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Diskussion um #Katzheide findet kein Ende #rvkiel

Am 16. Februar beschäftigte sich die Ratsversammlung erneut mit dem Thema „Freibad Katzheide“. Anlaß war der Bericht zur Bürgerbeteiligung und die Geschäftliche Mitteilung von Stadtrat Stöcken.

Bleibt Katzheide erhalten?

Diese Frage müsste man nach der aktuellen Beschlusslage mit „JA“ beantworten. Denn die Ratsversammlung hat dem Bürgerbegehren, dass vom  Verein „Katzheide: JA!“ initiiert wurde mehrheitlich zugestimmt. Eine Abkehr wäre eine Umkehr des Beschlusses. Diese Umkehr ist allerdings nicht zu sehen. Allerdings gibt es auch noch keine absehbare Richtung, wie Katzheide erhalten wird. Bisher ist man nicht bereit eigenes Geld in die Hand zu nehmen.

Eine kurze Zusammenfassung dessen, was bisher geschah

Das Freibad Katzheide wurde 1960 erbaut und 1993/1994 grundsaniert. Dabei hat man in den 90ern bei der Sanierung gespart und z.B. auf die Verwendung von Edelstahlbecken verzichtet. Das dies zu einem erhöhten Reparaturaufwand führen würde hat man gewusst und bewusst in Kauf genommen. Allerdings wurde dieser erhöhte Aufwand dann auch zum Argument gegen den Weiterbetrieb.

Aufgrund des Bädergutachtens 2004/2005 entschied sich die Ratsversammlung dafür Bäder wie Katzheide und die Lessinghalle zugunsten eines neu zu bauenden Zentralbades zu schließen. In einem Papier der IG Sportpark, dass zusammen mit der Stadt entwickelt wurde, sollte Katzheide in den Sportpark integriert werden. Unter den Stichworten „ganzjährig“ und „öffentlich“. Also keine Zugangskontrollen  mehr. Ein regulärer Badebetrieb schien damit ausgeschlossen.

Es gab seitens der Stadt verschiedene Versuche das Bad zu schließen. Besonders lustig wurde es um einen ominösen Fleck, der dann zur Sperrung in der Saison 2015 geführt hat. Allerdings ergaben spätere Kontrollen, dass es nie ein Risiko gegeben hat. Sowohl die Sperrung als auch die Auflösung wurden dabei medial seitens der Stadt inszeniert.

Der Weg zum Bürgerbegehren

Allerdings hat die Stadt in dieser Zeit selber nie ein Alternativkonzept erstellt. Dies sollte sich dann aus einer Bürgerbeteiligung ergeben.  Der Verein Katzheide: JA! kam dieser Bürgerbeteiligung 2015 mit dem Start eines Bürgerbegehrens zuvor. Ein Bürgerbegehren ist das Sammeln von Unterschriften zur Durchführung einer Abstimmung aller EinwohnerInnen (Bürgerentscheid). Nach nur wenigen Monaten hatte der Verein so viele Unterschriften, dass ein Entscheid hätte durchgeführt werden müssen.Es gab formal keine Fehler ,die Ratsversammlung stimmte dem Bürgerbegehren zu, was einem erfolgreichen Bürgerentscheid gleichkäme.

Eine Gläserne Akte online, wie vom Verein gefordert, wurde lange Zeit nicht erstellt und kam in anderer und lückenhafter Form dann erst mit dem Weg zur Bürgerbeteiligung.

Die Bürgerbeteiligung

Allerdings wollte die Stadt jetzt doch noch wieder eine Bürgerbeteiligung. Anders als zugesagt war diese jedoch nicht von vorneherein ergebnisoffen. Den Bürgern wurde mitgeteilt, dass ihr „Auftrag“ sei, eine Lösung  zu finden:“Wie kann das Areal in den Sport-  und Begegnungspark Gaarden integriert werden?“ (siehe Handzettel).

Dies führte auch angesichts des erfolgreichen Bürgerbegehrens bei der ersten Veranstaltung der Bürgerbeteiligung teilweise zu tumultartigen Szenen und hoher Frustration seitens der Menschen, die eigentlich an einer konkreten WEITERENTWICKLUNG interessiert waren und nicht an einer Auflösung durch Integration in den Sportpark.

Und heute?

Es ließe sich noch über vieles berichten: Über die Rolle (oder auch nicht) der Brückengruppe, über Falschinformationen, über die fehlende Dialogbereitschaft der Stadt.

Über die Ratsversammlung vom Februar 2017 berichteten die Kieler Nachrichten. Die entscheidende Passage:

Beim Thema Katzheide zeigten sich dagegen wieder die alten politischen
Konstellationen: Einmütig versicherten SPD, Grüne und SSW, das Freibad
erhalten zu wollen, aber nicht in der jetzigen Form. „Eine
Weiterentwicklung ist unbedingt nötig“, erklärte Wolfgang Schulz (SPD)
und kritisierte wie Kiels Sportdezernent Gerwin Stöcken (SPD) den
Verlauf der Öffentlichkeitsbeteiligung für das Freibad. Nur die Kinder
und Jugendlichen hätten ernsthaft Alternativen zum Sommerbad diskutiert,
so Stöcken. „Bei den Erwachsenen haben wir noch Übungsbedarf“, zeigte er
sich enttäuscht über die geringe Beteiligung an den
Informationsveranstaltungen. Die Integration des Sommerbades in den
Sport- und Begegnungspark sei gar nicht behandelt worden.

Unterstützung bekam Stöcken von Michael Frey (CDU). Einigen sei es nur
darum gegangen, alles zu erhalten, wie es sei, kritisierte er. Man habe
die Bürger verschaukelt, die nicht über eine „Schrumpfversion“ des Bades
reden wollten, konterte Stefan Rudau (Linke), wie Andreas Regner (WIR)
Mitglied in der Bürgerinitiative „Katzheide Ja“: „Wir wollen das Freibad
erhalten – mit 50-Meter-Becken und Sprungturm.“ Es folgten gegenseitige
Vorwürfe, sodass Stadtpräsident Hans-Werner Tovar zur Mäßigung mahnen
musste. So warf SPD-Ratsherr Torsten Stagars Regner vor, im
Beteiligungsverfahren Kinder manipuliert zu haben, was dieser als
„unwahr“ zurückwies und von „Betonköpfen in der SPD“ sprechen ließ.
Während Stagars auch die Idee einer „Traglufthalle“ für das Bad ins
Gespräch brachte, warnte Kruber vor der Illusion, „dass für Katzheide
große Geldfässer zur Verfügung stehen“. Stöcken betonte, dass es aus
Sicht der Stadt eine klare Reihenfolge gebe: Zunächst stehe das
Hörn-Bad, das noch 2017 eröffnet werden soll, im Blickpunkt. Dann komme
Schilksee, dann Hammer, „und da wird Katzheide sich einreihen müssen“.

Ich möchte hier noch einmal insbesondere auf Ratsherrn Michael Frey (CDU) eingehen. Er ist (noch) sportpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Hier mal ein Beitrag von ihm vom Anfang des Jahres 2015:

Seine Argumente damals mal zusammengefasst: Die Stadt hat da nie viel Geld investiert – und jetzt kommt das Zentralbad und daher einfach schließen. S.a. mein Artikel von damals dazu. Wie ich aber oben schon ausführte, war die damalige Inszenierung einer angeblich totalen Irreparabilität nicht nachhaltig aufrecht zu erhalten und hielt einer genauen Prüfung nicht stand. Das schien viele in der Kieler Politik eher zu ärgern als zu freuen.

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Die CDU macht weiter Druck in Sachen Eiderbad und fordert einen umgehenden Einstieg in die Sanierung. Andernfalls, so fürchtet Ratsherr Michael Frey, könnte auch die Saison 2017  schon gelaufen sein. KN-Artikel  (Bildrechte: Martin Geist)

Wenn Herr Frey so ein Fiskalkonservativer ist, wie er sich zu Katzheide gab, so erstaunt es auf den ersten Blick, wenn man ihn beim anderen Freibad „Eiderbad“ (nicht beheizt) durchaus sehr engagiert erleben durfte. Und für das Eiderbad gab es dann auch vom Rat schnell auch Geld, während man bei Katzheide auf Gelder noch heute wartet.

Warum also misst Herr Frey offenbar mit zweierlei Maß? Weil er selbst Direktkandidat im Wahlbezirk 15 (Russee/Hammer war) und auch dort wohnt. Das heißt sein Sitz im Rat mit all dessen Vorteilen hängt an seiner Wiederwahl. Die hat er letztes mal mit knapp drei Prozent Vorsprung zu seinem SPD-Kollegen Michael Wagner gewonnen. Eine Politik, die sich aber nur an dem eigenen, persönlichen Wahlerfolg orientiert und so offensichtlich nur dazu dient die eigenen  Pfründe zu sichern führt die Idee des Direktkandidaten ad absurdum. Gerade als sportpolitischer Sprecher sollte er ja für alle Stadtteile eintreten, auch wenn er damit nicht seine Wiederwahl fördert.  Denn es ist ansonsten nicht nachvollziehbar, warum beim Eiderbad die Gelder so locker abrufbar sind, während es in Gaarden nicht reicht sowohl ein Bürgerbegehren erfolgreich zu Ende zu bringen als auch eine überwältigende Mehrheit und eindeutige Ergebnisse einer Bürgerbeteiligung.

Was dann kommt ist  ein Rüffel der Moderatorin der Bürgerbeteiligung, Zitat:

Aus Sicht der Prozessbegleitung und Moderation ist zu resümieren:
Schon zu Beginn des Verfahrens zeichnete sich eine deutliche Gegenwehr der beteiligten Akteure
gegenüber dem Vorhaben ab. Kennzeichnend dafür war eine differenzierte Ausgangssituation
hinsichtlich der formulierten Aufgabenstellung.
Die zahlenmäßig größte und inhaltlich dominierende Gruppe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
interpretierten das Ergebnis des Bürgerbegehrens und der Ratsbeschlüsse in dem Sinne, dass das Bad
im jetzigen Zuschnitt zu erhalten sei. Gesprächsbereitschaft zur Weiterentwicklung legte dieser Teil
der aktiven Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht an den Tag. Das massive Auftreten dieser
Beteiligungsgruppe erzeugte ein Klima, in dem abweichende Meinungen kaum vorgetragen wurden.
Von Beginn an definierte sich der aktive Teil der Bürgerschaft aus dem Verein Katzheide JA und der
Wählergemeinschaft Wir in Kiel e.V. Insofern war der Teilnehmerkreis nicht nur eingeschränkt in der
Teilnehmerzahl, sondern auch in seinem Meinungsbild stark voreingenommen. Dies führte zu
kontroversen und teils aggressiven Auseinandersetzungen im Rahmen der Kommunikation.
Veranstaltungen und deren Abläufe wurden bewusst gestört und Einfluss auf die Verfahrensweise
genommen. Dies führte teilweise zum Verlust der bis dahin aktiven interessierten Bürgerinnen und
Bürger.

Einiges ist hier schräg: In seiner Geschäftlichen Mitteilung legt Herr Stöcken eine kleine Statistik vor: An der ersten Veranstaltung, die anders als der Titel es suggeriert keine Informationsveranstaltung war, sondern bei der bereits Vorschläge eingebracht werden konnten, bzw. die Stadt ihre schräge Sicht der Dinge und ihren „Auftrag“ formulierte, kamen 110 TeilnehmerInnen. Zu dem Zeitpunkt hatte der Verein Katzheide: JA! vielleicht 30 Mitglieder (von denen ca. 10-12 anwesend waren) und soviel ich weiß  waren von WIR in Kiel auch keine Massen (vielleicht 1-2) vor Ort (ohne, dass ich etwas über deren Mitgliederzahl aussagen kann). D.h. bei der ersten  Veranstaltung. Das heißt maximal 8 Prozent der TeilnehmerInnen waren Vereinsmitglieder, was nicht ein mal irgend eine Einschränkung bedeuten sollte. Deutlich wurde jedoch, dass Frau Fischer-Gäde als Moderatorin total überfordert war zwischen den Anforderungen der Stadt, die keine Weiterentwicklung wollte, sondern die Umsetzung der Vorgaben und der Mehrheit der Anwesenden, die die primäre Sorge um den Erhalt umtrug.

Grund für das Dilemma war, dass die Zusage eines offenen Prozesses nicht eingehalten wurde. Der Charakter der Veranstaltung spiegelte weder das Ergebnis des Bürgerbegehrens wieder, noch war Thema, wie man Katzheide weiterentwickeln konnte. Es sollte um Sichtachsen gehen, ums das Abholzen von Bäumen und Sträucher, um das Entfernen des Zauns um für Öffentlichkeit zu sorgen, um neue Wege. Katzheide selbst als Thema sollte nicht angesprochen werden. Und das wurde auch auf Nachfrage mehrfach bestätigt. Auftrag war die Integration in den Sportpark  – und da störte der Schwimmbetrieb. Denn wie eine öffentlich zugängliche Fläche mit einem Schwimmbetrieb eines Freibades zu vereinbaren wäre, konnten auch die Experten nicht ansatzweise erklären. Es war also schnell klar: Integration ODER Weiterentwicklung und Letzteres war per Definition  ausgeschlossen, obgleich es immer die Überschrift war. Die Stadt wollte eine Nachnutzung und keine Fortführung. Und das widersprach ihrem eigenen Beschluss aus dem Oktober, wo sie die Kernaussage des Bürgerbegehrens übernommen hatte, um nicht zeitgleich mit der Olympiaabstimmung noch eine deutlichere Niederlage dokumentiert haben zu müssen. Durch das Eingreifen der Moderation wurde die Beteiligung der Bürger ausgebremst und sie konnten sich nicht so  beteiligen wie sie wollten. Ich wäre an dem Abend auch am liebsten nach den ersten 2 Minuten gegangen, weil mir klar wurde, das Bürger hier unerwünscht waren. Die Moderation hat hier total versagt und sich mehr darum gekümmert, dass auf keinen Fall von den Vorgaben abgewichen werden konnte und auch das Thema Katzheide ausgeklammert blieb.

Die Abnahme an weiteren Veranstaltungen rührt auch daher, dass zum einen, wie Herr Stöcken im Nachhinein richtig feststellt 9000 BürgerInnen bereits klargemacht hatten, dass  sie klar für den Erhalt von Katzheide sind. Aus Sicht der Katzheide-Befürworter hätte es auch gar keine teure Bürgerbeteiligung gebraucht. Ich war selbst Teil des Vereins und kann aus den internen Diskussionen soweit berichten, dass es auch die Meinung gab, wir sollten uns daran nicht beteiligen, weil genau das befürchtet wurde, was dann eingetreten war: 1.) Das es Vorgaben der Stadt geben würde, die eine Ergebnisoffenheit ausschließen würde und 2.) Das die Stadt hinterher das Ergebnis verdrehen würde und entweder unseren Input ignorieren oder marginalisieren würde.

Frau Fischer-Gäde hat mit ihrer Moderation und ihrem Bericht nun Herrn Stöcken das Beste geliefert, was sie konnte: Die Beteiligungsveranstaltung, die sie selber geleitet hat zu entwerten, im Wesentlichen, weil nicht das Ergebnis heraus kam, was man haben wollte. Üblicherweise stehen in Kiel ja die Ergebnisse schon fest. Die Beteiligung der Bürger erfolgt pro Forma, damit keiner sagen kann er wurde nicht gefragt. Nun wollten aber die Katzheide-Befürworter es der Stadt Kiel nicht auch noch erleichtern ihr Wort ein weiteres mal zu brechen. Daher will nun auch Stöcken das Ergebnis der Bürgerbeteiligung entwerten. Denn es kann nicht so gewertet werden, dass es die eigene Position stützt.

Herr Stöcken schreibt „Die Kinder- und Jugendbeteiligung konnte als ergebnisoffene Auseinandersetzung erlebt werden.“. Damit meint er wohl, dass es die Einzige war, die im angedachten Rahmen blieb und den Rahmen der Nicht-Offenheit auch nicht gefährdete.

Liebe Stadt  es geht so nicht: Man muss das Feedback der Bürger ernst nehmen. Und wenn die Mehrheit sich für etwas einsetzt, was nicht euer Ziel ist, dann muss bei EUCH das Umdenken beginnen. Und ihr nicht an Punkten festhalten, die ihr bereits 2010 in Papieren vorher festgelegt habt.

Dabei wollte Kiel doch nun besonders bei dem Thema „Bürgerbeteiligung (siehe dort)“ punkten! Wobei vielleicht bezeichnend ist, dass 8 Einwohner, die von der Verwaltung ausgewählt sind sich an dem Verfahren für die Entwicklung neuer Leitlinie beteiligen dürfen. Wenn man überlegt, dass der Stadt ca. 150 Menschen für das Verfahren um Katzheide zu wenig waren, wie sieht es dann mit 8 Menschen aus, die sich für die Zukunft der Bürgerbeteiligung beteiligen dürfen? Die wurden nicht einmal von den Bürgern gewählt, können also nicht die Kieler EinwohnerInnen repräsentieren.

Eine Zwischenbilanz

Unter dem Strich kann man wohl als Zwischenbilanz ziehen: Die Stadt Kiel nimmt es nicht ernst mit der Bürgerbeteiligung. Das heißt also auch, dass sie die BürgerInnen nicht ernst nimmt. Das hat sie mit der Auswertung des Beteiligungsverfahrens um Katzheide bewiesen. Wenn ein Verfahren offen ist, so muss man auch das Feedback der Bevölkerung so nehmen, wie es kommt. Stattdessen stellt man sich schulmeisterlich hin und stellt es so dar, als wenn die BürgerInnen das Thema der Hausaufgaben verfehlt hätten.

Wahr ist aber Folgendes:

  • 9000 WählerInnen haben beantragt, dass eine Abstimmung stattfindet,  dass Katzheide so erhalten bleibt, wie es ist. Die Stadt hielt einen Bürgerentscheid nicht nötig. Daraus kann man nur schließen, dass sie den Zielen des Vereins „Katzheide: JA!“ voll und ganz zustimmt. Ohne den Verein wäre Katzheide übrigens aufgrund von Aktionen der Stadt bestimmt schon fünf mal geschlossen worden. So wie damals die Lessinghalle
  • Ca. 150 EinwohnerInnen haben trotz starker Zweifel an der bereits 2010 angedachten und 2016 durchgeführten Bürgerbeteiligung teilgenommen und sich dafür Zeit frei genommen. Es wurde versichert das alles an Feedback aufgenommen würde.
  • Nun heißt es: Es waren zu wenige und es war das falsche Feedback. Nicht die Stadt habe Fehler gemacht, nein man hätte gerne andere BürgerInnen, die die Weisheit der Stadt einfach nur annehmen und nicht wirklich mitreden wollen. Ja die Kinder und Jugendlichen kommen den schon nahe, wenngleich die leider auch nicht begeistert auf den „Wir müssen alles verkleinern“-Zug aufgesprungen sind.

Der Geist der Veranstaltung war davon geprägt, dass Katzheide als Überbleibsel einer vergangenen Zeit dargestellt wurde. Es sei ja bundesweit üblich das sich die durchschnittliche Schwimmfläche verkleinere. Wahr ist auch, dass immer mehr Freibäder und Schwimmhallen schließen.  Nur ist auch die Frage wohin es führt, wenn wir Infrastrukturen verkommen lassen und schließen. Aktuell gerade steht in Timmendorfer Strand die Schließung der Eissporthalle an. Davon gibt es kaum welche in Schleswig-Holstein. Auch hier die Frage ob nicht eine Schließung für die Region  weitere Auswirkungen haben wird.

Um Kiel herum steht die Schließung des Freibades Raisdorf/Schwentinental zur Debatte und die Schließung der Laboer Schwimmhalle. Für das ursprüngliche Konzept der Neuordnung der Kieler Bäderlandschaft würde beides eine große Änderung der Situation bedeuten. Z.B. evt. ein vielfaches an Besuchern in Katzheide für Freunde des Freibadens. Schon heute reicht die Schwimmfläche in Kiel nicht und es ist fraglich, ob die neue Schwimmhalle an der Hörn überhaupt in der  Lage ist allen Nutzungen gleichzeitig gerecht zu werden.  Z.B. würde sie bei einer Sperrung dann den gesamten Schwimmbetrieb in ganz Kiel lahmlegen .Insbesondere wenn auch noch die Halle in Schilksee und die Gaardener Schwimmhalle schließen (Letzteres steht fest, Ersteres ist noch immer nicht vom Tisch).

Nach wie vor erscheint die Strategie Kiels alles auf eine Karte zu setzen nicht besonders intelligent. Seit Jahrzehnten ist dadurch die Schwimmsituation in Kiel völlig unzureichend. Und das in einer Stadt, die immer gerne behauptet „Weltsegelhauptstadt“ zu sein. Nur das sich dieser Anspruch nicht in praktischer Politik niederschlägt. Was das Schwimmen angeht ist man einfach tiefste Provinz.

Bisher war die Stadt die letzten 10 Jahre nicht im Stande einen einzigen klaren Gedanken zu Katzheide zu formulieren, geschweige denn ein Konzept oder eine Idee davon, wie  es in 10 oder 20 Jahren aussehen soll. Die BürgerInnen haben dazu viele Ideen eingebracht. Die landen jetzt offenbar alle in der Schublade, weil die Stadt wieder meint es besser zu wissen. Nur was sie will, scheint sie selber nicht zu wissen. Eine Stadt ohne Visionen wie ein Kind, dass nur weiß, was es nicht will und alle Vorschläge der Eltern ablehnt.

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Trübe Aussichten für #Katzheide

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Da das Wetter ein sehr unberechenbarer Faktor ist, wäre es auch möglich, dass sich das Wetter genau dann verschlcehtert, wenn Katzheide eröffnet. Damit hätte man dann bereits einen Großteil der Saison verschlafen.

Ich höre und lese zwar Worte, die darauf hindeuten könnten, dass die Stadt umdenkt, allein: es fehlen die Belege und der Glaube an einen Sinneswandel. Warum so skeptisch? Weil die Geschichte seit 2009 und eigentlich schon davor gezeigt hat, dass die Stadt trotz deutlicher Stimmungslage pro Katzheide ihren Weg weitergegangen war die Schließung voranzutreiben.

 

Öffnungszeiten #Katzheide erst ab 13.6.

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Die Antworten, die ich von Stadtrat Stöcken bekam, bekamen offenbar viele im gleichen Wortlaut:

Die Frage des Zeitpunktes der Öffnung von Katzheide ist eng verbunden mit dem Schwimmunterricht von Kieler Schulen in der Schwimmhalle in Gaarden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Schwimmhalle in Gaarden betreuen auch das Sommerbad Katzheide. Die Lehrerinnen und Lehrer der Schulen haben sich nicht dazu entscheiden können, den Schwimmunterricht nach Katzheide zu verlegen, so dass ich mich nach Beratung im Ausschuss für Schule und Sport entschieden habe, die Schwimmhalle in Gaarden für den Schwimmunterricht offen zu lassen, damit alle Kinder die Möglichkeit behalten, das Schwimmen zu erlernen.

Der Betrieb eines Freibades kann nur durch Fachpersonal sichergestellt werden. Zusätzliches qualifiziertes Personal zu finden ist derzeit äußerst schwierig, so dass eine gemeinsame Öffnung der Schwimmhalle und des Sommerbades schon aus personeller Hinsicht aktuell nicht darstellbar ist.

Ich bin mir sicher, dass Sie dieses Vorgehen nachvollziehen können.

Das Sommerbad öffnet am 13.6. 2016. Diese Information ist auf der Internetseite der Kieler Bäder auch hinterlegt. Ob ein Hinweis direkt vor Ort eine weitere Informationsquelle sein kann, lasse ich prüfen.

Hier ein Foto des nun doch installierten Hinweises:

oeffnungszeiten_katzheide

Hinweis fotografiert am 12. Mai

Man muss dazu noch einiges Wissen:

  1. Schulschwimmen man (nur) ungefähr 1/4 der Besucher aus. Welche Schulen sich weigern in Katzheide zu schwimmen und welche Gründe sie nennen, wäre zu prüfen.
  2. Wir gehen also jetzt davon aus, dass die Stadt dennoch aktiv nach Schwimmeistern sucht.

Offenbar ist damit die Situation in Kiel anders als im Rest von Schleswig-Holstein. Denn so hat z.B. Raisdorf, das nächste beheizbare Freibad seit dem 1. Mai geöffnet und auf der Karte der KN konnte ich kein einziges (nicht-beheizbares) Freibad finden, dass nicht schon am Mai eröffnet.

Da das Wetter ein sehr unberechenbarer Faktor ist, wäre es auch möglich, dass sich das Wetter genau dann verschlechtert, wenn Katzheide eröffnet. Damit hätte man dann bereits einen Großteil der Saison verschlafen.

Hat Kiel eventuell bei der ganze Vorbereitung der Bürgerbeteiligung versäumt sich auf den Normalbetrieb vorzubereiten? Ich will ja nix sagen, wenn wir jetzt einen verregneten Mai hätten  – würde keiner was merken. Aber der Mai scheint mir einer der besten Mai-Monate zu sein der letzten Jahre.

Einen wichtigen Hinweis erhielt ich noch: Und zwar das bei dem immer verbreiteteren Ganztagesbetrieb an Schulen, die Kinder später aus der Schule kommen. Der Weg zum Strand und zurück ist dann häufig zu lang, um noch eine sinnvolle Zeit dort zu verbringen. Insbesondere verknüpft mit einem anderen Hinweis: Das nämlich die KVG oft Kinderwägen und Rollstuhlfahrer wegen Überfüllung nicht in Richtung Strand oder zurück mitnimmt. D.h. eine Familie kann gar nicht immer davon ausgehen, dass sie in einer bestimmten Zeit fahrplanmäßig mit dem Bus am Strand ankommt.

Von Gaarden (Karlstal) bis Mönkeberg (Eksol) sind es 15 Minuten Fahrzeit mit dem Bus. Die Öffnungszeiten Katzheide gehen davon aus, dass eine 3/4 Stunde das Minimum sind, was Mensch braucht um im Wasser zu sein. Bei Abfahrt 16.36 wäre eine Familie 16.51 in Mönkeberg. Die Haltestelle ist recht weit vom Strand weg. Für ne Familie gehe ich mal von mindestens 15 Minuten Fußweg aus und mindestens 15 Minuten bis sie badefertig sind. Wären sie also frühestens halb 6 im Wasser. Und dann 18.15 wieder raus. Dann also frühestens 18.45 wieder an der Haltestelle Eksol. 18:52 fährt dann der nächste Bus. Gehen wir mal davon aus, den kriegen sie nicht (Wegen Überfüllung o.ä.) , dann würden sie den nächsten nehmen. Also 19.17 Uhr und wären dann 19.39 Uhr wieder im Karlstal. Dann kämen vermutlich die Kinder unter der Woche frühestens um 21.30 Uhr ins Bett, wenn sie morgens dann früh zur Schule müssten?

Da dürfen mir Familien gerne ihre Erfahrungen und Einschätzungen schildern, entweder als Kommentar zu diesem Artikel oder per Email. Beim Freibad Katzheide sieht die Rechnung natürlich ganz anders aus: Weder müssen sie sich in die überfüllten Busse zwängen, die sie evt. gar nicht mitnehmen (hätten wir wie jede ernstzunehmende Großstadt schienengebunden Verkehr, wäre das anders) , noch müsste man die Kinder hetzen, damit man möglichst den richtigen Bus so eben noch erwischt. Eine Gaardener Familie braucht zu Fuß zwischen einer Minute (direkte Nachbarn) bis maximal 20 Minuten nach Katzheide. Mit dem Rad natürlich schneller.

 

Written by tlow

13. Mai 2016 at 08:38

Zweifel an Kieler Bäderpolitik #katzheide #kielerbäder

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Schwimmen kommt vor Segeln! KIEL.SAILING CITY muss allen Bürger/innen die Möglichkeit bieten, Schwimmen zu gehen. Allen Kindern und Jugendlichen muss die Gelegenheit gegeben werden – zu guten Bedingungen und zu günstigen Preisen – das Schwimmen zu erlernen und zu verbessern. (Quelle: Drucksache 1190/2004, Rahmenbedingungen für ein Handlungskonzept „Kieler Bäderlandschaft

2004 wurden die Ergebnisse des Kieler Bädergutachtens bekannt. Dies riet u.a. zu einer generellen Attraktivitätssteigerung und schlug verschiedene Varianten für die Zukunft vor. Die Kosten für eine Instandsetzung und Attraktivierung sämtlicher Bäder wurden damals auf 17 Millionen beziffert. Die Schwimmhalle Schilksee galt damals als einwandfrei.

Fertigstellung 2016? Pustekuchen!

Fertigstellung 2016? Pustekuchen!

Die Lage heute stellt sich anders dar:

  1. Den höchsten Investitionsbedarf hat die Schwimhalle Schilksee, die im Bädergutachten am schlechtesten wegkam, was die Auslastung und den Zuschußbedarf angeht.
  2. Das neue Zentralbad („Kompromißbad“) wird bis 2017 nicht fertiggestellt, sondern erst zum Wahljahr 2018 (und damit zwei Jahre nach der Planung).
  3. Das Freibad Katzheide soll 2016 wieder eröffnet werden. Trotz Annahme des Bürgerbegehrens ist aber der langfristige Weiterbetrieb über 2018 hinaus nicht gesichert.
  4. Nun muss auch im Eiderbad plötzlich saniert werden. Wovon niemand 2015 etwas zu wissen schien?
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Darstellung des Zuschußbedarfs der Kieler Bäder

Man hätte damals aus diese Erkenntnisse auch den Schluß ableiten können, dass man das Bad mit dem höchsten Zuschußbedarf nicht halten kann. Man hat aber das Gegenteil getan und wollte Katzheide schließen, was neben dem Eiderbad Hammer den geringsten Zuschußbedarf hat. Man sieht an diesen Zahlen schon, dass es immer wenig um die Zahlen und ums Sparen ging.

Interessant auch, wie Herr Stöcken von der SHZ zitiert wurde:

Stöcken gibt sich in der Bewertung der prekären Lage zurückhaltend: „Ob der alte Grundsatzbeschluss schlecht war, weiß ich nicht. Ich muss heute mit den Realitäten leben.

Bei dem Grundsatzbeschluss kann es nur darum gehen alles auf eine Karte zu setzen: Und zwar alle Reparaturen und Bäder zu vernachlässigen und ein neues Zentralbad zu bauen.

Einige Rahmenpunkte wurden am 17.2.2005 mit den Stimmen von CDU und GRÜNEN bei Gegenstimmen der SPD(!) beschlossen:

Die Gutachterempfehlungen zu Phase II, hier insbesondere das Entwicklung-/ Investitionskonzept – Szenario 3 – werden als Entwicklungskorridor zur Kenntnis genommen. Ihre Umsetzung soll im weiteren  Verfahren gemeinsam mit dem privaten Partner konkretisiert werden….

Szenario 3 wird wie folgt beschrieben:

Szenario 2 sieht die Sanierung und Attraktivierung der bestehenden Hallenbäder vor. Im Vordergrund steht die Qualitätssteigerung für den Besucher und die zielgruppenspezifische Ausrichtung. Der hiermit verbundene Investitionsbedarf beträgt rd. 13,6 Mio. €. Neue Besucherpotentiale könnten erschlossen werden, die Betriebskosten würden sinken.

Szenario 3 entspricht den Investitionsmaßnahmen des Szenarios 2. Zusätzlich würde statt Sanierung und Attraktivierung des Hallenbades Gaarden das Freibad Katzheide in ein Kombibad umgebaut werden. Das hiermit verbundene Zusatzinvestitionsvolumen beträgt rd. 3,6 Mio. € im Vergleich zu Szenario 2, dem steht aber ein möglicher Verkaufswert von ca. 1,5 Mio. € des Grundstücks Gaarden entgegen. Das Nettogesamtinvestitionsvolumen würde dann 15,7 Mio. € , das Bruttoinvestitionsvolumen 17,2 Mio. € vor Zwischenfinanzierungskosten und baubedingten Einnahmeausfällen betragen.

Hier tauchen die 17 Millionen auf, die seither aus irgend einem Grund als Maßgabe für alles dienten. Dann aber beim Bau des neuen Zentralbads schnell überschritten wurden.

Das Zentralbad ist im Grunde eine Abwandlung des Szenario 3. Oder wenn man es genau nimmt stellt es eigentlich eine Umkehrung des Bädergutachtens dar. Denn niemals hat das Bädergutachten vorgeschlagen alle Bäder verkommen zu lassen oder teilweise zu schließen. Man hat also nicht wenig für ein Gutachten ausgegeben, das man dann eigentlich nirgendwo richtig umgesetzt hat, abgesehen von einigen kleinen Maßnahmen. Z.b. was eine Erhöhung der Öffnungszeiten angeht, so ist man da eher rückwärts gegangen.

Neben den Investitionen war auch immer das Einfrieren des Zuschußbedarfs eine Maßgabe. Entscheidend dafür war der Beschluß am 10.06.2004 zur Haushaltskonsolidierung:

Der Zuschussbedarf der städtischen Schwimmhallen und Sommerbäder soll binnen eines Zeitraumes von maximal 3 Jahren um 30 % gesenkt werden. Die Auswirkungen sind unter Einbeziehung des Bädergutachtens dazustellen. Im Rahmen der Neuordnung eingesparte Personalkosten, die vorübergehend aus dem allgemeinen Haushalt zu finanzieren sind, werden auf die 30-%-Vorgabe angerechnet. Der Ratsversammlung ist im Herbst 2004 – rechtzeitig zu den Haushaltsberatungen für 2005 – anhand eines umfassenden Kriterienkataloges ein entsprechender Stufenplan vorzulegen.

und Drucksache 1141/2009::

Der maximale Zuschussbetrag des Eigenbetriebs Beteiligungen in Höhe von 2,4 Mio. € wird mit Inbetriebnahme des neuen Zentralbades festgeschrieben. Aufwandssteigerungen sind z. B. durch Entgelterhöhungen auszugleichen.

Auch der Prozentbetrag 30% oder  die 2,4 Millionen Euro sind aus der Luft gegriffene Zahlen mit sehr konkreten Folgen für die Bäderlandschaft. Nirgendwo wird begründet, wie dieser Betrag begründet wird. Wenn wird die Inflation seit 2004 ansetzen, so müsste der Zuschuß heute bei 3 Millionen Euro liegen. Alles andere wäre eine Kürzung des Zuschußes. Das ist aber insbesondere im Hinblick auf das Plus im Haushalt gegenwärtig schlecht zu rechtfertigen.

An dem Zustand der Kieler Bäder lässt sich ja sehr gut ersehen, dass der Zuschussbedarf nicht ausreicht. Spätestens nach der Eröffnung des Zentralbads wird man da dann auch nachbessern müssen.

Aus meiner Sicht sind in der Vergangenheit die falschen Weichenstellungen vorgenommen worden. Und die Ergebnisse sehen wir heute. Es lässt sich eben an Infrastruktur nicht beliebig sparen, ohne dass das Konsequenzen hätte. Man kann auch mit neuen Bädern nicht die grundsätzlich notwendigen Instandhaltungen beenden. Auch wird das Zentralbad absehbar höhere Betriebskosten haben, als das Freibad Katzheide.

 

 

Keine Transparenz bei #Freizeitbad und #Katzheide

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Abtauchen-in-Katzheide_pdaArticleWide2013 kündigte Herr Stagars noch an, dass Bürgermeister Todeskino eine Art Gläserne Akte zum Freizeitbad, wie bei Möbel Kraft, beauftragen wollte. Bisher sieht man nur ein paar Bildchen und Texte. Keine Transparenz was Finanzen angeht. Der Verein „Katzheide: JA!“ forderte das bisher vergeblich für Katzheide. Man würde meinen, wenn politische Entscheidungen getroffen werden, dass eh alle Fakten und Zahlen auf dem Tisch liegen würden. Man muss sie dann quasi nur auf eine Seite kopieren. Wenn die Zahlen nicht transparent gemacht werden können, kann man daraus nur zwei Gründe vermuten:

  1. Es liegen keine belastbaren Zahlen vor, die eine Grundlage eine Entscheidung begründen würden. Auch werden Kosten nicht ermittelt und die Verwaltung und Selbstverwaltung planen und bauen ins Blaue hinein – Denn sie wissen nicht, was sie tun.
  2. Es wird den Bürger*innen bewusst vorenthalte, was die Zahlen aussagen. Nach der guten alten Devise keine schlafenden Hunde zu wecken. Lieber keine Information bieten

Es ist längst keine Neuigkeit mehr, dass der Kostenrahmen für ein neues Freizeitbad von höchsten 17 Millionen gerissen wurde. Zuletzt meinte der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Torsten Stagars noch „Wir haben an ALLES gedacht“. Bis heute wurde aber immer wieder deutlich, dass man dann doch auch noch einiges vergessen hat. Denn die Kosten stiegen weiter. Längst steht fest, dass die politische Entscheidung ein großes neues Bad zu bauen aus finanzpolitischer Sicht eine schwere Fehlentscheidung war. Denn das Ziel damit Geld zu sparen im Vergleich zur Reparatur bestehender Bäder wurde weit verfehlt. Ich habe das schon frühzeitig (2009) prognostiziert. Was aber auch keine große Kunst war. Das hier schöngerechnet wurde und gelogen bis die Balken biegen, war offensichtlich. Und dort wo nicht gelogen wurde, glaubten Ratsleute den Darstellungen ihrer Kollegen blind. Stattdessen wurden die  Kritiker, die bisher recht behielten als Amateure und Spinner abgekanzelt. Dabei muss man eben sagen, dass die Politik in Kiel von damals bis heute ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat. Sie könnens nicht. Sie können keine angemessenen Großprojekte planen, die nicht irgendwann den Rahmen sprengen und neue Löcher in den Haushalt sprengen. Mehrverschuldung unter dem Label des Sparens. Die Übergroße Koalition aus CDU,SPD,FDP, GRÜNEN, SSW stellt dabei die große Alternativlosigkeit dar, die zu jedem Großprojekt Ja und Amen sagt. Es gibt, wenn überhaupt, nur leise Kritik, aber von diesen Bänken geht niemals ein NEIN aus, wenn die Chance da ist, viel Geld auszugeben mit wenig Chance auf Nutzen. Keiner will an der Seitenlinie stehen, alle wollen mitspielen – und ein wenig Regierungsluft schnuppern. Ich bin ja gespannt, was nach dem Olympiadebakel, dass alleine die Stadt Kiel ca. 2 Millionen gekostet hat, als nächste Sau durchs Dorf getrieben wird.

Aus der Drucksache 883/2015 werden einige wahrscheiniche Kostensteigerung für den Bau und den Betrieb des Freizeitbades deutlich. Wobei diese Drucksache für Laien (Wie mich) schwieriger zu entschlüsseln ist in ihrer vollen Bedeutung als vorhergegangene Drucksachen. Denn hier werden mehrere Bereiche vermischt und viele Summen parallel genannt. Es gibt keine einzige klare Summe oder klare Aussage, die sich herausziehen lässt. Nur so viel:

  1. Nicht alle beantragten Fördersummen wurden bisher anerkannt. Das kann bedeuten, dass diese auch nie anerkannt werden. Die Summe der Kosten, die die Stadt Kiel am Ende alleine stemmen muss, sind wahrscheinlich viel höher als angenommen
  2. Für den Betrieb muss die Stadt Kiel wahrscheinlich, aufgrund dessen, dass der Badebetrieb von der Kieler Bäder GmbH betrieben wird, ganz normal 19 Prozent Umsatzsteuer zahlen. Das hatte man sich wohl anders gedacht.

Ich zitiere:

Diese Änderung hätte finanzielle Auswirkungen nicht nur auf die bestehenden Bädereinrichtungen, sondern auch auf das im Bau befindliche Sport- und Freizeitbad. Künftig wären auf alle Investitionen für die Bäder 19 % Umsatzsteuer ohne Möglichkeit der Erstattung durch das Finanzamt zu zahlen. Dieser Umstand würde allein für den Bau des  Sport- und Freizeitbades zu Mehrkosten von insgesamt rund  5 Mio. € führen. Bei der Verrechnung der im Haushalt zur Verfügung stehenden investiven Mittel mit den bewilligten Fördermitteln wurde auf Grund der zum 01. Januar 2015 geänderten Vertragslage  davon ausgegangen, dass weiterhin lediglich eine Kürzung der abziehbaren Vorsteuern  für das Schulschwimmen zu berücksichtigen ist. Dies ergibt auf eine Summe von  26.514.794 € netto Mehrkosten i. H. v. rund  503.780 €.

 

In dem Text tauchen drei mal Mehrkosten aus:

  • Für den Bau 5 Mio €
  • Noch einmal rd. 500.000 € (erscheinen in der Tabelle der Mehrkosten noch einmal)
  • Noch einmal rd. 3 Mio €

In wie weit das schon Sachen verrechnet sind, ist mir in der Kürze der mir zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich. Ich gehe davon aus, dass sich aus dieser geschäftlichen Mitteilung Mehrkosten von rund 8 Mio € ergeben?

Beim Thema Katzheide soll es demnächst eine „Brückengruppe“ geben. Ein neuer Name für die vom Ortsbeirat abgelehnte „Lenkungsgruppe“. Die soll dann die Bürgerbeteiligung vorbereiten. Und dann? Das Bürgerbegehren, dass von der Stadt angenommen wurde bedeutet, dass die Stadt Katzheide weiterbetreiben wird. Deswegen sind Aussagen von Politiker*innen, dass es nun um die Frage des Betreibers gehen soll ein wenig verwirrend. Das wäre ja die Frage gewesen, wenn der Bürgerentscheid verloren worden wäre. Verlieren und gewinnen, da muss es aber einen Unterschied geben. Das Ergebnis ins Gegenteil verkehren – das kann nicht sein!

Aber man wird abwarten müssen, was in der Bäderpolitik auf den Tisch gelegt wird und wie ernst man es seitens der Stadt mit Demokratie nimmt. Nur Theater oder echte Bürgerbeteiligung?

#Katzheide: Stadt Kiel offenbar ohne Plan

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katzheide-logo-farbe-200pxAuf viele Fragen hat die Stadt keine Antwort gefunden. Auf Anfrage ist sie z.B. bisher nicht mehr in der Lage sich zu erinnern, ob sie Förderung für ihre Schwimmbäder beim Land beantragt hat. Oder wie hoch die Eintrittspreise sein werden, wenn Katzheide am 20. Juli die Pforte für Nichtschwimmer öffnet.

Die Stadt war auch nicht in der Lage und willens die Katzheide-Badegäste über die Schließung vor Ort zu informieren.

Nun kam die Kostenschätzung der Stadt an die Vertretungsberechtigten und somit der „Beipackzettel“ für die Unterschriftenliste. Für einen dauerhaften Erhalt kalkuliert die Stadt rund 10 Millionen Euro. Wer es sich genau anschaut liest aus den Maßnahmen: Dies entspricht im Grunde einem kompletten Neubau von Katzheide.

Wenn es 2009 ein Kombibad, also den Neubau einer Halle am Standort Katzheide inklusive Sanierung von Katzheide für 8 Millionen geben hätte, fragt man sich wie hoch denn von den 8 Millionen damals die Sanierungskosten für Katzheide gewesen wären? Bereits bei der Lessinghalle hatte man ja mit 15 Millionen kalkuliert für eine Instandsetzung (vom Auftrag her aber ein Teilumbau des Schrevenparks), endet aber bei einer Nutzungsänderung inklusive Totalumbau bei einem weitaus geringeren Betrag von 6.8 Millionen.

Das Muster ist immer das gleiche: Ein kleiner Mangel oder eine Verwahrlosung, die ursächlich der Stadt und der Kieler Bäder GmbH zuzuschreiben sind ist Anlaß für eine plötzliche Schließung. Dabei scheint man durchaus die Gefährdung von Badegästen in Kauf zu nehmen. In Katzheide gab es z.B. angeblich seit Jahren eine Belastung durch Bakterien und Plize. man hat das aber über Jahre getragen ohne es konkreter zu untersuchen oder Abhilfe zu schaffen. Aber NACH der Saison 2014 wusste man plötzlich, dass das ganze so gefährlich ist, dass eine WIedereröffnung 2015 unmöglich wäre. Bzw. argumentierte man 2014 noch, dass die Schwimmbadfolien undicht seien. Ständig werden andere Begründungen genannt, wenn man ein mal nachhakt.

Ohne Zweifel: Die Kieler Bäder weisen Mängel auf. Aber jedes Bad ist irgend wann einmal neu: Schwimmhalle Gaarden, Schilksee, Katzheide, Lessinghalle. Alle erstrahlten einmal in einem neuen Glanz und wurden sicher hochgelobt dafür das sie NEU und MODERN seien.

Und es stimmt sicher auch, dass jedes Gebäude oder jede Einrichtung den Punkt erreicht, wo sie nicht mehr tragbar ist, weil der Unterhalt zu teuer wird, oder die Ansprüche so steigen, dass niemand es mehr benutzen möchte.

Aber die eigentliche Methode dem vorzubeugen ist Infrastrukturen nicht einfach kaputt gehen zu lassen und Mängel sehenden Auges weiterentwickeln zu lassen. Die Einstellung in der Stadt ist leider all zu oft: „Ja, wir hätten es erhalten sollen, aber nun ists ja zu spät… Nächstes mal…“ Aber da wir die vergangenen Jahrzehnte gesehen haben, wie die Stadt jedes Bad in unterschiedlichen Baujahren auf die gleiche Art verkommen ließ, wissen wir auch mit Bestimmtheit, dass sie das neue  Zentralbad genau so verkommen lassen wird. Dies grenzt schon an Veruntreuung von Steuergeldern und entspricht einer Wegwerfmentalität, wie sie heutzutage eigentlich nicht mehr adäquat ist (und eigentlich nie war!)

Zehn MIllionen für den Erhalt von Katzheide sind ein schlechter Witz. Niemand will aus Katzheide ein Luxusbad machen. Der Ansatz der Katzheide-Fans ist ja gerade dieses günstige Bad zu erhalten und nicht ein Bad an die Stelle zu setzen, bei dem nur noch wenige sich einen Eintritt leisten können.

Die Stadt hat spätestens seit 2004 an den Bedürfnissen der KielerInnen und dem Umland vorbei geplant. man hat zwar mit großem Tamtam ein „Gutachten zur Neuausrichtung der Bäderlandschaft“ verabschiedet. Aber dessen Ergebnisse waren eher mager. Grundtenor ist, dass Kiel die Attraktivität der Bäder steigern müsse und dann kommen auch die Leute aus dem Umland, z.B. Neumünster alle nach Kiel. Der Ansatz ist neoliberal in dem Sinne, dass jedes Bad in eine Konkurrenzsituation gesetzt wird. Man hat sich also dafür entschieden statt den Bestand zu erhalten und leicht zu verbessern ein neues Bad zu bauen, das angeblich alle möglichen Funktionen und Bedürfnisse erfüllt und damit dann auch anderen Kommunen ihre Badegäste wegnimmt. Dabei nimmt man in kauf, dass alle Bäder ihre treuen Gäste/KundInnen verlieren. Sogar wirtschaftlich gedacht ist das gefährlich, denn man weiß, dass ein mal verlorene Kunden selten wiederkommen. Aus der Zusammenfassung des Bädergutachtens geht nicht hervor, dass auch nur ein einziger Badegast befragt wurde. Weder in Kiel noch in den Umlandgemeinden. Sprich man hat sich wenig für Kundenwünsche interessiert.

Das Schwimmbad in Laboe galt aber als Vorbild, weil dort viel zur Attraktivierung investiert wurde. Das gerade Laboe zur Zeit wegen Nachfrageprobleme um die Existenz bangen muss ist dabei vielsagend. Vielleicht brauchen Schwimmbäder gar keine großartige Attraktivitätssteigerung. Vor allem nicht vorbei an denen, die die Bäder eigentlich nutzen!

Die Ratsleute folgten aber stets der Argumentation der Gutachterfirmen oder den Analysen der Kieler Bäder GmbH. Es wurde nicht hinterfragt, ob die empfohlene Richtung wirklich das Beste für Kiel und die Badefreunde ist. Und der aktuelle Fall Katzheide zeigt nun das Ausmaß wie sehr man am Bedarf vorbei geplant hat. Dabei ist das neue Bad an der Gablenzbrücke noch gar nicht eröffnet. Dass dies nicht die Massen anziehen wird, kann man schon heute erahnen. Unzählige Beispiele aus ganz Deutschland für fehlgeplante Großbäder konnten aber die Kieler Stadtplaner nicht davon abhalten die gleichen Fehler auch gerne mal machen zu wollen. Verantwortung wird dann, auch das ist absehbar, keiner tragen wollen. Und man wird sagen: Das konnte man nicht wissen! Man hat uns falsch informiert!

Ich hoffe, dass Katzheide erhalten bleibt. Weil wenn das große neue Bad abgerissen werden muss wegen zu geringer Nutzung wäre es gut, wenn es in Kiel wenigstens im Sommer noch ein Freibad geben würde, dass genutzt werden kann.

Written by tlow

10. Juli 2015 at 07:16

Veröffentlicht in Sport, Transparenz

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#Katzheide – die aktuelle Situation

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Aktuell hat die Stadt angekündigt, lediglich das Nichtschwimmer-Becken zu reparieren. Zu dem großen Becken gibt es keine belastbaren Zusagen. Klar ist: In wenigen Monaten wird die Badesaison sich dem Ende zu neigen.

Warum das Zögern? Wieso jetzt überhaupt Reparaturen, wenn es am Anfang als völlig abwegig betrachtet wurde, irgend was retten zu können?

Eins wurde betont: Nach 2017, nach Eröffnung des Zentralbades ist Schluss. Auch wenn jetzt technische Gründe für die vorübergehende Schließung ins Feld geführt wurden, spielt der technische Zustand dann keine Rolle mehr.

Daraus wird deutlich, dass die technischen Gründe nicht wesentlich für die Katzheide-Frage sind. Die Frage lässt sich darauf reduzieren:

  • Braucht Kiel und Gaarden ein Freibad Katzheide, trotz Außenbereichs beim neuen Zentralbad?

Viele sind der Meinung, dass das neue Zentralbad in keinem Fall ein adäquater Ersatz für Katzheide darstellt. Zum einen befindet es sich trotz anderer Darstellung nicht mehr im Stadtteil Gaarden. Das ist sicher für viele ängstliche Mitbürger eher ein Grund es eher zu nutzen. Für die Stadt Kiel ist Gaarden ein schmutziger Stadtteil mit Mitbürgern zweiter Klasse. Und daher der Standort des Zentralbads außerhalb Gaardens ein Versuch das gute, saubere Westufer etwas näher an Gaarden heranzurücken. Genau so wie die klinischen Glassakralbauten in der Kai City. Trotz gegenteiliger Erfahrungen weltweit glaubt die Stadt wie viele Stadtplaner vergangener Jahrzehnte, dass neu immer besser ist. Und das man einen Stadtteil aus dem Boden stampfen kann, der dann vergleichbar wäre mit einer gewachsenen Nachbarschaft. Und in der  Kai City verfolgt man derzeit auch kein Konzept. Man ist vollkommen abhängig von Investoren.

Aber deshalb den Gaardenern zwei Schwimmbecken wegzunehmen und außerhalb Gaardens zu verschieben, ist nicht fair und auch nicht schlau. Gaarden wird das mit Sicherheit nichts nützen. Es wird Gaarden zwei Attraktionen ersatzlos entziehen. Und es wird für weniger Besucher aus anderen Stadtteilen sorgen. Aber Letzteres ist genau das, was dringend gesucht wird, auch bei städtischen Planern. Z.B. um die Kaufkraft in Gaarden zu erhöhen.

Was fehlt ist ein Bekenntnis Kiels zu Gaarden und zu deren Einwohner*innen. Gaarden braucht nicht weniger Angebote, sondern mehr!

Written by tlow

15. Mai 2015 at 06:50

Veröffentlicht in Bauprojekte, Rathaus

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