich die Parteiprogramme gecheckt. Z.B. danach in wie fern auch Fahrrad und Bahn Thema sind, oder die Verkehrsentwicklung kritisch betrachtet wird.

AfD

Der Schienenverkehr wird nur in Aufzählungen erwähnt. Immerhin auch die Förderung des „Zweiradverkehr“. Allerdings ist damit alles mit zwei Rädern gemeint. Konkrete Projekte im Land werden nicht genannt.

Freie Wähler

Weder Schiene noch Fahrrad werden eigens erwähnt. Es werden ebenfalls keine konkreten Projekte benannt.

GRÜNE

Sowohl für Bahn als auch Fahrrad werden verschiedene Projekte konkret benannt. Z.B. Elektrifizierung 25+ (Seite 28), S-Bahnstrecken, Ausbau des Radwegenetz,… alles sehr ausführlich. D.h. man sieht sehr genau, was sie versprechen.

PIRATEN

Sie äußern sich klar pro Schiene und Rad. Es fehlen allerdings konkrete Projekte/Pläne und damit fällt die Beurteilung zukünftiger Politik schwer.

LINKE

Ähnlich wie die Piraten plädieren sie klar für Aufbau von Schiene und Rad. Aber auch hier fehlene konkretere Vorschläge.

SPD

Klares Bekenntnis für Schiene und Fahrrad. Es werden auch einige geplante Projekte konkret, wenn auch nicht ausführlich, genannt.

CDU

Auch die CDU bekennt sich sowohl zum Radverkehr als auch zur Schiene. Bei der Schiene werden auch einige konkreten Projekte genannt. Allerdings ist dies alles bezeichnender weise dem Kapitel Wirtschaft untergeordnet und nicht in einem eigenen Kapitel zu Verkehr.

FDP

Klares Bekenntnis zur Schiene und auch für den Ausbau. Sie nennen sogar mehr konkrete Projekte als die CDU. Beim Radverkehr aber herrscht das große Schweigen. Da fällt die FDP hinter alle anderen überprüften Parteien zurück.

Fazit: Wem Radverkehr wichtig ist, sollte wohl besser nicht die FDP wählen. Selbst für Allgemeinplätze hat  es in derem Parteiprogramm hier nicht gereicht. Das ist so seltsam, dass ich da fast von einem Versehen ausgehe. Zumindest besteht da noch erheblicher Nachholbedarf. Es muss ja nicht jede Partei in gleichem Maße fahrradfreundlich sein, aber was die FDP da in Aussicht stellt, lässt stark an ihrer Kompetenz auf dem Gebiet der Verkehrspolitik zweifeln.

Ansonsten positiv, dass keine Partei die Bahn ablehnt. Allerdings braucht es für die Wahl schon die Nennung ein paar konkreterer Projekte und Vorschläge, damit die Wähler*innen beurteilen können, was sie erwarten können. Da fallen dann v.a. AfD, LINKE, Piraten und Freie Wähler zurück.

Written by tlow

19. April 2017 at 15:28

Das Landtagswahl-Alphabet der Parteien: #FDP #LTWSH

Am 17. März werden weitere Parteien feststehen, die zur Wahl zugelassen werden. Ich werde zunächst nach der CDU im November diese weiteren Parteien thematisieren: FDP, GRÜNE, LINKE, SPD, SSW. Heute also die FDP.

Aktuelle Umfragewerte zusammengefasst findet man bei wahlrecht.de.

Die FDP im Land wird sehr stark mit Wolfgang Kubicki identifiziert. Ich erinnere mich noch sehr deutlich an das Plakat 2012 (siehe rechts), dass die Arroganz der Partei sehr deutlich machte.

Hat es der Partei damals geschadet? Immerhin verloren sie damals im Vergleich zu 2009 6,7 Prozent an Stimmen (Quelle: Wikipedia).

Momentan liegt die Partei in Umfragen bei 9 Prozent. Das wären immerhin 0,8 % mehr als 2012 (8,2%). Und das obwohl die Piratenpartei dieses Jahr wohl deutlich schwächer ist und teilweise vergleichbare Positionen vertritt.
Im Dezember verkündete der Landesvorsitzende Garg:

„Wir haben für die anstehende Landtagswahl das Ziel ausgegeben, mit unserem Spitzenkandidaten Wolfgang Kubicki ein zweistelliges Ergebnis für die FDP Schleswig-Holstein einzufahren. „

Möglich ist das sicher, aber doch aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich. Unter anderem möchte die FDP das Verbandsklagerecht bei Infrastrukturprojekten abschaffen. Damit wäre Widerstand gegen Projekte wieder beschränkt auf das Klagerecht von betroffenen Einzelpersonen.

Bei Verbandsklagen waren Verbände im Zeitraum 2007-2010 zu 42,5 Prozent erfolgreich gewesen. Das heißt, dass bei Vorhaben zu Recht Kritik formuliert und Klage erhoben wurde. Vorhaben mussten dann korrigiert werden bzw. enthielten Verfahrensfehler. Es wäre ja noch verständlich, wenn Klagen lediglich Verfahren verzögern aber zu großen Teilen unbegründet wären.

Der NABU klagte im Durchschnitt ein mal pro Jahr in den letzten 10 Jahren. Von einer Flut von Klagen kann man da wohl nicht sprechen. Das Problem für die FDP scheint wohl eher darin zu liegen, dass ein großer Prozentsatz der Klagen  erfolgreich ist, weil Fehler passiert sind. Der FDP wären also fehlerhafte Infrastrukturmaßnahmen lieber, die geltendes Recht mißachten, als dass es Verzögerungen aufgrund notwendiger Korrekturen gibt.
Das wäre dann das Prinzip „Unrecht“ vor „Recht“.

Insgesamt wirkt das Parteiprogramm der FDP wie eine Mischung aus dem, was man von ihr erwartet: Radikal pro etablierter Wirtschaft,  gegen Umweltschutz, europafreundlich, generell für Bürgerrechte aber insgesamt unter dem Strich sehr konservativ und angestaubt. Umweltschutz wird nicht negiert, aber als prinzipiell nachrangig betrachtet. Wie z.B. un ter Verkehrspolitik in Zeile 829 am Ende des Absatzes:

Hierbei darf der für uns  unbestritten notwendige Umweltschutznicht vernachlässigt werden. Dieser darf aberauch nicht zu einer Verhinderung von notwendiger und politisch gewollter Verkehrsinfrastruktur führen.

Also ein großes: „JA, ABER…“

Generell denke ich dazu, dass es wenig Sinn macht Umweltschutz anzupacken, wenn man es nicht konsequent machen will. Also z.B. Verbandsklagen reduzieren. oder was den Klimawandel angeht, so kann man dann nicht den Ausbau von Fernstraßen propagieren. Es braucht dann eine echte Verkehrswende. Wie es so schön heißt: „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß!“ Geht nicht… Es braucht dann größere Schritte, die konsequent umgesetzt werden, z.B. damit Menschen wirklich vom Auto auf Bahnen umsteigen. Es reicht dabei nicht lediglich hier und da das Bahnfahren zu erleichtern.

Die Passage zur Attraktivierung der Bahn enthält 34 Zeilen von insgesamt 476 des Bereiches Verkehrspolitik und auch nicht bei den ersten Punkten zu finden.

Soweit erst mal zum Thema FDP an dieser Stelle.

Written by tlow

5. März 2017 at 12:35

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