KielKontrovers

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#Meeresspiegel 2100 noch höher als erwartet? #Mobilitätswende #IHK

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Photo by Tatiana on Pexels.com

Letztes Jahr hat die Landesregierung Schleswig-Holstein entschieden auf den drohenden Meeresspiegelanstieg zu reagieren. Leider nur was den Küstenschutz angeht, aber immerhin.

Und wie sieht es in der KielRegion aus? Es gibt Ansätze zB aus 2015 diese Präsentation: Klimaanpassung im Rahmenplan Kieler Förde (PDF):

Wie nachhaltig wird hier gearbeitet? Am Ende des Dokumentes findet man folgende Hinweise zu weiterführenden Dokumenten:

Gehen wird aber auf eine der Seiten (getestet am 13. Mai 2020) www.kieler-foerde.eu, so kommen wir auf die Standard-Plesk-Seite:

Also schauen wir in die Vergangenheit mit der Wayback Machine:

  • Vom 5. August bis zum 17. August finden wir lediglich einen Redirect (302) mit dem Hinweis darauf, dass die Seite überarbeitet wird.
  • Am 20. April gab es noch Inhalte.

Man findet allerdings auch einen Hinweis auf www.klimabuendnis-kieler-bucht.de. Es stimmt nicht gerade optimistisch, wenn man sieht, wie die Gemeinden bei so einem wichtigen Thema Daten vorhalten. Da wird eine Domain erworben, Daten hochgeladen und nach ein paar Jahren interessiert es keinen mehr.

Beim Klimabündnis Kieler Bucht liegt der Fokus auch eher auf den Erhalt des Tourismus und Marketingkonzepten.

Was den Meeresspiegel angeht braucht es aber eine konsequente Klimapolitik mit Auswirkungen auf geplante Infrastrukturprojekte, insbesondere was den Straßenbau angeht.

Vor einiger Zeit habe in einem Update bereits über die Erhöhung der Prognosen berichtet.

Nun ist bei einer Befragung sämtlicher Experten zum Thema Meeresspiegel herausgekommen, dass Einschätzungen bei derzeit einem Meter bis 2100 liegen.

Dazu ein Interview mit dem Klimaforscher und Mit-Initiator Stefan Rahmstorf auf Deutschlandfunk vom 8. Mai.

Also. Die Bedrohung steigt. Wir wissen bisher wenig über Dynamiken, die durch die Eisschmelze auftauchen könnten. Und nach wie vor gilt, dass wir spätestens vorgestern hätten handeln müssen.

Bei vielen Akteur:innen ist die Erkenntnis aber noch nicht angekommen. Die IHK veröffentlichte erst gestern, am 13. Mai ihre „Leitlinien“. Ich habe dazu einen Thread auf Twitter veröffentlicht:

Was bisher auf allen Ebenen fehlt ist eben die Erkenntnis, dass wir eine fundamental andere Verkehrspolitik machen müssen. Es bewegt sich sehr langsam etwas. Aber wenn zB in Kiel auf der einen Seite Sprinter in jeder Straße nahezu unkontrolliert und ohne Regeln parken können wie sie wollen und solange Parklets als „Sondernutzung“ unter Vorbehalt stehen, hat sich nichts wirklich geändert. Natürlich ist ein Parklet eine Bereicherung der Verkehrssicherheit. Um so mehr, je klarer es abgegrenzt es ist. Parkende Autos stellen dagegen ein andauerndes Ärgernis und Gefährdung dar. Selbst die legal abgestellten Autos erschweren zB die Sichtbarkeit von Kindern, die die Straße überqueren wollen. Und es wird ja überall kreuz und quer und wild geparkt, auch an Kreuzungen. Da achtet fast niemand darauf und abgeschleppt wird.

Stattdessen wird medial und politisch oft der „Parkdruck“ als Argument benutzt, dass es für den wachsenden Autosbestand natürlich noch mehr Fläche gibt, dem man anderen Nutzungszwecken entziehen sollte. Das ist vor allem eine der Punkte, der in der Debatte oft unter den Tisch fällt: In Städten kann man nicht einfach Flächen aus dem Hut zaubern: Mehr Platz für Parken bedeutet IMMER, dass eine andere Flächennutzung geringer wird. Und was soll es dann sein? Weniger Grün? Weniger Fläche fürs Wohnen? Weniger Freizeitfläche? Weniger Fläche für Gastronomie? Weniger Fläche für Läden?

Moderne Städtebaupolitik und eine „Smart City“ bedeutet eben nicht einfach ein neues Parkleitsystem, sondern primär den vorhandenen Platz intelligent zu verteilen. Prioritäten setzen, ggf. auch mal eine höhere Investition für eine Fläche investieren, die aber dann ALLEN zur Verfügung steht. Aber dort wo ein Auto steht, kann man nicht spielen oder darauf spazieren gehen, oder ausruhen.

Die Stadt muss planen, wie sie Fläche in ein paar Jahrzehnten neu vertelt haben will. Und sie muss dann heute anfangen entsprechenden Platz zu schaffen. Und ich empfinde es als unwürdig, dass engagierte Bürger:innen zu oft von der Verwaltung ausgebremst werden, die mit einer veränderten Straßenraumgestaltung neue Lebensqualität und damit auch mehr Verkehrssicherheit erreichen wollen, aber im Gegenzug überall unhaltbare Straßenzustände herrschen, wie Autos, die zu 90% den Gehweg parken, damit die Autos schön viel Platz haben. Derzeit ist leider immer noch die Pedestrians vielerorts nur eine Randerscheinung und viele Fußwege nur Zuwegungen zu parkenden Autos.

Zugeparkter Fußweg in der Ascheberger Straße

Viele Zustände sind unhaltbar und dennoch heute immer noch zu normal und toleriert. In der Ascheberger Straße gehen Pedestrians zB dann einfach nur auf der Fahrbahn, die EIGENTLICH der Ort für die Autos und Fahrräder sein sollte. Eben weil man ihnen ihren angestammten Platz weggenommen hat. Die Story der Autolobby ist dann aber: Der Parkdruck ist dort zu hoch, man möchte am liebsten noch mehr Platz. Sollen wir dort dann zB die Vorgärten opfern?

Es braucht neue Vorgaben seitens Land und Stadt, die auch auf den Tischen im Ordnungs- oder Tiefbauamt liegen und es denen ermöglicht rechtssicher mehr Platz für Alternativen zum Auto zu schaffen. Die bisherigen Maßgaben führen eher zu weniger als zu mehr Sicherheit.

Written by tlow

14. Mai 2020 at 09:15

Warum #ParkAndRide keine Lösung ist

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Manche meinen die Lösung der städtischen Verkehrsprobleme wäre, dass die Autofahrer*innen zum Stadtrand fahren, um dort auf riesigen Parkplätzen als P&R (Park & Ride) abstellen, um dann mit Zug und Bus in die Stadt reinzufahren. Was stimmt an dieser Idee nicht?

Es gibt dann mehrere Probleme:

  1. Man muss erst große Flächen schaffen, auf denen ausreichend Platz geschaffen wird. Der Verkehr zur Stadt über Bundesstraßen oder Autobahnen würde nicht geringer. Woher die Flächen nehmen? Und was sagen die Umlandgemeinden: Wollen die den Städten die Flächen bereitstellen? Nur für das Auto? Wohl kaum! Außerdem müssen die Leute sich trotzdem mit dem Auto auf den Weg machen. Infrastrukturen auf dem Lande entstehen dadurch nicht.
  2. Investitionen in Parkplätze schafft keine neuen Verbindungen. Es bedeutet stattdessen Geld in Autoinfrastruktur zu investieren.

Für manche erscheint zwar P&R als die Lösung aller Probleme. Dann können die Leute mit ihrem Auto bis zum Stadtrand fahren und es abstellen. Aber es ist eben nicht gut durchdacht, wie oben schon ausgeführt.

Gerade diese Woche wurde wieder so ein Antrag in die Ratsversammung eingebracht als Drucksache 77/2020:

Die Verwaltung wird gebeten, gemeinsam mit den Nachbargemeinden Flächen am Stadtrand zu suchen, die für Park & Ride-Parkplätze in Frage kommen. Dabei sollen insbesondere Flächen an den Haupteinfallstraßen, über die besonders viele Pendler*innen nach Kiel fahren, ausgewählt werden.

Naiver kann man es fast nicht mehr angehen. Und ausgerechnet dieser lächerliche Antrag wurde interfraktionell unterstützt? Es zeigt mal wieder wie wenig die Ratsversammlung ernsthaft an der Verkehrswende arbeitet. Kiels Ziel 40% weniger Autoverkehr bis 2035? Ja was wird denn dafür unternommen? Gar nichts!

Dieses Beispiel ist aber auch auf jede Stadt anwendbar. Es wird Zeit diese Denke zu überwinden, dass es nur darum gehen müsse das Parken zu erleichtern. Die Bequemlichkeit des Autos kommt hauptsächlich dadurch, dass die Illusion entsteht, dass man überall hin kommt. Es muss dann eben auch unmöglich werden zu parken. Das Schaffen von MEHR Parkmöglichkeiten wird niemand davon abhalten in der Stadt nach doch einem näheren Parkplatz abzuhalten! Das ist eine sehr gefährliche Illusion! Es führt nur dazu das Gelder in die falsche Richtung investiert werden und verhindert die eigentliche Verkehrswende!

Written by tlow

22. Februar 2020 at 22:57

Veröffentlicht in Verkehr

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Das Land & das Auto #verkehrswende #mobilitätswende #Dorf #Land

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In letzter Zeit gab es einige Artikel zum Thema: Ohne Auto ginge es nicht auf dem Lande, z.B. am 31.1. Auf DLF Kultur von Don Dahlmann Vergesst die ländlichen Regionen nicht! Und „Das Auto muss weg“ funktioniert auf dem Land nicht von Jana Kugoth.

Aus meiner Sicht machen beide Autor*innen dabei einen großen Fehler: Sie sehen das Auto als gegebene Größe. Und sie betrachten nur seine Vorteile. Ihr Schluß: In der Stadt kann man auf das Auto verzichten, auf dem Lande nicht.

Aber genau so wie mehr Straßen eben zu mehr Verkehr führen, so führen insbesondere die Autos dazu, dass längere Distanzen kostengünstig mit zurückgelegt werden konnten.

Das Auto war für das Land, für die Dörfer weniger ein Segen, sondern der Hauptgrund für das Sterben der Dorfläden, für das Wegfallen von Arbeitsplätzen. Auf dem Land wohnen und 50km weiter weg arbeiten und einkaufen ist schon länger kein Problem mehr.

WDR: Landflucht: Das Ende des Dorfladens?

Sicher gab und gibt es auch Profiteure des Verkehrs. Nicht nur durch Tankstellen und Autobedarf. So mancher nutzte Läden im Dorf bei der Durchfahrt zum Einkaufen. Was dann oft folgte war der Streit darum: Wollen wir eine Ortsumgehung oder nicht. Was des einen Leid war, war des anderen Freude.

Generell kann man sagen, dass das Auto die ländliche Struktur massiv verändert hat. Bundesstraßen und Autobahnen zerschnitten Landschaften und trennten Dörfer und Menschen. Aber Menschen waren nicht mehr so abgehängt wie früher. Viele Menschen, die auf dem Lande leben kennen das Auto als Selbstverständlichkeit: Natürlich macht man einen Führerschein, so bald das möglich ist. Und das eigene Auto bedeutet Freiheit, von den Eltern und der Enge des Dorflebens. Und ohen Auto wird es schwer weiterbildende Schulen zu besuchen oder den Job zu erreichen.

Aber alles, was das Auto ermöglicht, zerstört es auch gleichzeitig. Die Gesetze sind insofern generell die gleichen wie in der Stadt: Läden in Straßen fürchten, dass das Aussperren des Verkehrs oder auch nur ein Fahrradstreifen oder das Wegfallen von Parkplätzen ihre Kund*innen vertreiben würde. Erfahrungen zeigen aber, dass bei Änderungen in Städten die Läden oft 60% mehr Umsatz machen als vorher. Weil eben Fahrradfahrer*innen eher anhalten und was kaufen, als Autos, die erst einen Parkplatz suchen müssen.

Es ist sicher nicht einfach, auf das Auto zu verzichten auf dem Land. Aber wer die Dörfer kennt, durch jeden Tag eine große Straße tausende PKWs schleust, der weiß auch, wie sehr es die Dörfer zerschneidet und die Atmosphäre so prägt, dass da oftmals auch niemand gerne anhält und draußen im Café gemütlich etwas konsumiert. Die meisten fahren nur durch. Vielleich hält man mal kurz an um rauszuspringen um dann umgehend die Flucht zu ergreifen. Viele Läden werden sich an diesen Straßen auch nicht ansiedeln. Und auch die Dorfbevölkerung wird eher die Straßen aufsuchen, die etwas ruhiger sind.

Hier muss der Staat in Vorleistung treten und Angebote machen, die den Verzicht auf das Auto ermöglichen. Am besten wäre es, wenn ein Dorf mehrheitlich beschließt, die Autos zu verbannen oder zu reduzieren. Aber eins muss klar sein: Man darf nicht erwarten, dass man auf dem Dorf genau so mobil ist, wie in der Stadt. Und diese Illusion hat das Auto den Leuten verkauft. Wer ein städtisches Leben führen will, muss in der Stadt leben. Und wer im Dorf lebt, darf ein dörflicheres Leben genießen. Wer mehrmals täglich weite Strecken zurücklegen muss oder will, der sollte näher an großen Siedlungen wohnen. Dörfer sollten auf jeden Fall einen langsameren Takt haben. Nicht so langsam wie heute, wenn man ohne Auto ist. Denn viel Dörfer haben nicht einmal eine Bushaltestelle, oder der Bus fährt nur 1-2 mal am Tag. Das ist nicht hinnehmbar. Aber dafür gibt es auch Lösungen wie Rufbusse usw.

Ich plädiere dafür, dass man auf dem Land genau so wie in der Stadt in einzelnen Dörfern oder Regionen einen bewussten Prozess einleitet. Nicht gegen die Bevölkerung, sondern mit deren Unterstützung. Die Landkreise könnten Dörfern Unterstützung anbieten, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen. D.h. gewisse Mobilität gewährleisten und finanzielle und organisatorische Hilfe bei einer Umgestaltung.

Aber es braucht auch den Mut zu sagen, dass diese Entwicklung nicht für jedes Geschäft oder Einwohner*in wünschenswert sein wird. Aber wie schon oben bei den Umghehungsstraßen thematisiert: Keine Änderung und keine Lösung wird immer jedem Gefallen. Aber dafür haben wir ja die Demokratie, wo man miteinander diskutieren kann und dann auch mal mehrheitlich die (hoffentlich richtigen) Entscheidungen treffen kann.

Ich denke es führt kein Weg daran vorbei, auch auf dem Lande dem Auto seine Rolle streitig zu machen. Und ich denke sogar, dass der Onlinehandel hier eher hilft als im Weg zu stehen. Schon heute können viele Menschen Einkäufe erledigen, ohne selber ein Auto zu besitzen. Das generelle Problem der Paketdienste und deren Expansion muss dabei auch angegangen werden. In der Stadt überschlagen sie sich teilweise neben- und hintereinander im Zweitereihe-Parken. Aber das Nicht-Antreffen des Empfängers wird ein zunehmendes Problem. In Dörfern wäre es z.B. möglich, dass in Dorfzentren das Annehmen von Paketen als Dienstleistung angeboten wird. Das jeder Pakethändler seine eigenen Accesspoints betreibt sehe ich dabei nicht als zukunftsweisend.

Die Dörfer müssen langsam ihre Strukturen verändern und verbessern.

Was nicht geht und was viele Autor*innen leider tun ist zu sagen: „Auf dem Lande zu leben bedeutet einfach, dass man längere Strecken zurücklegen muss und die Gesellschaft muss das ermöglichen, Wenns nicht anders geht dann eben mit dem Auto“

Nein, das geht heute nicht mehr in Zeiten des Klimanotstands. Es reichen eben nicht die Elektromobilität, oder neues Sharing-Angebote. Wir müssen verändern, WIE wir uns bewegen, wie woft, wie lang und wohin. Nur dann kann es sowohl eine Mobilitäts als auch Klimaschutzwende geben.

Das alles geht nicht von heute auf Morgen. Aber es führt kein Weg daran vorbei. Und das Auto muss sowohl in der Stadt als auch auf dem Land zurückgedrängt werden. Mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen. Auch und nicht zuletzt, weil es nicht sein kann, dass Menschen wegen der guten Luft aufs Land ziehen, nur um dann täglich in die Stadt zu pendeln und dort die Straßen mit Stickoxid und Feinstaub zu belasten. Und damit die Luft anderer Menschen. Und auch damit insgesamt die Belastung zu erhöhen, nur für sich selbst eine nette Lösung zu haben.

Written by tlow

31. Juli 2019 at 08:28

Die zwei Arten über die #Klimakrise zu sprechen

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Eine Erkenntnis der letzten Monate war bei mir, dass es zwei fundamental unterschiedliche Sichtweisen gibt, wenn es um die Klimakrise geht. Und wenn man die Debatte begleitet erklärt das auch so manche gegenseitigen Missverständnisse:

1.) Der „Klimawandel“, auf den wir langsam reagieren

Diese Sichtweise hat sich traditionell daraus entwickelt, dass die Gesellschaft einen Erkenntnisgewinn über ein „neues“ Problem hat. Es gibt bestimmte Symptome und im Bereich Umwelt findet die Wissenschaft Erklärungen für die Ursachen. Wir kennen das aus der Vergangenheit beim Thema Atomkraft/Radioaktivität oder Saurem Regen/Waldsterben oder durchaus auf Braunkohletagebau (und die Kritik der Umweltzerstörung), oder FCKW/Ozonschicht oder verschmutzte Flüsse/Seen. Die Politik reagiert dann mit neuen Gesetzen, Verordnungen oder z.B. mit einem neuen Ministerium wie 1986 mit dem Umweltministerium. Im Idealfall führen dann die Maßnahmen langfristig zu einer Änderung. Bei der Wahl der Maßnahmen wird dabei oft die Umwelt nicht an erster Stelle betrachtet, sondern die Wirtschaft und die Arbeitsplätze – man will etwas ändern, aber der Ausgleich aller Interessen steht im Mittelpunkt. Moderne Industriepolitik im Kapitalismus. Die Parteien und die Gesellschaft betrachten den „Klimawandel“ als „yet another problem“, auf das wir mit „altbewährten Reaktionsmuster“ reagieren. Das dauert dann halt auch mal 20 Jahre oder länger.

Hier wird von der Vergangenheit oder Gegenwart die Zukunft betrachtet.

2.) Die „Klimakrise“, die radikale Maßnahmen erfordert

Hier betrachtet man die Gegenwart aus der Sicht einer möglichen oder wahrscheinlichen Zukunft. Zum einen einer Zukunft, die wünschenswert wäre und andererseits aus einer Worst Case-Perspektive – wenn vieles falsch laufen würde!

Es geht hier also darum um jeden Preis eine Zukunft zu verhindern, in der ein Weiterleben der Menschen gar nicht oder nur unter sehr schlimmen Bedingungen möglich wäre. Diese Sichtweise ordnet Legislaturperioden, Wählerpotentiale, Industriepolitik, wirtschaftliche Entwicklungen und Arbeitsplätze alle als mindestens zweitrangig unter das Erreichen bestimmter Ziele, wie z.B. das einer maximalen Erwärmung. Vielleicht vergleichbar mit einem Schlingerkurs eines Fahrzeugs auf einer Straße, bei dem die Lenkerin weniger auf Lackschäden und eleganten Fahrstil achtet als darauf das eigene Leben und das ihres Umfeldes zu schonen. Hauptsache Überleben. Wie ist erst einmal unwichtig!

Das ist die Perspektive weniger Politiker*innen, aber vieler Wissenschaftler*innen, Klimaaktivist*innen und der Fridays For Future-Bewegung. Die Kritik an dieser Sichtweise ist meist: „zu radikal“ oder „nicht abgewogen“ – Berücksichtigung anderer Interessen fehlt.

Ein klassisches Beispiel der Reaktion sehen wir bei diesen drei Herren:

Ich betrachte es allerdings eher so, dass es wichtig ist den Charakter eines Problems zu erkennen und darauf dann konsequent und folgerichtig zu reagieren. Eben so, dass es möglich ist z.B. eine Klimakatastrophe abzuwehren. Das kann nicht gelingen, wenn man Fortschritte und die Erreichung von Zielen abhängig macht von Stimmungen. Klar braucht Politik Mehrheiten. Aber wenn die Politik sich immer alle Optionen offen hält und von sich aus nicht glaubwürdig für einer Verkehrswende oder eine radikal andere Umweltpolitik argumentiert, kommt bei den Wähler*innen halt auch an, dass es eigentlich auch alles nicht so dringlich und wichtig ist. Momentan erleben wir eine Phase, in der es eher umgekehrt so ist, dass die Politik getrieben wird, weil sie sich jahrzehntelang zu wenig bewegt hat. Natürlich nicht „gar nicht“. Aber beim Klima gibt es eben keine Punkte für die Kür. Nur das Ergebnis zählt. Auch wenn eine Lawine einen Abgang macht, reicht es nicht, wenn man ihr zu 60% ausweichen kann. 100% oder Ende.

Und da fehlt es trotz aller Erkenntnis eben bei der Politik noch am angepassten Bewusstsein. Und man öffnet damit dann auch Klimaspinnern von der AfD und ihrer Argumentation Tür und Tor. Wir haben eben nicht die Zeit zu warten bis auch der Letzte es kapiert hat und sich freiwillig bewegt. Wir können 2019 nicht immer noch darüber streiten, ob man es Autofahrer*innen zumuten kann ihre maximale Geschwindigkeit auf Autobahnen nicht auszufahren. Diese kleine Einzeldebatte zeigt den ganzen Wahnsinn. Selbst dann, wenn es quasi gar keine Einschränkungen gibt, ist die Politik nicht bereit zu handeln . Eine Millionen Tonnen CO2 einsparen? Ist doch egal sagt vor allem die CDU/CSU. Aber die SPD macht auch keine Anstalten hier zu sagen: Entweder springt ihr über diesen Stock oder wir machen nicht mehr mit. Wegen der Gesamtverantwortung. Und eben auch aus Sicht der SPD weil Klimaschutz so wichtig dann doch nicht ist.

Das Ganze findet so oder ähnlich natürlich auch in Kiel diskursiv statt. Vielen auch in Politik und Verwaltung ist bewusst, dass die Ziele im Masterplan 100% Klimaschutz unzureichend sind. Es wurde z.B. ja auch gerade der „Klimanotstand“ in Kiel ausgerufen. Aber Kiel war vorher auch schon „Klimaschutzstadt“. Was bedeutet es denn dann? Was ändert sich jetzt?

Papier ist geduldig und Begriffe alleine helfen uns nicht weiter.

Häufige Missverständnisse bei #Luftschadstoffen und #Verkehrswende

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Bei einer Diskussion ist mir noch mal bewusst geworden, wo ein häufiges Problem gerade bei der Frage des Stickstoffdioxids und Verkehrswende besteht:

Auch Menschen, die pro Verkehrswende sind denken oft in langfristigen Strategien. Maßnahmen, die Jahre zur Umsetzung brauchen. Und die ggf. auch dann in 20 Jahren sehr wirksam sind. Bei den Überschreitungen der Stickstoffdioxids und den Klagen der DUH geht aber nicht primär um eine langfristige Verkehrswende, sondern darum, in den kommenden Wochen und Monaten eine deutliche Reduzierung der NOxe bei den Betroffenen zu erreichen.

Welche Maßnahmen können da helfen? Eigentlich nur Fahrverbote, Sperrungen und Tempolimits. Es fallen weg Maßnahmen, deren Wirksamkeit unklar ist, oder notwendige Baumaßnahmen, Appelle an Autofahrer*innen oder die Bevölkerung, Aufrufe an die Autohersteller,… Alles uninteressant, weil es keine erwartbaren Effekte gibt oder die Effekte erst in Jahren wirksam werden, wenn überhaupt.

Insofern ist das eine Ebene, die sich von der klassischen Verkehrswende, die eher langfristig denkt, klar abzugrenzen! Es muss sich nicht widersprechen, aber diese Frage kann nicht untergeordnet behandelt werden. Für Kommunen heißt das, dass sie diese Frage prioritär beantworten müssen. Vielfach wäre es auch möglich gewesen, die Situation in Städten wie Kiel in den letzten zwei Jahren befriedigend zu lösen, wenn man denn bereit gewesen wäre konsequent zu handeln. Es fehlte aber an Bereitschaft und Entschlossenheit. Denn bereits bei der langfristigen Verkehrswende wegen Kohlendioxid zeigte man sich träge.

Written by tlow

24. August 2018 at 22:00

Veröffentlicht in Umwelt, Verkehr

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